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Ein Roadtrip von Vaschvitz nach Paris

Vaschvitz Ein Roadtrip von Vaschvitz nach Paris

Der Autor Tilman Rammstedt stellte sein Buch „Morgen mehr“ in der Kunstscheune vor

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Der Autor Tilman Rammstedt vor den Obstbäumen der Kunstscheune Vaschvitz.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Vaschvitz. Erst ein Lächeln, dann Gekicher, schließlich ausgelassenes Gelächter. Dem Berliner Autor Tilman Rammstedt, der in der Kunstscheune Vaschvitz sein Buch „Morgen mehr“ vorstellte, gelang es innerhalb kürzester Zeit, das Publikum mitzuziehen in ein gleichsam verrücktes wie witziges Roadmovie. In seinem Roman wählt Rammstedt eine ungewöhnliche Erzählperspektive. Der Ich-Erzähler ist nicht nur noch nicht geboren, er wurde noch nicht mal gezeugt. Während der Vater in Frankfurt von einem Amateurgangster im Main versenkt werden soll, droht die Mutter in Frankreich dem Charme eines anderen Mannes zu erliegen. Das Erzähl-Ich berichtet besorgt von den atemberaubenden 24 Stunden, in denen die Geschichte gleich mehrere unerwartete Wendungen nimmt. Auffallend, wie viel Tempo dieser Plot entwickelt, gerade wenn er live gelesen wird.

OZ-Bild

Der Autor Tilman Rammstedt stellte sein Buch „Morgen mehr“ in der Kunstscheune vor

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Lesungen des Buchladens

Die nächste Lesung, die der Buchladen Gingst veranstaltet, ist am Freitag, den 5. Mai, um 19.30 Uhr. Dann wird Anatol Regnier in der Kunstscheune Vaschvitz zu Gast sein und aus „Wir Nachgeborenen – Kinder berühmter Eltern“ lesen. Karten gibt es im Buchladen Gingst am Markt.

Dass die Geschichte nie an Spannung verliert, liegt wohl auch an der ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte des Buches. Rammstedt hat das Buch zwischen Januar und April 2016 quasi live im Internet geschrieben. Jeden Tag veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit dem Hanser Verlag ein Kapitel. Die Leser konnten sich diesen Text auf einer Internetseite durchblättern oder sich den täglichen Text per email oder Kurzmitteilung zuschicken lassen. „Die Abmachung mit dem Verlag war, dass ich selbst nicht weiß, wie die Geschichte weitergeht. Das heißt ich habe jeden Tag nicht nur veröffentlicht, sondern auch wirklich produziert“, berichtet er. Der Respekt des Autors vor diesem Format war groß. Die Bücher davor habe er auch relativ schnell geschrieben und das unter ziemlich hohem Druck, erzählt Rammstedt. „Sonst hätten weder der Verlag noch ich mich auf dieses Experiment eingelassen.“ Trotzdem hätte es mit den abgesprochenen Abgabeterminen um 15 Uhr nicht immer geklappt. „In meiner naiven Vorstellung sah das alles ganz locker aus. Morgens trinke ich grünen Tee, gehe Spazieren, mache Yoga, dann ein leichtes Mittagessen und ein Power Nap. Anschließend hätte ich dann meine zwei Seiten aufgeschrieben und wäre gegen fünfzehn Uhr im besten Sinne befriedigt in den Feierabend gestartet“, so Rammstedt. „Daraus wurde natürlich nichts. Die Kapitel mussten ja auch eine gewisse Dramaturgie haben und wurden dann auch immer länger als gedacht. Meine Durchschnittsabgabezeit lag bei 21 Uhr. Manchmal auch später.“ Allein schon deshalb könne es in nächster Zeit kein weiteres Buch dieser Machart geben. „Das macht der Verlag nicht mit“, lacht er.

Was denn anders sei, beim live Schreiben, will eine Dame im Vaschvitzer Publikum nach der Lesung wissen. „Es gibt keine Möglichkeit der Kurskorrektur. Alles was ich schrieb, war ja gesetzt, musste irgendwie weitergehen“, erinnert sich der Autor. „Bei diesem linearen Schreiben geht es nur nach vorne. Für mich war eine neue Erkenntnis, dass ich auch Sachen in den Roman eingebaut habe, von denen ich noch gar nicht wusste, was sie für eine Rolle spielen würden. Ich dachte einfach, die könnte ich später noch einmal gebrauchen. Den Koffer im Kofferraum des gestohlenen Autos zum Beispiel.“ Von den Geschehnissen im Buch sei nichts autobiografisch. „Aber die Sehnsüchte der Personen, deren Gedanken und Hoffnungen haben schon etwas von mir – ich hab sie mir ja schließlich alle ausgedacht und mit Leben gefüllt. Dafür muss ich die Gedanken ja kennen.“

Auf der Internetseite des Verlages, auf der sein Buch veröffentlicht wurde, gab es auch eine Kommentarspalte „Da wurde immer gerätselt, wie es weitergeht. Und wenn ich dort dann eine Idee las, die ich selber tatsächlich auch hatte, hab ich es extra anders gemacht“, berichtet Rammstedt. „Das ist der Stolz. Es soll ja niemand sagen, dass ich bei meinen Kommentatoren abgeschrieben habe.

Andererseits war es auch ein Ansporn für den Schriftsteller! Ich wollte es unbedingt noch besser machen, einen Extradreh finden.“ Eine Wiederholung solch eines Schreibexperiments ist nicht geplant.

„Ich mag das Buch so wie es ist. Aber es lebt auch von der Spannung, die ich während des Schreibens verspürte. Ich wusste ja selbst nicht, auf was ich mich da einlasse“, sagt Rammstedt. „So etwas lässt sich nicht Wiederholen. Dieser Reiz ist weg. Aber ich bin für andere Spielarten offen.“ Vor der eigentlichen Endfassung des Buches habe er sich eine finale Bearbeitungszeit von sechs Wochen erbeten. „Aber ich war überrascht, wie wenig ich tatsächlich noch ändern musste.“

Dass auch sein neunjähriger Sohn Robert für Überraschungen gut ist, zeigte sich am Schluss der Veranstaltung. Er las als kleine Zugabe selbstbewusst ein kurzes Kapitel aus „Morgen mehr“ vor. Rührung beim Publikum, Zufriedenheit beim Junior, Stolz beim Papa. Ein schöner Abend in Vaschvitz.

Anne Ziebarth

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