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Idee: Tierpark wird Tor des Nationalparks

Sassnitz Idee: Tierpark wird Tor des Nationalparks

Wählerinitiative für Sassnitz präsentiert Vorschlag zur Gestaltung

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Kathrin Stein stellt Hafenstädtern in der Einwohnerversammlung im E-Werk die Idee der Wählerinitiative für Sassnitz zur Gestaltung des Tierparks vor.

Quelle: Udo Burwitz

Sassnitz. Werden Sassnitz-Besucher vom Schornstein des alten Heizhauses der ehemaligen Oberschule I neben dem Tierpark künftig aus luftiger Höhe den Blick auf die Gehege von Wildschwein und Co. und den Ausblick über die Altstadt genießen können? Die Idee dafür haben die Mitglieder der Wählerinitiative für Sassnitz (WfS) zu Papier gebracht. Sie präsentierten ihren Vorschlag zur Tierpark-Gestaltung rund 40 Hafenstädtern in einer von der Fraktion der Linken der Stadtvertretung organisierten Einwohnerversammlung im E-Werk.

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Wählerinitiative für Sassnitz präsentiert Vorschlag zur Gestaltung

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Rückbau oder Ausbau? Wie geht es weiter mit dem einzigen Insel-Tierpark in Sassnitz? Das Wort Rückbau nehmen selbst Stadtvertreter nicht mehr gern in den Mund, wenn es um die Tierpark-Zukunft geht.

„Der Grundtenor, den ich von allen, die hier sitzen, vernommen haben, lautet: Wir wollen unseren Tierpark erhalten“, zog Stadtvertreterin Christine Zillmer (CDU) nach gut zweistündiger Debatte ein persönliches Fazit. Dabei gehörten die Christdemokraten zur Mehrheit jener Kommunalpolitiker, die noch in der jüngsten Sitzung der Volksvertretung einen „moderaten Rückbau“ der Anlage am Steinbachweg gefordert und den „großen Wurf“ für eine weit mehr als zwei Millionen Euro teure Neugestaltung des gesamten Tierparks abgelehnt hatten (die OZ berichtete).

Doch es geht um weit mehr als die Frage nach moderatem Rückbau oder Ausbau. „Es geht um die Rettung unseres Tierparks“, schrieb Silke Steiner den Volksvertretern ins Stammbuch. „Denn drei Tierparks, die in Burg Stargard, Wolgast und Sassnitz stehen beim Landeszooverband auf der Abschussliste.“ Der in Burg Stargard wurde bereits geschlossen. Das gleiche Schicksal droht auch dem Sassnitzer. Den Grund lieferte Leon Kräusche: „Wir haben derzeit schon für einige Bereiche nur eine Duldung für den Betrieb, weil Anlagen den EU-Zoorichtlinien nicht mehr entsprechen“, so der Leiter für Wirtschaftsförderung und Kultur der Stadtverwaltung. Mit dieser Duldung sei ein klarer Auftrag erteilt worden: „Wir müssen was tun!“ Bereits seit 2009 wird etwas getan, erinnerte Silke Steiner an den ersten „runden Tisch“, an dem sie mit gesessen hat, „um Grundsätze für die Tierpark-Entwicklung festzulegen“. Sechs Jahre später rang sie im E-Werk um Fassung: „Ich falle echt vom Glauben ab, wenn wir jetzt neu anfangen.“

„Wir müssen die Wege und Gehege neu gestalten, Wasser- und Energieversorgung sowie Regenentwässerung erneuern“, stellte Leon Kräusche eine abgespeckte Variante vom „großen Wurf“ vor. Die sieht unter anderem eine kleinere Vogelvoliere vor, die gegenüber dem Erstentwurf von 800 auf 630 Quadratmeter schrumpfen und auch nicht mehr begehbar sein soll. Das Wolfsgehege soll zwar vergrößert, dafür aber andere Bereich wie Affengehege und Bühne gar nicht angefasst werden. „1,7 Millionen Euro netto“, bezifferte Kräusche die Kosten für die abgespeckte Variante.

