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Mit 80 Jahren noch 80 Tauben und ein eigenes Museum

Gingst Mit 80 Jahren noch 80 Tauben und ein eigenes Museum

Eckhard Klingbeil lud zur Schau am Wochenende zu einem Exkurs in die Geschichte der Geflügelzucht in Gingst

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Die Kasse des Vertrauens: Eintritt brauchen Besucher nicht zahlen im Hühnermuseum, das sie aber mit Spenden unterstützen können.

Gingst. „Acht Schwingen oder neun muss sie haben. Sieben sind zu wenig. Die Schwingen, das sind die langen Flügelfedern.“ Eckhard Klingbeil zieht den Flügel einer Fränkischen Samtschildtaube behutsam auseinander. An einem Exemplar aus eigener Zucht erklärt er die typischen Merkmale dieser Taubenrasse. Seine Augen bekommen dabei einen besonderen Glanz. Der 80-Jährige ist in seinem Element. Bei der großen Rassegeflügel- und Kaninchenschau, die der Gingster Kleintierzuchtverein am Wochenende veranstaltete, konnten die Besucher nicht nur 581 präsentierte Tiere in Augenschein nehmen, sondern auch in die Geschichte der Geflügelzucht in Gingst eintauchen. An einem besonderen Ort – dem ersten Geflügelmuseum in Vorpommern, das Eckhard Klingbeil in seinem eigenen Haus eingerichtet hat und betreibt.

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Eckhard Klingbeil lud zur Schau am Wochenende zu einem Exkurs in die Geschichte der Geflügelzucht in Gingst

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Ich esse nur Zwergeier. Die schmecken besser als alle anderen.“Eckhard Klingbeil

„Wir sind auf Rügen der größte Zuchtverein“, sagt der Gingster zum Empfang. In der Stimme des 80-Jährigen schwingt Stolz mit. Schließlich gehörte Eckhard Klingbeil zu den sieben Gründungsmitgliedern des Vereins. „Am 23. Juni 1959 punkt 19 Uhr haben wir den Verein im ehemaligen Haus der Jugend aus der Taufe gehoben.“ Das Gründungsdatum hat er exakt im Kopf. Daran erinnert eine Tafel mit Fotos der Gründungsmitglieder im Eingangsbereich des Museums. „War mal ein Flur in der Wohnung meines Sohnes“, erinnert er. Als der auszog, sei ihm über Nacht die Idee gekommen, in den leeren Räumen Interessierten seine Passion zur Geflügelzucht und die des Gingster Vereins zu erzählen. „In einem Museum.“ Immerhin schon 78 Jahre alt, setzte der Ruheständler im Unruhezustand diese Idee vor zwei Jahren um und konnte sein Museum am 1. Mai 2014 in der Friedenstraße 9 eröffnen (die OZ berichtete). „Es sind nicht nur Insulaner und Vorpommern. Aus allen Bundesländern waren inzwischen an der Geflügelzucht Interessierte hier“, bilanziert er die Resonanz, die seine Idee in den zurückliegenden zwei Jahren gefunden hat.

Die Museumsregale sind voll. Dicht an dicht stehen darin Trophäen, Kelche und Orden. Wie viele Pokale er selbst errungen hat, „kann ich heute gar nicht genau sagen“, so Klingbeil. „Schließlich bin ich mit der Geflügelzucht groß geworden.“ Schon während seiner Kindheit in Hinterpommern habe die Familie Federvieh gehalten und gezüchtet. Als es ihn nach dem Krieg auf die Insel Rügen verschlug, zunächst nach Güstin bei Gingst, habe er sofort mit der eigenen Zucht angefangen. „Mit Sussex-Hühnern, die großen und auch Zwerg-Sussex. Diese englische Rasse hat mich schon als Kind fasziniert.“

Eckhard Klingbeil holt das gerahmte Heft zur ersten Rasse-Geflügelschau des Gingster Vereins von einem Regal, die Mitte Februar 1961 veranstaltet wurde. „Wir haben unsere Ausstellungen damals absichtlich immer im Februar durchgeführt“, lässt er Vereinsgeschichte aufleben. „Die LPG-en hatten zu dem Zeitpunkt ihren Abschluss, die Mitglieder Geld. Viele kamen mit Pferd und Wagen und haben ihr Geld bei unseren Schauen umgesetzt, um sich mit Tieren für die Zucht einzudecken.“ Mit einem Lachen quittiert der 80-Jährige, der als Vorsitzender bis 1974 an der Spitze des Gingster Zuchtvereins stand, diese schlitzohrig anmutende Geschäftstüchtigkeit der Züchter.

„Welche Rasse meinen Sie?“ Eckhard Klingbeil greift in seine „Schatzkiste“, wie er den umfangreichen Bestand an Fachliteratur nennt, den er als Ergebnis seiner Sammlerleidenschaft in seinem Museum präsentieren kann. Er blättert im „Taschenbuch der Rassegeflügelzucht“, eine Rarität aus dem Jahr 1899, mit detailgenauen Zeichnungen und Beschreibungen von Rassegeflügelarten. Als die gesuchte Rasse entpuppen sich Schalster Kröpfer. „Die kann ich auch in natura zeigen“, sagt Eckhard Klingbeil, verschwindet und kommt mit einem Exemplar aus eigener Zucht wieder. Erstaunte Gesichter: „In ihrem Alter züchten Sie immer noch?“ „Früher hatte ich bis zu 200 Hühner und Tauben. Jetzt sind es nur noch 80 Tauben und 23 Hühner. Ich muss schon etwas kürzer treten“, lautet die Antwort. „Meine Hühner und Tauben will ich aber noch nicht missen. Und so lange es geht, die Fahne für die lange Züchtertradition in Gingst mit hoch halten.“

Auf Nachfrage geöffnet

Das Geflügelmuseum , das Eckhard Klingbeil in seinem Wohnhaus in der Friedensstraße 9 in Gingst eingerichtet hat und betreibt, hat keine geregelten Öffnungszeiten. In den Sommermonaten gelte tagsüber das Motto der offenen Tür, sagt der 80 Jahre alte Museumsbetreiber, der täglich ab 5.30 Uhr auf den Beinen ist. Jetzt im Winter kann es nach Terminabsprache besucht werden.

Interessenten sollten sich vorab anmelden unter ☎ 038305/82200.

Udo Burwitz

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