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Der Sternenjäger von Rügen

Alt-Reddevitz Der Sternenjäger von Rügen

Martin Rakelmann aus Göhren hat sich auf die Fotografie des Nachthimmels spezialisiert

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Das Foto entstand gegen 21 Uhr in Alt-Reddevitz.

Quelle: Foto: Martin Rakelmann

Alt-Reddevitz. Über Mönchgut ist längst die Dunkelheit hereingebrochen. Mit Stirnlampe, Thermojacke und grün-weiß geringelter Mütze sowie einem schweren Fotorucksack auf dem Rücken zieht Martin Rakelmann los. Sein Weg führt ihn über Trampelpfade bis an den äußersten Zipfel von Alt-Reddevitz. Hier am Strand findet der 33-Jährige das, wonach er sucht. Einen möglichst dunklen Standort, um abertausende von Sternen am Nachthimmel auf ein Foto zu bannen. „Wittow gehört zu den Regionen mit der geringsten Lichtverschmutzung Deutschlands“, sagt er und rammt das schwere Fotostativ in den Boden. „Aber hier ist es auch nicht schlecht.“

OZ-Bild

Martin Rakelmann aus Göhren hat sich auf die Fotografie des Nachthimmels spezialisiert

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An diesem Abend hat er sich das Sternbild Orion mit seinen astronomischen Nebeln als Fotomotiv ausgesucht. Es sei schon etwas Vorbereitung für so ein Foto nötig, erzählt der gelernte Koch. „Im Allgemeinen schaue ich mir die Stelle einen Tag vorher an und überlege mir, wo bestimmte Sterne aufgehen und wo die Milchstraße zu sehen ist“, sagt er. „Außerdem muss der Vordergrund stimmen. Meine Fotos sind ja keine reinen Himmelsfotos, man soll schon erkennen, dass sie auf Rügen entstanden sind.“ 

Der kleine Lichtkegel einer Stirnlampe reicht Rakelmann aus, um seine Ausrüstung aufzubauen. Jeder Handgriff sitzt, in wenigen Minuten ist das Equipment einsatzbereit. „Ich verwende unter anderem eine astromodifizierte Canon 70D“, erzählt er. „Diese Kamera ist so verändert, dass sie bestimmte lichtaktivierte Partikel im Weltraum besser darstellen kann.“ Noch wichtiger für das Gelingen des Sternenfotos sei die sogenannte Nachführung. „Wenn man in die Sterne schaut, realisiert man zunächst gar nicht, dass sie sich bewegen. Tun sie aber. Und das gar nicht so langsam“, erklärt Rakelmann.

„Bei den langen Belichtungszeiten, die wegen der Dunkelheit nötig sind, braucht man also ein Gerät, was die Kamera genau im Tempo der Sterne mitbewegt. Sonst hat man nachher nur Striche auf dem Bild.“

Belichtet wird ein Foto, je nach Standort und Motiv, rund vier Minuten. Rakelmann drückt den Auslöser. Zeit für Betrachtungen des Sternenhimmels und einen Schluck Kaffee oder Bier, je nach Jahreszeit. „Ich finde den Weltraum unheimlich faszinierend. Natürlich denkt man viel nach, wenn man hier draußen ist. Über das Thema Unendlichkeit zum Beispiel.“ Dass er auf seinen Touren meistens allein loszieht, macht ihm nichts aus. Im Gegenteil. „Im Sommer arbeite ich jeden Tag bei uns im Restaurant, dann herrscht Hochbetrieb. Daher genieße ich jetzt die Ruhe und das Alleinsein. Man nimmt die Natur dann sehr intensiv wahr.“

Auch in dieser Alt-Reddevitzer Nacht ist das Flügelschlagen der Höckerschwäne in der Dunkelheit und das Geschnatter von weit entfernt rastenden Gänsen seltsam präsent. „Wenn man weiß, dass es harmlose Tiere sind, ist das in Ordnung“, lacht Rakelmann. „Wenn man aber wie ich vor kurzem abends am Waldrand steht und schnaufend-heisere Schreie hört, ist das nicht mehr witzig. Da wurde mir schon mulmig.“ Hirsche seien es gewesen, hat er später herausgefunden und sich sicherheitshalber auch beim Förster über das mögliche Gefahrenpotenzial der Vierbeiner erkundigt. „Er konnte Entwarnung geben. Gefahr geht vielmehr von Wildschweinen aus. Vor denen musste ich mich auch schon mal mit meiner Freundin Elisa auf einem umgestürzten Hochsitz verstecken.“

Auf die Sternenfotografie konzentriert hat sich der Autodidakt Martin Rakelmann erst, seit er vor rund zwei Jahren wieder nach Hause auf die Insel Rügen kam. „Vorher war ich eine Zeit in Köln, da habe ich auch fotografiert, aber für vernünftige Astrofotos ist die Stadt einfach zu hell“, erzählt er. Auf einmal macht es hinter ihm deutlich hörbar „klack“, die Belichtungszeit ist um. Rakelmann schaut sich das Bild auf dem Display der Kamera an. Obwohl das menschliche Auge in der Natur nur dunklen Himmel und helle Sternenpunkte sieht, hat die lange Belichtung eine andere Welt auf das Foto gezaubert. Zarte Rosatöne sind dort zu sehen, die Milchstraße leuchtet und am Horizont kann man ein leichtes Glimmen erkennen.

Doch damit ist das Foto noch nicht komplett. „Jetzt muss ich den Vordergrund fotografieren“, sagt er. „Durch die Nachführung der Kamera sind zwar die Sterne scharf, aber der Vordergrund verwischt.“

Aus Vordergrund und Hintergrund entsteht an seinem Computer im heimischen Göhren dann das fertige Bild. „Ich bearbeite das Bild auch digital nach, erhöhe Kontraste und arbeite mit Filtern“, stellt er klar. „Einige Menschen sagen mir, sie fänden diese Vorgehensweise zu künstlich, nicht echt. Aber ich empfinde den Moment und den Anblick der Sterne genau so, wie er nachher auf den Fotos zu sehen ist.“ Er überlegt kurz. „Ich sehe meine Arbeit nicht als künstlich. Ich bringe einfach nur das zum Vorschein, was man auf den ersten Blick mit dem menschlichen Auge nicht sieht.“

Foto-Tipps für Nachtfotos

Für Fotos des Nachthimmels sollte man einiges beachten: Die Kamera muss die Möglichkeit der manuellen Einstellung von Blende, ISO-Zahl und Belichtungszeit bieten, das verwendete Objektiv sollte lichtstark sein, ein Weitwinkelobjektiv mit geringer Brennweite bietet sich an. Ein stabiles Stativ gehört auf jeden Fall zur Ausrüstung, zu empfehlen ist auch ein Fernauslöser der Kamera.

Ansonsten gilt: Den Autofokus ausstellen, am besten manuell auf „kurz vor unendlich“ fokussieren, Blende möglichst weit öffnen und die ISO Zahl hochsetzen. Bei der Belichtungszeit heißt es:

probieren! Meist eignen sich Zeiten zwischen zehn und 30 Sekunden.

Internetseite Martin Rakelmann: www.lichtsammler-fotografie.de

Anne Ziebarth

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