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Klassik mal anders: Jorinde Jelen jazzt den Rilke

Klassik mal anders: Jorinde Jelen jazzt den Rilke

Die gebürtige Rüganerin Jorinde Jelen unternimmt mit ihrer Band und zum vierten Mal zusammen mit Autor Holger Teschke eine Tournee von Insel zu Insel

Putbus/Hiddensee Die Kinderschuhe von Jorinde Jelen stehen immer noch auf Mönchgut. Auch wenn es die Sängerin inzwischen beruflich nach Nordrhein-Westfalen verschlagen hat und sie mit ihrer Band auf den Bühnen der Welt – im vergangenen Herbst zum Beispiel beim International Jazz and World Music Festival 2015 im chinesischen Nanjing – auftritt, zieht es sie immer wieder zurück zu ihren Wurzeln – nach Rügen. Auf der Insel und auf Hiddensee startet sie jetzt zusammen mit dem Autor Holger Teschke eine kleine Inseltournee. Die OZ sprach mit der – nennen wir sie ruhig – Lokalmatadorin der Kunstszene.

Im Sommer heißt es für Sie: immer wieder Rügen. Auftritte von Jorinde Jelen haben bereits Tradition. Wissen Sie aus dem Stegreif, das wievielte Mal sie in der Heimat auftreten?

Jorinde Jelen: (summt überlegend einmal die Tonleiter hoch und runter) Ich weiß es wirklich nicht. Fest steht nur, dass mir diese Homage an die Heimat und ihre Landsleute wichtig ist. Ganz genau weiß ich aber, dass es die vierte kleine Ostsee-Tournee ist, die ich zusammen mit Holger Teschke – ja auch ein waschechter Rüganer – unternehme.

Sie treten mit ihm und Ihrer Band am Sonnabend in Putbus und am Sonntag in Vitte auf Hiddensee auf. Das Programm steht unter dem Motto „Ach, in meinem wilden Herzen“. Was wird Programm sein?

Jelen: Rainer Maria Rilke. Ich habe Texte des Poeten – der Programmtitel ist ja ein Vers aus seinem Gedicht ’Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!’ – vertont. Meine neuesten Kompositionen mit seinen Texten werde ich den Insulanern und Gästen mit meiner Band vorstellen. Übrigens: Einige Songs davon werden am Sonnabend im Theater Putbus das erste Mal live gespielt. Außerdem werden wir Songs von unserem aktuellen Album ’Mitten ins Blau’ präsentieren, das wir ja im vergangenen Jahr bei der Insel-Tournee schon kurz vorgestellt haben. Und wie 2015 wird auch diesmal mein Bruder Cornelius dabei sein und uns am Vibraphon begleiten.

Warum ausgerechnet Rilke? Passt der überhaupt in die schrille und laute multimediale Welt von heute?

Jelen: Auf jeden Fall. Gerade in dieser Zeit, in der multimedial eine Informationsflut auf uns einzustürzen scheint, ist es wichtig, den Blick auf das Wesentliche zu schärfen. Und da passt Rilke mit seiner Kunst, in wenigen Worten den Blick auf das Wesentliche zu lenken, mit seinem Hinterfragen vom Hier, Jetzt und Sein vortrefflich, finde ich.

Mit Ihren Kompositionen garnieren sie Rilkes Texte zwar mit leisen, aber doch gejazzten Tönen. Ist das kein Stilbruch?

Jelen: Statt von Stilbruch würde ich von einer Synthese sprechen. Ich liebe die klassische Literatur und musikalisch den Jazz. Beides versuche ich kompositorisch in Einklang zu bringen. Muss ein Ergebnis etwa immer den Hörgewohnheiten entsprechen? Darf es nicht auch eine Einladung zum Betreten von Neuland sein?

Neuland ist das Theater in Putbus, in dem Sie übermorgen auftreten werden, für Sie nicht. Was verbindet Sie mit dem Haus?

Jelen: Da wären wir wieder bei den Kinderschuhen. Das Theater in Putbus habe ich nämlich schon als Kind besucht. Erinnerungen an das Haus werden wach, das nicht nur architektonisch ein Kleinod ist, sondern auch durch seine wechselvolle Geschichte besticht.

Autor Holger Teschke nennt es ’Ein Schauspielhaus zwischen Himmel und Meer’ ...

Jelen: Das trifft es auch genau. So heißt auch sein Buch, dass er über das Insel-Theater in Putbus geschrieben hat. Aus dem wird er am Sonnabend auch lesen und Anekdoten aus 200 Jahre Theatergeschichte in Putbus zu Gehör bringen.

Am Wochenende stehen für Sie erst einmal die beiden Konzerte in Putbus und auf Hiddensee auf dem Programm. Heißt es danach: Endlich Urlaub – mal wieder in der Heimat?

Jelen: Schön wäre es, aber es sind ja noch keine Ferien. Und somit bin ich beruflich gebunden. Denn ich stehe mit meiner Band – wir können in diesem Jahr unser 10-jähriges Bestehen feiern – nicht nur auf der Bühne. Zu Hause in Nordrhein-Westfalen bin ich außerdem als Musiklehrerin an einem speziellen Berufscollege für Musik tätig. So bleibt es bei einem verlängerten Rügen-Wochenende für mich. Als ein Arbeitswochenende würde ich es dennoch nicht bezeichnen. Wer nimmt schon das Wort Arbeit in den MUnd, wenn er auf Rügen sein darf.

Interview von Udo Burwitz

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