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Dreilich hat Ersatzvater auf Rügen und die Binzer Pension Ingeborg ein Geheimnis

Dreilich hat Ersatzvater auf Rügen und die Binzer Pension Ingeborg ein Geheimnis

Am 21. Mai treten die Puhdys, City und Karat als Rocklegenden in Ralswiek auf / Ein paar Karten gibt es noch

Ralswiek. Die Ostrocker von City, Karat und Puhdys gehen ein letztes Mal gemeinsam als „Rocklegenden“ auf Tour. Am 21. Mai machen sie Station auf der Naturbühne in Ralswiek. Im Interview sprechen Toni Krahl (City), Claudius Dreilich (Karat) und Dieter „Quaster“ Hertrampf (Puhdys) über die Rockerrente, Spitznamen und legendäre Partys nach den Auftritten.

Tretet Ihr als Rocklegenden alle gemeinsam als große Band auf?

Toni Krahl: Ja, teilweise sind alle 15 Musiker auf der Bühne.

Claudius Dreilich: Man kann sagen, es geht so los und hört auch so auf. Also wir verlassen auch alle gemeinsam die Bühne wieder.

Krahl: Und zwischendurch besuchen wir uns auch.

...und singt Lieder der anderen?

Krahl: Ja, genau. Es wird mal 'ne Strophe übernommen ...

Dreilich: Die Instrumentalisten kommen dazu und spielen bei dem einen oder anderen mit ...

Quaster: Auch die Tänzer. (lacht) Krahl: Es gibt auch mal eine Nummer mit zwei Schlagzeugen. Und es gibt keine Umbaupausen, das ist ganz angenehm für das Publikum.

Was habt Ihr für eine Verbindung zur Insel Rügen?

Quaster: Für mich ist jedes Jahr „Störtebeker“ Pflicht, weil ja unser guter Freund Lippi dort auf dem Sand trällert. Das machen wir schon seit Jahren. Und dann müssen wir unbedingt nochmal zur Pension Ingeborg in Binz. Die ist der volle Wahnsinn. (lacht herzlich)

Krahl: Jetzt wirste aber rot, was hast Du da erlebt?

Quaster: Ach, das ist eine Geschichte für sich. Ich sag nur, Pension Ingeborg! Da ist die Zeit stehen geblieben.

Dreilich: Mich hat Lippi vor elf Jahren, als mein Vater gestorben ist, zur Seite genommen und sagte: „So mein Freund, nicht dass Du denkst, weil Du jetzt Vollwaise bist, kannst Du hier auf die Kacke hauen. Ab sofort bin ich Dein Erziehungsberechtigter.“ Und diese Rolle nimmt er auch ziemlich ernst. Und ich bin mindestens zweimal im Jahr auf Rügen, und wir machen so eine Art Vater-Sohn-Betrinken.

Die Puhdys haben sich ja eigentlich 2015 in die Rockerrente verabschiedet. Und nun seid Ihr doch nochmal mit unterwegs...

Quaster: Die Rocklegenden hätten ja ohne uns nicht mehr stattgefunden. Und dann haben uns die anderen überredet, diese Tournee noch mit dran zu hängen. Das ist ja eigentlich auch kein eigenständiges Konzert, sondern nur eine Mitwirkung.

Krahl: Die dürfen sich ja zur Rente ein bisschen was dazu verdienen.

Quaster: Eben, wir sind ja schon seit ewigen Zeiten Rentner. Ich habe nur noch eine Verabredung, die ist da oben im Himmel. Aber das kann auch noch 'ne Weile warten.

Was machen denn die einzelnen Puhdys jetzt?

Quaster: Ach, es macht jeder allein für sich weiter. Ich mache zwei Programme, Maschine macht seine Sachen. Bimbo, der übrigens nicht mehr Bimbo genannt werden will, macht jetzt sein Diplom als Musiktherapeut.

Krahl: Dann nennen wir ihn doch richtig: Peter Rasym.

Seit wann will er das nicht mehr?

Quaster: Keine Ahnung.

Krahl: Seit er erwachsen ist, vielleicht. (beide lachen)

Wie ist das eigentlich bei City und Karat? Gibt's da auch Spitznamen?

Dreilich: Ja, unser Trommler wird aus alten Zeiten noch Elch genannt, weil er so große Ohren hat. Sonst eigentlich nicht.

Quaster: Ihr seid zu ernsthaft.

Dreilich: Doch warte mal — Christian Liebig! Der heißt auch schon ewig Kröschel. Warum, weiß ich allerdings auch nicht. Aber das ist nicht so verwurzelt, wie bei den Puhdys.

