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Mit Sassnitz-Motiv ins Handbuch der Fotografie

Sassnitz Mit Sassnitz-Motiv ins Handbuch der Fotografie

Beim Sturmgespräch erzählte Frank Biederstaedt Geschichten über die Menschen hinter den Kameras.

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Aus der Rügen-Serie des Verlags Sophus Williams stammt diese Aufname von Fritz Möller, die das Damen- und das Warmbad in Sassnitz sowie den Schwanenstein um 1885 zeigt.

Quelle: Sammlung Frank Biederstaedt

Sassnitz. Sie haben jede Menge wertvoller Zeitzeugnisse hinterlassen. Doch über sie selbst weiß man naturgemäß kaum etwas. Denn Fotografen stehen hinter der Kamera und sind auf ihren Bildern eher selten zu finden. Wer die Menschen waren, die im 19. Jahrhundert die damals noch neue Fotografie nach Rügen brachten, darum drehte sich das Sturmgespräch des Fördervereins für das Fischerei- und Hafenmuseum, das in dieser Woche der Sassnitzer Stadtarchivar Frank Biederstaedt gestaltete.

Der hat vor über zehn Jahren angefangen, Fotos zu sammeln, beschäftigt sich in seiner täglichen Arbeit damit und verbringt seit etwa drei Jahren auch einen großen Teil seiner Freizeit über den alten Bilderserien. „Die dokumentieren die rasante Entwicklung, die sich in dieser Zeit auf Rügen vollzog, ganz hervorragend“, schwärmt er und zeigt das am Beispiel von Christoph Katter. Der gebürtige Putbuser hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das spätere Ostseebad Göhren im Abstand von wenigen Jahren von ein- und demselben Standort aus fotografiert. Dort, wo bei der ersten Aufnahme noch freies Feld ist, stehen kurze Zeit später schon prächtige Villen.

Ebenso atemberaubend schnell wie die Umgebung, die sie ablichtete, entwickelte sich auch die Fotografie selbst. 1826 präsentierte der Franzose Joseph Nicéphore Nièpce das erste Foto, bereits neun Jahre später hatte der Engländer William Fox Talbot das Negativ-Positiv-Verfahren erfunden. 1852 ist der erste Besuch eines Fotografen in Bergen belegt. Danach gaben sich seine Kollegen praktisch die Klinke in die Hand. Einige reisten über Land und boten dem Adel und dem betuchten Bürgertum ihre Dienste an. Sich fotografieren zu lassen war teuer. Die ersten Aufnahmen zeigen deshalb auch nur herrschaftliche Familien und ihre Wohnhäuser. Kein Wunder, dass das erste Rügener Fotoatelier in Putbus eröffnet wurde, der damaligen Residenzstadt. Gottfried Linde fand hier ein zahlungskräftiges Publikum und wurde 1865 sogar zum Hoffotografen ernannt. Er lichtete unter anderem Bismarck bei dessen Besuch auf Rügen ab. Linde verkaufte sein Geschäft 1871 an den bereits erwähnten Christoph Katter, von dem eine ganze Reihe sehr schöner Landschaftsaufnahmen stammt.

Eine der bemerkenswertesten, die es sogar in das Handbuch der Fotografie geschafft hat, gelang dem Stralsunder Fotografen Julius Krüger. Sein Motiv aus dem Jahre 1867 zeigt das damalige Dorf Sassnitz von der Seeseite aus. Was mit heutiger Technik nichts Besonderes mehr sein mag, war damals angesichts langer Verschlusszeiten der Kameras mit einem riesigen technischen Aufwand verbunden. Krüger baute sich an der geeigneten Stelle im Meer, die er zuvor per Boot erkundete, ein Riesen-Stativ. Dazu wurden drei starke und lange Stangen an den unteren Enden mit Ketten beschwert und in zehn Metern Tiefe in den Meeresgrund gerammt. Die darauf befestigte Kamera löste der Fotograf aus, indem er einen Kautschukschlauch vom Boot aus betätigte.

Der Aufwand der damaligen Fotografen hat sich gelohnt. „Die Bilder sind oft in einer sehr guten Qualität“, schwärmt Frank Biederstaedt unter anderem von der Detailschärfe.

Riesen-Stativ im Meer

1867 entstand die Aufnahme der Uferpartie bei Sassnitz von See aus, mit der es der Stralsunder Fotograf Julius Krüger bis ins Handbuch der Fotografie schaffte. Weil die Vibrationen auf dem Boot das Fotografieren unmöglich machten, rammte er ein riesiges Stativ in den Ostseegrund und beschwerte es mit Ketten.
Andreas Bönki, der aus Ostpreußen stammte, gehörte zu den ersten Fotografen, die sich in Sassnitz niederließen. Sein Geschäft hatte er am Markt.

John Horneburg hatte ebenfalls ein Atelier in Sassnitz, zog später aber nach Göhren um.
Die Bilder dokumentieren die rasante Entwicklung, die sich in dieser Zeit auf Rügen vollzog, ganz hervorragend.“Frank Biederstaedt, Stadtarchivar Sassnitz

 



Maik Trettin

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Sassnitz
Das Damenbad und das Warmbad in Sassnitz um 1885 auf einer Fotografie von Fritz Möller. Im Vordergrund der Schwanenstein.

Mit seiner Aufnahme einer Uferpartie von Sassnitz hat es der Stralsunder Fotograf Julius Krüger 1867 in das Handbuch der Fotografie geschafft.

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