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Rügen „Kummerows Heiden“ wurden in Garz alt
Vorpommern Rügen „Kummerows Heiden“ wurden in Garz alt
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00:00 06.02.2014
Der Lausbub von einst schaut immer noch aus dem Gesicht von Wolfgang Hinz. Fotos (2): Peter Machule
Garz

Im Mai 1967 startete die erste offizielle deutsch- deutsche Filmzusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und dem Defa Filmstudio der DDR zur Verfilmung des Ehm-Welk-Romans „Die Heiden von Kummerow“, der zu großen Teilen in dem Dörfchen Vilmnitz — heute ein Ortsteil von Putbus — gedreht wurde.

Neben bekannten Schauspielern wie Theo Lingen, Paul Dahlke, Ralf Wolter und Angela Brunner begeisterten auch drei waschechte Rügener Kinder als Kleindarsteller. Zwei von ihnen leben heute noch auf Deutschlands größter Insel und sind in Rügens ältester Stadt, in Garz, zu Hause.

Karin Kaltenbach, geborene Heidemann, ist eine von ihnen. Die 57-Jährige wohnt gleich neben der Schule, in der sie selbst viele Jahre als Lehrerin unterrichtete und als Schulleiterin tätig war.

„Damals kam das Filmteam in die Schule. Wir wurden fotografiert und mussten vorgegebene Texte nachsprechen“, erinnert sich die zweifache Mutter.

Ähnlich entdeckt wurde auch Wolfgang Hinz. Der gebürtige Magdeburger kam bereits als Baby im Alter von vier Wochen auf die Insel, wo er bei seinen Großeltern in Garz aufwuchs, den Beruf eines Baumaschinisten erlernte und heute nur wenige Steinwürfe von Karin Kaltenbach entfernt wohnt.

Während die kleine Karin damals im Film die Tochter des Pastors Breithaupt spielte, verkörperte Wolfgang Hinz den frechen lebenslustigen Lausbuben Herrmann. „Ursprünglich sollte ich den Jungen Traugott, den Sohn des Dorfschulzen spielen, doch als sich der erstbesetzte Herrmann in Wreechen am Hafen mit einer Glasscherbe am Fuß verletzte, wurde ich für diese Rolle nominiert“, erinnert sich der 57-jährige zweifache Familienvater noch genau.

Kaltenbach und Hinz fiel das Erlernen ihrer Filmtexte nicht schwer. „Ab Mai brauchten wir nicht mehr zur Schule, und im September fuhren wir zum Synchronisieren des Films nach Potsdam-Babelsberg“, erzählt Karin Kaltenbach, die sich damals eng mit der Filmcrew angefreundet hatte. Die Frau kann sich noch genau daran erinnern, wie ihr nach dem ersten Drehtag die Augen vom grellen Scheinwerferlicht schmerzten. Doch es gab auch ungewohnte Momente. „In einer Filmszene stand ich nackend nur im hautfarbenen Schlüpfer mit meinem Filmpartner Martin Grambauer (heißt im wahren Leben Jörg Resler und ist heute Chef eines Klinikums auf der Insel Borkum d.A.) im Wasser und musste kleine Krebse fangen. Bei dieser Szene waren jedoch nur wenige Personen vom Filmteam anwesend“, erzählt die Garzerin.

„Und ich musste vom Glockenturm dem Kirchendiener Kannegießer auf den Kopf pinkeln. Die Innenaufnahmen dazu entstanden auf dem Kirchturm in Bergen, während beim Szenenwechsel Kannegießer dann aufgeregt vom Plumpsklo in Vilmnitz davonrannte“, schmunzelt Wolfgang Hinz noch heute über die ulkige Situation. Auch weiß er noch genau, dass wegen dieser Kirchturmszene der damalige Pastor in Bergen in den Urlaub geschickt worden war.

