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Momentaufnahmen der jüngsten deutschen Geschichte

Prora Momentaufnahmen der jüngsten deutschen Geschichte

Der Kölner Künstler Dieter Röseler hat für seine Schau „Deutschland 5 Uhr 30“ politisch und historisch wichtige Orte der Bundesrepublik fotografiert

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Der Kölner Fotograf Dieter Röseler zeigt seine Werkreihe „Deutschland 5 Uhr 30“ noch bis zum Ende des Monats im Rahmen einer Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Prora.

Quelle: Maik Trettin

Prora. Morgens, halb zehn in Deutschland, sind alle Menschen fröhlich und beißen – glaubt man der Werbebotschaft eines Süßwarenproduzenten – bei strahlendem Sonnenschein mit einem Lächeln in ihre Waffelschnitten. Solche Werbe-Bilder kann der Kölner Fotograf Dieter Röseler sicher auch produzieren. Aber auch weitaus Spannenderes: Wie es in „Deutschland, 5 Uhr 30“

aussieht, zeigt er in seiner gleichnamigen Ausstellung, die bis zum Ende des Monats im Dokumentationszentrum in Prora zu sehen ist.

Röseler hat 25 Orte fotografiert. Jeder steht für ein Jahr und jeder Ort für eine geschichtliche oder politische Entwicklung im Land. Die Reihe beginnt mit einer Aufnahme von drei Basaltstelen, die in Bad Homburg an das Attentat auf den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, im Jahre 1989 erinnern. Die Aufnahme von Köln zeigt das dortige Denkmal der grauen Busse im Jahr 2006, das den zehntausenden kranken sowie geistig und körperlich behinderten Menschen gewidmet ist, die in Deutschland während des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Auch Orte in Mecklenburg-Vorpommern hat Röseler fotografiert, um gesellschaftliche Entwicklungen deutlich zu machen. „Macht ihr noch Sex oder golft ihr schon?“, steht auf dem Asphalt der Strandpromenade in Heiligendamm. Im Hintergrund sind die Villen des Badeortes zu erkennen. Ein anderes Bild zeigt die ehemalige Heeresversuchsanstalt in Peenemünde, ein weiteres Bad Kleinen, wo 1993 Polizisten das RAF-Mitglied Birgit Hogefeld festnahmen und Wolfgang Grams schwer verletzten. Ein Polizist wurde bei der Aktion getötet, der RAF-Mann starb später an den Folgen eines Kopfschusses.

Zwei weitere Aufnahmen sind auf Rügen entstanden, das Röseler durch seine Lebensgefährtin kennenlernte, die hier aufwuchs. Sie machte ihn auf den verlassenen Fährtrichter an der Trelleborger Straße in Sassnitz aufmerksam, den der Fotograf als Sinnbild für die Aussetzung des Schengener Abkommens im vergangenen Jahr vor dem Hintergrund des Flüchtlingsansturms einsetzt. Wie die vor mehr als 25 Jahren versprochenen „blühenden Landschaften“ aussehen können, hat Dieter Röseler in Mukran im Bild festgehalten: Er fotografierte den trostlosen und verlassenen Mehrgeschosser im einstigen Hafengebiet, der seinerzeit das Rechenzentrum des Fährkomplexes beherbergte. Dort, erinnert sich die frühere Informatik-Studentin Anke Woyscheszik, stand der modernste Großrechner der DDR.

„Deutschland 5 Uhr 30“ ist menschenleer. Das liegt nicht allein an der Uhrzeit, mit der es Röseler ohnehin nicht so genau nahm („Den größten Teil des Jahres ist es um die Zeit draußen dunkel“). Er folgt damit vor allem der Idee des Kölner Künstlers Chargesheimer, der seine Stadt vor über 40 Jahren auf diese Art und Weise dokumentierte: in hochformatigen, menschenleeren Schwarz-Weiß-Fotografien. Der Betrachter soll sich auf den Ort konzentrieren, die Umgebung auf sich wirken und dabei nicht von Gesichtern ablenken lassen. Wer mit Ort und Jahreszahl allein nicht gleich etwas anzufangen weiß, bekommt von Röseler eine kleine Stütze: Zu jedem Bild gibt es einen kurzen Text.

Erfolgreicher Lichtbildner

1966 wurde Dieter Röseler in Köln geboren. Nach einer Fotografenlehre gründete er sein Unternehmen „Lichtbildner Röseler“, war freiberuflicher Fotochef für ein Düsseldorfer Magazin und übernimmt seit 1994 regelmäßige Auftragsarbeiten unter anderem für die Daimler

Chrysler AG, die Deutsche Telekom, Vodafone, Volkswagen sowie die Magazine Spiegel, Stern und Focus.

Ende 2014 hat er mit der Werkreihe „Deutschland 5 Uhr 30“ begonnen, inspiriert vom Kölner Fotografen Chargesheimer. Im Herbst vergangenen Jahres wurde die Ausstellung erstmals in der Künstlerkolonie Worpswede und in Köln gezeigt. Im Dokumentationszentrum in Prora (neben der Diskothek M 3) ist sie bis Ende dieses Monats täglich in der Zeit von 9.30 bis 19 Uhr zu sehen.

Maik Trettin

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