Quaster zu Krahl: Wie sieht's denn bei Euch aus?

Krahl: Ach, bei uns hat jeder seinen normalen Namen. Allerdings, unser Geiger, der heißt ja eigentlich Georgi Gogow. Und der hat es geschafft, dass niemand so richtig weiß, wie er wirklich heißt, und niemand seinen Spitznamen schreiben kann. Er nennt sich Jorro. Mal schreibt es jemand mit G, dann mit J, dann mal mit einem oder mit zwei R. Er hat es so weit getrieben mit seiner Geheimnistuerei, dass schon Leute zu ihm „Hans, die Geige“ gesagt haben. Aber dann wird er sauer. (Quaster und Claudius lachen)

Wie unterscheidet sich eigentlich das Musikerdasein in der DDR und danach?

Quaster: Es gibt Dinge, die besser und welche, die schwerer geworden sind. Von Anfang an sind ja die Bands selbstständige Unternehmen gewesen — sowohl im Osten, als auch im Westen.

Im Osten war die Instrumentenbeschaffung schwierig. Und im Westen war es schwierig, überhaupt wieder auf die Beine zu kommen. Aber natürlich gab es dann auch mehr Möglichkeiten. Heute brauchste Dir ja um Gitarrensaiten oder Schlagzeugstöcke keine Gedanken zu machen. Früher, als wir noch nicht in den Westen durften, mussten wir zum Hersteller fahren, den bestechen, damit er heimlich ein paar über'n Tisch reicht, weil ja sonst alles in den Westen exportiert wurde.

Was macht Ihr nach der Tour?

Krahl: Ich glaube, dann brauchen wir erstmal ein bisschen Urlaub. Und wir feiern nächstes Jahr zwei Jubiläen mit City. Einmal 45 Jahre Bandjubiläum. Und was aber eigentlich noch viel emotionaler und wichtiger für uns ist, ist 40 Jahre „Am Fenster“. Mit dem Lied verbinden sich so viele Emotionen und Geschichten, auch Dramen. Wie das Lied entstand bis dahin, was die Leute dabei erlebt und gefühlt haben, wie viel Kinder gezeugt wurden, wie viele kleine Tonis jetzt rumlaufen...

Dreilich: Die hast Du alle selber gemacht?

Krahl: Nee, ich meine doch auch die Post von den Leuten, wo es hieß „Unser Sohn heißt jetzt auch Toni“. (alle lachen)

Quaster: Das konnte man aber auch missverstehen.

Dreilich: Ich war schon voller Ehrfurcht.

Krahl: Mit dem Lied wird einfach viel Emotion und Liebe verbunden. Und es ist auch geeignet, dazu Liebe zu machen. Es ist ja kein „Hey, wir woll'n die Eisbären sehen“. Obwohl — man müsste es mal ausprobieren, ob es dazu auch geht.

Dreilich: Für uns ist diese Tour ja kein Anfang vom Ende, denn wir spielen sowieso weiter. Wir machen unsere ganz normalen Konzerte bis zum Ende des Jahres. Und nächstes Jahr gibt‘s dann ein neues Album von uns.

Quaster: Und bei uns macht dann jeder seins.

Auf der City-unplugged-Tour erzählt Toni Geschichten von wilden Partys nach den Rocklegenden- Konzerten. Was ist da dran?

Quaster: Na, wir sind schon sehr lustig unterwegs.

Dreilich: Ich weiß es immer am nächsten Tag gar nicht mehr so genau. (lacht)

Krahl: Es stimmt schon. Auch die Namen, die ich nenne, sind schon die federführenden.

Dreilich: Es gibt einen harten Kern, der sich immer wieder findet zu einer bestimmten Uhrzeit und sich jeden Abend wieder neu kennenlernt.

Quaster: Thema ist ja meist, „Heute trinke ich nur noch ein Bier und dann geh' ich schlafen.“

Dreilich: Genau so fängt's an.

Krahl: Und dann kommt Quaster irgendwann und sagt „Eenen noch. Eenen Kräuter aus der Region.“

Dreilich: Und dann nimmt es seinen Lauf.

Und wer geht zuerst ins Bett?

Krahl: Fritz, beide Klausens... (Fritz Puppel, Klaus Schwarfschwerdt und Klaus Selmke; die Redaktion)

Dreilich: Micha Schwandt und unser Keyboarder Martin Becker, die kommen manchmal gar nicht erst.

Krahl: Also, bei den Geschichten nenne ich genau die Feierbiester: Quaster, Claudius, Bernd Römer, Bimbo, der nicht mehr so heißen will, Manne Hennig und icke. Das ist immer der harte Kern.

Von Interview von Ove Arscholl

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