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„Ja, ich habe eine Wassermelone getragen“

Ralswiek „Ja, ich habe eine Wassermelone getragen“

Rund 100 Kleindarsteller sorgen bei den Störtebeker Festspielen für die richtige Atmosphäre auf der Bühne / Roman Niewtzol ist seit fünf Jahren dabei

Ralswiek. Roman Niewtzol muss gut organisiert sein. Während er tagsüber in einem Büro für Abrechnungen in Bergen arbeitet, muss er abends bei den Störtebeker Festspielen als Kleindarsteller gleich in vier unterschiedliche Rollen schlüpfen. „Zunächst bin ich ein Knappe, der bei der Vorführung der Kartaunen (Vorläufer von Kanonen, die Red.) die Fackel an die Lunte hält“, erzählt der 44-Jährige. „Zünden tun wir die natürlich nicht wirklich. Neben mir steht ein Kollege, der mit einer kleinen Fernbedienung die Schwarzpulverentladung auslöst, die der Zuschauer auch sieht. Die eigentliche Explosion simuliert dann unser Pyro-Profi Fred Feuerstein Braeutigam.“ Neben einer Rolle in der Gaststätte der Piraten in Visby und einem Auftritt in der weißen Kutte eines Kreuzritter-Knappen, ist für ihn das Ritter-Turnier die größte Herausforderung für die Kleindarsteller. Hier spielt Niewtzol einen Knappen, der seinem Ritter Lanze und Schwert reicht, aber auch für den Aufbau des Turniers mitverantwortlich ist. „Für so eine Szene muss alles bis ins letzte Detail durchorganisiert sein“, weiß Niewtzol. „Für den Zuschauer sieht es leicht und fließend aus, aber das ist harte Arbeit.“ Zunächst müssen die Gerätschaften für die Wettbewerbe aufgebaut werden, also die Gerüste für das Ringstechen und die Wassermelonen, die während des Turniers mit Schwertern zerteilt werden. „Ja, auch ich habe schon mal eine Wassermelone getragen“, sagt er und lacht. „Nach dem Turnier müssen die natürlich auch wieder möglichst schnell von der Bühne verschwinden.“ Obwohl die Kleindarsteller keine Textrollen haben, sind sie für die Atmosphäre im Stück unverzichtbar. Und ein bisschen Text ergibt sich auch aus mancher Situation.

In einer Piraten-Szene zum Beispiel lässt er mit einem Schauspielerkollegen die Würfelbecher klingen, wortlos wäre das unglaubwürdig. „Hier improvisieren wir etwas mit dem Text – je nach Würfelergebnis sagen wir dann, ,Ha! Ein Pasch!’ oder aber ,Na, das war aber nichts. Nur Einsen und Zweien." Andere Szenen sind von Regisseur Thomas Schendel mit genauen Anweisungen versehen worden.

„Wenn wir etwas im Chor rufen, muss das natürlich einheitlich sein.“ Der Regisseur wird von den Kleindarstellern sehr geschätzt. „Thomas äußert sich immer sehr verständlich, dabei aber sehr präzise“, meint Niewtzol. „Man weiß genau, was er von einem verlangt.“ Die Anordnung der Kleindarsteller auf der Bühne zum Beispiel sei keineswegs zufällig. „Es gibt bestimmte Sichtlinien, die einzuhalten sind“, meint der 44-Jährige. „Damit man von jedem Platz der Tribüne etwas sieht.“ Die Kleindarsteller füllen die Bühne mit Leben, dürfen aber nicht zu sehr in den Vordergrund geraten. „Wir müssen immer aufpassen, dass wir mit unseren Bewegungen und Unterhaltungen nicht von der Handlung ablenken, auf die sich die Zuschauer ja konzentrieren sollen“, so Niewtzol.

Die Stimmung des Publikums sei jeden Tag unterschiedlich, das merke man auf der Bühne genau. Vor allem an dem akustischen Echo. „Es gibt Tage, da haben wir ein kleineres Publikum, was aber total mitgeht und tosenden Applaus spendet“, sagt er. „An anderen Tagen sind die Publikumsreihen voll besetzt, aber sie halten sich eher bedeckt.“ Wer sich genau im Zuschauerraum aufhält, ist von der Bühne aus nur zu erahnen. „Wenn ich weiß, meine Mutter sitzt in Reihe 11, Platz 5, dann sehe ich sie natürlich, sonst wird es schwierig", erzählt er. „Bis auf Calli in Reihe 1, den haben wir sofort erkannt." Der Fußballfunktionär Rainer Callmund macht nämlich häufiger Urlaub auf Rügen und besucht dann auch die Festspiele. „Vor zwei Jahren hat er uns sogar zwei Bleche Kuchen spendiert“, so Niewtzol. „Extra für die Kleindarsteller, weil ihm unsere Leistung so gefallen hat. Das war schon was.“

Anne Ziebarth

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