Die WfS startet ihren Rettungsversuch für den Tierpark nicht erst auf dem Gelände am Steinbachweg. Für die Initiative beginnt die Rettung schon am Stadteingang. „Wir brauchen eine konsequente Werbung für den Tierpark“, unterstrich Kathrin Stein, die das WfS-Konzept präsentierte. Danach soll von der Lanckener Kreuzung bis zum Tierpark auf Freiflächen in kommunalem Besitz mit Schildern und Bannern auf Wildschwein, Wolf und Co. aufmerksam gemacht werden. Zudem schlägt die WfS vor, die Verkehrsführung so zu ändern, dass Gäste gezielt zum Tierpark gelenkt werden. „Bislang fahren alle Nationalpark-Besucher nur durch Sassnitz durch. Wir müssen sie halten“, begründete Stein. Landen sollen die Gäste auf dem großen Parkplatz am Sassnitzer Ortsausgang am Rande des Nationalparks und auf einem neuen Parkplatz. Den hat die WfS auf der Brache des inzwischen abgerissenen Gebäudes der ehemaligen Oberschule I skizziert. Beide Parkplätze werden über Wanderwege mit dem Tierpark verbunden.

Vom Parkplatz aus können die Besucher zugleich die Altstadt erkunden. „Wir schaffen einen Verknüpfungspunkt für ein attraktives Ganztagsangebot in Sassnitz“, so Kathrin Stein. Dabei soll dem Tierpark eine besondere Rolle zukommen. „Wir erschließen ihn als Tor zum Nationalpark.“

Zum eigentlichen Eingangstor soll laut WfS-Konzept die Turnhalle an der ehemaligen Schule umgebaut werden. Besucherinformation, Raststätte mit gastronomischer Versorgung, Indoorspielplatz, WC, Veranstaltungsraum, eventuell sogar die Amtsverwaltung des Nationalparks Jasmund und Sozialräume für die Tierpark-Mitarbeiter — all das vereint die WfS-Idee unter dem Turnhallendach. Das Gebäude soll zugleich der neue Haupteingang zum Tierpark werden. Der Schornstein des alten Heizhauses daneben wird zum „Adlerhorst“ — die WfS schlägt vor, ihn mit Außentreppen zu einem Aussichtsturm umzubauen.

„Der Tierpark selbst wird zu einem Heimattiergarten umgestaltet mit klarer Ausrichtung auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt“, betonte Kathrin Stein. Dabei sehe der Vorschlag der Initiative unter anderem die Erweiterung der Anlage um ein Gehege für Rot- und Dammwild vor. Was das alles kosten würde, hat die Initiative nicht kalkuliert.

„Nicht umsetzbar“, bekamen die WfS-Vertreter zu hören. Denn große Teile des ehemaligen Schulgeländes befinden sich in Privatbesitz. Auf dem Areal ist der Bau von Wohnhäusern vorgesehen.

Stadtvertreter wollen indes Partner für das Tierpark-Projekt und den Betrieb der bis dato ausschließlich kommunalen Einrichtung ins Boot holen. „Ob Landrat Drescher oder Kai Gardeja, Geschäftsführer der Tourismuszentrale Rügen — auch sie haben sich inzwischen für den Erhalt des einzigen Tierparks auf Rügen ausgesprochen“, kündigte Stefan Grunau für die Christdemokraten in der Stadtvertretung einen Antrag zur nächsten Sitzung der Volksvertretung an, mit dem der Bürgermeister beauftragt werden soll, mit diesen Partnern über eine Beteiligung zu verhandeln.

Jene Mehrheit, die den „großen Wurf“ abgelehnt hat, stoße sich vor allem an dem von der Verwaltung vorgelegten Betreiberkonzept für den Tierpark, erklärte Christine Zillmer. „Wenn Millionen investiert werden und die Kommune danach genau so viel Geld wie vorher zuschießen muss, wird ein Ziel verfehlt: Den Zuschuss der Stadt zu minimieren.“ Die nächste Runde im Tierpark-Streit ist eingeläutet: Am 24. des Monats tagen die Stadtvertreter — und reden erneut über den Tierpark.

Zuschussgeschäft

212 514 Euro musste die Stadt Sassnitz 2015 für den Betrieb des Tierparks zuschießen. Der Ausgleich ist kein einmaliger, der Verlust in etwa jedes Jahr so groß. Summasummarum hat die Kommune in den vergangenen 20 Jahren rund vier Millionen Euro aufgebracht, um das Defizit der kommunalen Einrichtung zu decken, rechnete Stadtvertreter Stefan Grunau in der Einwohnerversammlung vor.

Von Udo Burwitz

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