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Eine Gemeinde kämpft um ihr Kleinod

Zirkow Eine Gemeinde kämpft um ihr Kleinod

Nach einem Jahr Schließzeit konnte für den Museumshof Zirkow eine neue Betreuerin gefunden werden

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Elke Büssow lebt seit Jahrzehnten in Zirkow und heißt nun die Gäste des Museumshofes willkommen.

Quelle: Fotos: Gerit Herold

Zirkow. Idyllisch und wildromantisch liegt der Museumshof in Zirkow in der Mittagssonne. Die großen Bäume ringsherum stehen noch in sattem Grün. Kein Laut ist zu hören. Stille. Elke Büssow kommt langsam zur Eingangspforte. Sie lächelt. Sie ist die „die Neue“ im Museum. Nachdem Christel Ottenbreit aus persönlichen Gründen die Einrichtung verlassen hat, waren die Museumstüren für ein Jahr zu. Nun sind sie wieder an drei Tagen in der Woche offen. Zumindest erst einmal bis Ende Oktober.

OZ-Bild

Nach einem Jahr Schließzeit konnte für den Museumshof Zirkow eine neue Betreuerin gefunden werden

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„Na, neue Museumsdame? Brauchst ja nur aus der Tür zu fallen“, scherzen zwei einheimische Frauen, die den Weg entlang spazieren. Elke Büssow wohnt gleich um die Ecke. Deshalb sah sie auch immer die Leute, die an der verschlossenen Museumspforte vergebens rüttelten. „Ich habe dann mit unserem Bürgermeister gesprochen und nun bin ich hier.“

„Christel Ottenbreit war von 2008 bis zum März letzten Jahres die gute Seele des Museumshofes und in unterschiedlichem Beschäftigungsverhältnissen angestellt“, blickt Bürgermeister Jens Hoyer zurück.

Die Gemeinde hatte dann eine Stelle auf 400 Euro-Basis ausgeschrieben, aber es habe keine Bewerbungen gegeben – bis Elke Büssow kam. Die Stelle soll nächstes Jahr fortgeführt werden und jeweils von Mai bis Ende Oktober begrenzt sein – vorausgesetzt beide Seiten sehen, dass die Zusammenarbeit passt. Jens Hoyer ist da optimistisch: „Ich betrachte Frau Büssow als Glücksfall.“

Seit 1980 lebt Elke Büssow in Zirkow – im Geburtshaus ihres Mannes. Seinerzeit entstand auf dem Gelände nebenan der Museumshof. 1987/79 wurde auf Initiative von Ruth Bahls, Gründerin der Mönchguter Museen, das historische Kübbungsdielenhaus in mühevoller Arbeit rekonstruiert. Was viele nicht wissen: Die Göhrener Lehrerin und Museumsrätin Ruth Bahls hat nicht nur auf Mönchgut Spuren hinterlassen, sie wirkte auch bis Zirkow, Rambin und Zudar.

„Ich kann mich daran noch gut erinnern, wie sie alles organisiert und rangeschleppt hat. Hut ab vor dieser Frau“, erzählt Elke Büssow. Die Bahlsche Sammlung bildet noch heute den Kern des Zirkower Museumskomplexes. Zu diesem zählen neben dem Kübbungsdielenhaus, das 1727 gebaut und ab 1958 von der LPG Zirkow als Viehstall genutzt wurde, auch zwei Nebengebäude mit landwirtschaftlichen und häuslichen Maschinen und Gegenständen aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten der Insel Rügen. Die Besucher erfahren etwas über das harte bäuerliche Dorfleben früherer Generationen und über die Geschichte von Zirkow und den Hof, die auch mit Schriftstücken und Bildern dokumentiert ist. „Ach, da ist ja meine Schwiegermutter mit drauf“, schmunzelt Elke Büssow, als sie einen alten Zeitungsartikel über die Feldbaubrigade von 1966 entdeckt. Sie weiß, was im Museum Männer- und Kinderherzen höher schlagen lässt: „Der alte Lanz Bulldog, ein Traktor aus der ersten Hälfte des 19.

Jahrhunderts.“ Die Besucher würden sich auf dem Gelände gern umsehen. „Es waren gerade welche aus Bayern hier, denen hat es sehr gut gefallen. Sie schwärmten von der gepflegten Anlage“, gibt Elke Büssow das Lob wieder. Doch Gäste finden den Weg zum Museum eher zufällig, statt zielstrebig. Fluch und Segen zugleich: Die Abgeschiedenheit des Museumshofes. Um das Museum dauerhaft finanziell abzusichern, reichen die Besucherzahlen bei Weitem nicht.

Das weiß auch Bürgermeister Jens Hoyer. „Die Gemeinde Zirkow hat ein einzigartiges Museum und einen wunderschönen Museumshof, leider haben wir als kleine Gemeinde auch finanzielle Probleme und ohne Haushaltssicherungskonzept geht zurzeit leider kaum etwas. Wir sind uns im Gemeinderat aber einig, dass wir alles Erdenkliche tun wollen, um das Museum und damit die Geschichte des Dorflebens am Leben zu erhalten“, betont Hoyer. Die Gemeinde versuche trotz der sehr schwierigen finanziellen Lage, die notwendigen Mittel bereitzustellen. Jetzt sollen die Dächer repariert werden. Die Kosten hatte die Gemeinde bereits in die Haushaltsplanung mit aufgenommen.

Zu einer Gründung eines angedachten Museumsfördervereins sei es bisher nicht gekommen. Aber: „Es gibt eine fleißige Gruppe von Frauen, die sich stark für den Erhalt einsetzt. Familie Mittelbach, Frau Meukow, Frau Schlutt sind nur einige Namen“, so Hoyer.

Saison von Mai bis Oktober

Bis Ende Oktober hat der Museumshof in Zirkow Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Auch Spontanbesucher können Glück haben. Anmeldungen für Gruppen sind über das Amt Mönchgut Granitz (☎ 038303/16423 ) auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Museums möglich.

Eintritt: Erwachsene 2 Euro, Kinder 1,50 Euro Museumshof, Binzer Straße 43a

Vo

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