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Ralswieker Holzkapelle droht zu verfaulen

Ralswiek Ralswieker Holzkapelle droht zu verfaulen

Das Gebäude ist in desolatem Zustand / Schimmel und Feuchtigkeit schädigen die Bausubstanz nachhaltig / Pastor Martin Holz ruft zu Spenden auf

Ralswiek. Die Seitenstreben sind verfault, durch die Fenster pfeift der Wind, und durch das poröse Dach tropft Regenwasser auf den Altar. Die Ralswieker Kapelle – ein architektonisches Kleinod der Insel Rügen – ist in einem so desolaten Zustand, dass zunächst die Sanierung von Dach und Streben unausweichlich sind. Die evangelische Kirchengemeinde Patzig/Ralswiek ruft deshalb zu Spenden auf.

„Jeder Euro hilft“, betont Pastor Martin Holz, der zugleich daran erinnert, dass die kleine schwedische Holzkirche im kommenden Jahr ihren 110. Geburtstag feiert. Von den insgesamt rund 30000 Euro Sanierungskosten werden nur knapp 11000 Euro mit Fördermitteln finanziert. Der Rest muss aus Eigenmitteln erbracht werden.

„Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Kapelle überhaupt noch steht“, meint Holz. Wie jede Holzkonstruktion muss auch sie ständig ausgebessert werden. Erschwerend kommen die Lage des Kirchleins im Schatten von Bäumen und das feuchte Boddenklima hinzu. Für die Kirchengemeinde ist es ein zusätzliches Problem, dass sie seit 1948 gleich für zwei Kirchen – die in Patzig und die in Ralswiek – aufzukommen hat.

Dem Kaliminenbesitzer Hugo Sholto Graf Douglas (1837-1912) verdankt Ralswiek seine Kirche: Der frisch geadelte Magnat aus Aschersleben wollte Ende des 19. Jahrhunderts ganz standesgemäß

Großgrundbesitzer werden und kaufte 1891 die knapp 3000 Hektar umfassenden Besitzungen der Familie von Barnekow auf. Damit war er nach dem Fürsten von Putbus und Stralsunder Kirchen der drittgrößte Grundbesitzer Rügens. Als erstes ließ er ein Schloss über Ralswiek bauen, dann erweiterte er den Park, ersetzte die zum Teil abgerissene Propstei durch eine Kopie und ließ für die Gutsangestellten neue Häuser errichten.

Als gläubiger Mann vermisste er in „seinem“ Dorf eine Kirche. Vielleicht hatte er auch keine Lust, immerzu nach Bergen zum Gottesdienst zu fahren. Jedenfalls veranlasste er die Anlieferung einer schwedischen Holzkirche, die am 31. Oktober 1907 baupolizeilich genehmigt und einen Tag später geweiht wurde. Nach den Feierlichkeiten zogen sich die Gäste auf das Schloss zurück, „um ein frugales Frühstück einnehmen zu wollen“.

„Die Liebe höret nimmer auf“, ein Text, den Douglas auch für seine Grabrede bestimmte, ist bis heute das Leitwort der Kapelle. Mit viel Liebe und Engagement sorgten Menschen über die Jahrzehnte hinweg für den Erhalt des Kirchleins, das jeden Besucher Ralswieks als erstes begrüßt. Vor allem in DDR-Zeiten sei es schwierig gewesen, an Baumaterial zu kommen, erinnert sich die Ralswieker Küsterin Birgit Möller. 1964 berichtete der damalige Pastor Klaus Ewert: „Das ist gar nicht so lange her, ich hatte eine Trauung in der Kapelle in Ralswiek, und auf einmal versank vor mir das Brautpaar!“ Es war auf den maroden Bodendielen vor dem Altar eingebrochen. Birgit Möller hat das Küsteramt von ihrer inzwischen verstorbenen Mutter Gerda Lapsch und die hatte es wiederum von ihrem Vater Julius Lapsch übernommen. Der lebte noch im 200 Jahre alten denkmalgeschützten Küsterhaus neben der Kirche, doch das ist 2007 Brandstiftern zum Opfer gefallen.

In seinem Spendenaufruf erinnert Pastor Holz daran, dass sowohl mit öffentlicher als auch mit privater Hilfe schon einiges erreicht wurde, um das pittoreske Gotteshaus zu erhalten. 1997 war es bereits umfangreich saniert worden. Nicht einmal zehn Jahre später aber haben der Zahn der Zeit, Holzwürmer und Mäuse das Gebäude erneut in Mitleidenschaft gezogen. So sind der Altar und das Altarbild – eine gelungene Kopie der „Kreuzigung“ des Renaissance-Malers Giotto di Bondone – in Gefahr, weil das geflickte Dach nicht mehr vor Regenwasser schützt. Auch muss man kein Bauingenieur sein, um beim Anblick der faulenden Seitenstreben an der Statik des Gebäudes zu zweifeln.

Susanna Gilbert

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