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Rügen Letzte Revue auf unsaniertem Kurplatz?
Vorpommern Rügen Letzte Revue auf unsaniertem Kurplatz?
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00:00 06.08.2016
Wird auch im unsanierten Zustand heute der kulturelle Anziehungspunkt in Sassnitz – auf dem Kurplatz mit der Kurmuschel feiern die Hafenstädter ihre traditionelle Promenadenrevue. Quelle: Udo Burwitz

Abrakadabra – die Zukunft des Kurplatzes braucht der Hexer, wie sich Magier Frank Musiliniski nennt, den Sassnitzern heute nicht mehr herbeizaubern. Er tritt am Abend bei der Promenaden-Revue auf, die auf dem Platz mit dem markanten Müther-Schalenbau, der Kurmuschel, veranstaltet wird. Das Fest hat Tradition. Womöglich wird es aber die letzte Revue sein, bei der die Gäste die alten Betonplatten des Platzes unter die Füße nehmen und die Künstler vor blätterndem Putz an der Kurmuschel auftreten. Denn sowohl der Müther-Bau als auch der Platz sollen saniert werden. Die Stadtverwaltung hat sich dafür ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Wir müssen die Pläne für die Neugestaltung des Kurplatzes über Sommer soweit fertig haben, dass wir ausschreiben können“, so Bürgermeister Frank Kracht.

Pflaster- statt Betonsteine, Rundungen statt Ecken und Kanten – so soll sich der Kurplatz nach einem von Stadtplanerin Erika Streubel erarbeiteten Entwurf für dessen Neugestaltung künftig Besuchern präsentieren, den die Stadtvertreter in ihrer jüngsten Sitzung mit Stimmenmehrheit billigten. Seit Jahren hat die Kommune vor, den markanten Platz, der das Ende der sich dem Stadthafen anschließenden Promenade markiert, auf Vordermann zu bringen. Denn Wind und Wetter haben deutliche Spuren an der vom Schalenbaumeister Ulrich Müther erschaffenen Kurmuschel und der sie flankierenden Pergola hinterlassen. Deren hölzerne Konstruktion ist total verschlissen. Es fehlen bereits Teile und die Betonplatten auf dem Vorplatz weisen zahlreiche Risse auf, aus denen das Unkraut schießt.

„Die Kurmuschel ist das prägende Element, deren Formensprache bei der Neugestaltung des Platzes aufgenommen werden sollte“, erläutert Erika Streubel die Grundidee für zwei Varianten, die sie zu Papier gebracht hat. Die Entwürfe sehen vor, die in einem Rechteck vor der Kurmuschel verlegten, alten Betonplatten durch Pflastersteine zu ersetzen, die in Ellipsenform verlegt werden. Der Unterschied zwischen den Varianten: Während eine nur eine 650 Quadratmeter große Ellipse vorsieht, sind es bei Variante 2 auch zwei Ellipsen, eine große umschließt eine kleine. Beide sollen mit unterschiedlichen Pflastersteinen belegt und damit optisch zum Hingucker werden. Damit würde eine 1800 Quadratmeter große und befestigte Fläche für Veranstaltungsbesucher zur Verfügung stehen. Eine geschwungen Form soll auch der Fußweg bekommen, der an einer neuen Pergola – „Ich plädiere für eine aus Metall, die mit Rankenpflanzen begrünt wird“, so Streubel – entlangführt und den Platz zur Seeseite fasst. Geplante Kosten für die Platz-Neugestaltung: 300000 Euro. „Aktuell lande ich mit Variante 2 bei 285 000 Euro“,sieht Erika Streubel die finanziellen Vorgaben eingehalten.

Stadtvertreter Norbert Benedict ist das mit Blick auf andere wichtige Vorhaben wie Ausbau und Erweiterung der Schulen zu teuer. „Eine Ellipse reicht“, findet der SPD-Fraktionsvorsitzende, wurde von der Mehrheit der Stadtvertreter aber überstimmt. Die favorisiert Variante 2.

Doch zunächst ist die Sanierung der Kurmuschel an der Reihe. Darum will sich die Wüstenrot-Stiftung kümmern (die OZ berichtete). „Die Stiftung will im Herbst beginnen“, kündigt Frank Kracht an, dass die Stadtverwaltung vorhabe, „dann auch schon vorbereitende Arbeiten für die Kurplatz-Gestaltung zu starten“. Dessen Sanierung sei abhängig vom Zeitplan, den die Stiftung mit den Arbeiten an der Kurmuschel vorgibt. Doch zuallererst wird gefeiert. Heute Abend steigt die Promenadenrevue. Dabei könnte die 2016er Auflage die letzte auf maroden Betonplatten sein.

Blues-Brothers-Show und magische Momente

1988 konnte die vom Binzer Schalenbaumeister Ulrich Müther (1934 – 2007) geschaffene und unter Denkmalschutz stehende Kurmuschel samt Kurplatz eingeweiht werden.

5 Stunden lang wird der Kur- heute zum Festplatz. Von 20 bis 1 Uhr veranstaltet Rügens Hafenstadt dort die Promenaden-Revue 2016. Abgeholt werden die Besucher mit Saxophonmusik schon auf der Windpromenade am Stadthafen von den „Sax Puppets“. Auf dem Revue-Programm stehen unter anderem eine Show in Anlehnung des Films „Blues Brothers“

mit den „Sixtyfive Cadillac“ sowie eine extravagante Trommelshow auf Industrieabfällen mit den „Zweitaktern“. Mit dabei sind die „Stage Diven“ aus Berlin sowie Hexer Frank Musilinski, der mit dem Duo „L.A.“ eine Magiershow zu Swing Musik darbieten wird. Eintritt frei.

Udo Burwitz

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