Lehrer und Schüler staunten damals gleichermaßen nicht schlecht, wenn die beiden Jungschauspieler im Mercedes oder Ford Taunus zum jeweiligen Drehort abgeholt wurden, während ein Teil der Filmcrew zu dieser Zeit im Stralsunder Hotel Baltic wohnte. „Einige Filmszenen waren schnell im Kasten, andere wurden oft wiederholt und dauerten mehrere Stunden“, sagt Wolfgang Hinz.

„Die meisten Schauspieler waren auch privat sehr nett, wie Ralf Wolter als Krischan, Paul Dahlke, der meinen Vater, den Dorfpastor, spielte oder auch der Filmbösewicht, Müller Düker, gespielt von Fritz Tillmann. Und vor allem Filmregisseur Werner Jacobs, der uns jede Filmszene haargenau erklärte“, zeigt sich Karin Kaltenbach noch immer besetzungssicher. Auch erhielt sie noch lange nach den Dreharbeiten bunte Ansichtskarten mit lieben Grüßen von Werner Jacob aus München und von Schauspieler Ralf Wolter.

Und beide Rüganer fanden es damals ganz toll, wenn ihnen die Schauspieler nach dem drehfreien Wochenende aus Westberlin, Hamburg oder München frisches Obst, Südfrüchte und Schokolade mitbrachten.

40 Mark erhielten die beiden Garzer damals pro Drehtag. „Ich war 25 Tage am Set, von dem Geld habe ich mir ein Fahrrad gekauft“, sagt Karin Kaltenbach.

Im Jahr 2007, also exakt 40 Jahre nach Filmentstehung, trafen sich die beiden sowie Jörg Resler und der Greifswalder Gerald Schraml (spielte den Johannes Bärensprung) mit Vertretern vom damaligen Filmteam in Angermünde. Alte Erinnerungen wurden aufgefrischt. An dieses Erlebnis erinnern sich die beiden einstigen Jungdarsteller ebenso gern wie an die Dreharbeiten selbst.

Was wurde nun aus den beiden einstigen Kinderdarstellern aus Garz? „Ich hatte vor neun Jahren einen Schlaganfall, musste an die Dialyse und bekam eine neue Niere. Schüler unterrichte ich nicht mehr“, sagt Karin Kaltenbach etwas traurig. Auch Wolfgang Hinz hat sein Päckchen in punkto Gesundheit zu tragen. „Meine Bandscheiben schmerzen, doch ich muss das Beste draus machen“, meint der Garzer. Für den Eigenbedarf versorgt er noch einige Hühner, Enten und Gänse.

„Ihren Film“ haben sich beide im Laufe der Jahre mehrmals angesehen. Und auch ihre Enkel passen genau auf, wenn Oma Karin und Opa Wolfgang mal wieder über die Mattscheibe flimmern.

Zahlen zum Film „Die Heiden von Kummerow“
1937 erschien der Roman von Schriftsteller Ehm Welk „Die Heiden von Kummerow“ als Erstausgabe. Er besteht aus 22 Kapiteln und schildert Alltagsepisoden mehrerer Dorfjungen zu Zeiten Otto von Bismarcks im beginnenden 20. Jahrhundert. Ort der Handlung ist das vorpommersche Dorf Kummerow, wobei jedoch das Dorf Biesenbrow gemeint ist, das heute zum brandenburgischen Städtchen Angermünde gehört.
1967 entstand der Film als Gemeinschaftsproduktion der BRD und der DDR. Er dauert 94 Minuten. Regie führte Werner Jacob.
21. Dezember 1967 war das Datum, an dem der Film erstmals in den bundesdeutschen Kinos zu sehen war.
19. Januar 1968 — also erst einen Monat später — kam der Streifen dann auch in die Lichtspielhäuser der DDR. Die Deutsche Medienbewertung verlieh dem Film bereits 1967 das Prädikat „Wertvoll“.
40 Mark erhielten die Rügener Kinder damals pro Drehtag. Hauptdrehort war Vilmnitz, heutiger Ortsteil von Putbus. Aber auch in Bergen wurden Szenen auf Zelluloid gebannt.



Peter Machule

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