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Prora Eine verschwindende Welt

Italiener fotografierten die baulichen Überreste sowjetischer Truppen an 330 Orten in Ostdeutschland

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Dario-Jacapo Laganà bereitete am Dienstag die Ausstellung im Prora-Zentrum vor. Hier hängt er ein Bild, das Überreste eines alten Flughafens nahe des „Tropical Islands“ zeigt.

Quelle: Steffi Besch

Prora. In Prora eröffnet morgen eine ungewöhnliche Ausstellung. Zwei Italiener fotografierten zwei Jahre lang militärische Hinterlassenschaften der sowjetischen Armee, eine Spurensuche in den einzelnen Regionen Ostdeutschlands. Insgesamt 8000 Kilometer legten Stefano Corso und Dario-Jacopo Laganà zwischen Sonneberg im Südwesten von Thüringen bis Mukran auf Rügen im äußersten Nordosten in ihrem kleinen roten Flitzer zurück. 300 Standorte besuchten sie und brachten am Ende 10000 fantastische Bilder mit — die Dokumentation einer sich langsam auflösenden, verschwindenden Welt. Fast ein halbes Jahrhundert lang waren sowjetische Truppen in Deutschland stationiert. Russen und Deutsche trafen 1945 aufeinander und mussten sich arrangieren. Der Alltag funktionieren.

 

OZ-Bild

Prora als ehemaliger Kasernenstandort der Roten Armee ist idealer Ort für diese Ausstellung.“Susanna Misgajski, Leiterin des Prora-Zentrums

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Der Rückzug dauerte drei Jahre. Eine halbe Million Menschen wurde in die Ex-UdSSR zurückgeschickt. Es blieben verlassene militärische Städte, Flughäfen, Trainingslager, Wohnviertel mit Schulen, Turnhallen, Kinos und Theater. Im Umfeld dieser Städte entstanden komplett verlassene Gegenden, die sich die Natur in den folgenden 20 Jahren zurückerobert hat. Für andere Orte wurden neue Nutzungsmöglichkeiten gefunden und es ist inzwischen schwer, die Spuren der Sowjets aufzufinden. Einige Kasernen wurden in Wohnhäuser umfunktioniert, auf vielen ehemaligen Flughäfen befinden sich heute Solarfelder oder es werden Festivals veranstaltet.

25 Bilder umfasst die Wanderausstellung der beiden italienischen Fotografen Stefano Corso und Dario-Jacopo Laganà, die nun die von Susanna Misgajski und Mitarbeiterin Birte Kröncke frisch geweißte Wand im Prora-Zentrum für fast drei Monate zieren.

Mit ihren Kameras begaben sie sich auf die Suche nach alten Wachtürmen, wie dem auf der Erhebung Schneekopf im Thüringer Wald und Gebäude, die einst Krankenhäuser, Kasernen, Bunker, Gefängnisse waren, zum Teil in Wäldern vergessen oder zerstört, zum Teil saniert, umfunktioniert und wiederbelebt. „Das ist es, was uns so faszinierte. In Beelitz beispielsweise stehen unweit voneinander zwei architektonisch identische Gebäude, die Teil eines Krankenhauskomplexes sind. „Das eine wurde 1945 stillgelegt und zerfällt bzw. wird von der Natur erobert, das andere wurde von den Sowjets weiter genutzt und nach der Wende zur Reha-Klinik ausgebaut“, erzählt Dario-Jacopo Laganà.

Eine halbstündige Video-Montage mit weiteren Fotos und ein Bildband ergänzen die Ausstellung, über die sich die Leiterin des Prora-Zentrums besonders freut. „Wir haben uns für die Zusammenarbeit entschieden, da wir zum einen von dieser Dokumentation begeistert sind, zum anderen finden, dass die Ausstellung perfekt hier nach Prora als ehemaligem Militärstandort, an dem auch die Rote Armee stationiert war, passt. Fotos entstanden auch unweit von hier im Hafen von Mukran, von dem aus ab 1986 deutsche und sowjetische Einheiten bewegt wurden“, so Susanna Misgajski.

Prora ist übrigens auch die vorerst letzte Station der Wanderausstellung. „Wir überlegen sie auch in den alten Bundesländern zu zeigen“, so Laganà. Eine gute Idee, motiviert Misgajski, in dem Wissen um das große Interesse der Bürger im Westen der Republik.

Militärgeschichte auf altem Militärgelände

Die Ausstellung „We will forget soon. Vernachlässigte Erinnerungen an die Rote Armee in der DDR“ wird am Karfreitag 10 Uhr im ehemaligen Kontrolldurchlass zur Kaserne in Block V, dem Haus an der Schranke zur Jugendherberge, eröffnet. Sie endet am 16. Juni um 18 Uhr mit einer Finissage, zu der auch die beiden Fotografen anwesend sein werden. Die 25 Bilder werden von zwei Daueraustellungen gerahmt: „Opposition und Widerstand - Bausoldaten in Prora von 1964 -1989“ sowie einem Schülerprojekt von 2005 mit dem Titel „Prora - mehr als nur ein schöner Strand 1933-1946“.

Von Steffi Besch

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