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Federn, Flaum und stolze Hähne in Neuendorf

Lauterbach Federn, Flaum und stolze Hähne in Neuendorf

Der Schweizer Künstler Hanns Studer stellt unter dem Titel „Geflügelhof“ Holzschnitte, Glasbilder und Keramiken in seiner kleinen Galerie aus

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Das Motiv des Holzschnitts „Taube und Fähre“ ist an die Münster-Fähre in Basel angelehnt.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Lauterbach. In Neuendorf bei Lauterbach liegt eine der kleinen Galerien versteckt, die Rügen als Künstlerinsel so einmalig machen. Kurz hinter dem Hafen hat der 96-jährige Künstler Hanns Studer ein Häuschen mit Garten zu seinem Alterssitz erkoren. In der angeschlossenen „La petite Orangerie“ zeigen er und seine Frau Kilian jedes Jahr eine Sommergalerie, in der ausgewählte Werke aus den vergangenen 40 Jahren des langen und kreativen Schaffen des Schweizers zu sehen sind.

Die Ausstellung „Geflügelhof“ von Hanns Studer ist in der La petite Orangerie in Neuendorf 3 (Am Hafen vorbeifahren) noch bis zum 18. September zu sehen. Öffnungszeiten sind montags, mittwochs, freitags und sonntags zwischen 17 und 19 Uhr sowie nach Voranmeldung unter ☎ 038301/882484.

„Geflügelhof“ lautet der Titel der diesjährigen Ausstellung. Wer hier an Bauernhofromantik denkt, ist auf dem Holzweg. Sind doch neben klaren Holzschnitten von ausdrucksstarken Hähnen – Hühner kommen nicht vor – auch Taubendarstellungen ein großes Thema der Schau.

Die Vögel begleiten Studer seit seiner Kindheit in Basel. „Ich hatte ein Zimmer unter dem Dach“, erzählt er. „Von dort konnte ich nicht nur über die ganze Stadt blicken. Auch Tauben waren immer da.

Ich hatte Freude an den Tieren, an ihrer Frechheit und dem Fliegen.“ Gezeichnet und gemalt hat er als junger Mensch zunächst „das Vieh an sich“, wie er sagt. Erst im Laufe der Zeit wurde er sich der tiefgreifenden Symbolik bewusst. „Über die Literatur habe ich mehr und mehr über die Bedeutungen der Taube kennengelernt“, erzählt er. „Natürlich an erster Stelle durch die Bibel. Ich habe im Laufe meines Lebens viele Kirchenfenster gestaltet, da ist die Beschäftigung mit dem heiligen Geist naheliegend.“

Die tiefere Bedeutung seiner Druckwerke sollen die Betrachter erfühlen. Daher haben die Bilder schlichte Namen wie „Taube und Fähre“ oder „Taube und Kristall“. „Es wäre langweilig, wenn ich alles vorgeben würde“, sagt er.

Die andere Motivgruppe der Ausstellung sind Hähne. Selbst hat Studer nie Hühner besessen, das Motiv des Hahnes fasziniert ihn trotzdem. „Schauen sie ihn sich doch an!“, fordert Studer auf. „Ein Hahn ist stolz, ein Hahn ist präsent, er weiß, was er ist. Wenn er sie nicht begeistert, wer dann?.“ Die Hähne in Studers kräftig gefärbten Holzschnitten haben eine fast spürbare Bewegung des Motivs gemein. Aufplustern des Gefieders, Scharren mit den Füßen, der herausfordernde Blick über die Schulter – Studer schafft es, grobe Elemente des Holzschnitts mit filigranen Elementen so zu verbinden, das eine Quintessenz entsteht, „des Hahnes Kern“, sozusagen. „Das Schöne an Holzschnitten ist das Ausprobieren“, meint er. „Ein und dieselben Druckplatten ergeben mit anderen Farben ein komplett anderes Ergebnis. Ob es passt, sieht man erst nachher.“

Heute fertigt Hanns Studer keine Holzschnitte mehr an, alters- und gesundheitsbedingt widmet er sich nur noch kleineren Aquarellen. Probleme, genügend Werke für eine Ausstellung zusammenzubekommen, kennt er nicht. In seinem Depot warten noch hunderte, wenn nicht tausende Schätze darauf, ausgestellt zu werden.

Der Künstler sagt von sich selbst, er habe viel Glück gehabt im Leben. „Ich durfte immer das machen, was ich gerne tue.“ Der Holzschnitt sind dabei nur ein kleiner Teil seines Schaffens, der aber begleitet ihn bereits ein Künstlerleben lang. Nach dem Besuch der Gewerbeschule in Basel konzentrierte er sich als junger Mann zunächst auf den Verkauf von Holzschnitten, nicht zuletzt um sich seine größeren Träume, das Fertigen von bleiverglasten Glasbildern, erfüllen zu können. Mit Erfolg: Bald folgten große Auftragsarbeiten unter anderem für Kirchen in Chur (Schweiz) und Lyss (Belgien).

„Schon als Kind habe ich davon geträumt, Glasfenster zu gestalten“, sagt er. „Mein Vater hat mir früh die Augen für die Schönheit von Kirchenfenstern geöffnet.“

Anne Ziebarth

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