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„Rarität von nationaler Bedeutung“

Bergen „Rarität von nationaler Bedeutung“

Nach vier Monaten sind die Restaurierungsarbeiten in der Bergener Marienkirche beendet

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Noch bis zum morgigen Donnerstag steht das Baugerüst, das einen sonst nicht möglichen Blick in das Innere der Kirche erlaubt. Fotos (4): Uwe Driest

Bergen. Der vorletzte Abschnitt der Restaurierungsarbeiten der Bergener Sankt Marienkirche ist abgeschlossen. Das Gerüst wird am morgigen Donnerstag abgebaut, so dass die frisch restaurierten, um 1193 entstandenen monumentalen Wandmalereien besichtigt werden können. „Die Malereien dürfen als das einzige in Norddeutschland erhaltene Beispiel einer spätromanischen Totalausmalung nach einheitlichem Programm gelten“, erklärt Andreas Weiß.

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Nach vier Monaten sind die Restaurierungsarbeiten in der Bergener Marienkirche beendet

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Der in Teschvitz lebende Restaurator begleitete die seit Juli laufenden Arbeiten im Querhaus der Kirche, dem vor Altar und Chor liegenden verbreiterten Teil der Kirche. Die Gemälde dürften in einem Atemzug mit den Malereien beispielsweise im Braunschweiger Dom aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts genannt werden, so Weiß. Somit berge die Marienkirche „eine einzigartige Rarität in der norddeutschen Kunst- und Kulturlandschaft, ein Kunstdenkmal von nationaler Bedeutung, neben das sich kaum eine andere Kirche in Deutschland, England, Frankreich und Skandinavien stellen kann“.

In einem DDR-Reiseführer aus dem Jahr 1962 hieß es über die Stadt Bergen: „Sehenswert ist in dieser typischen Kleinstadt nur die im spätromanischen Stil erbaute Marienkirche, eine der ältesten Backsteinbauten Norddeutschlands.“ Dabei tat die Zeit der DDR Kirche und Malereien nicht gut. Das Dach war über lange Zeit undicht, so dass Feuchtigkeit in den Innenraum eindringen konnte und die technisch veralteten Heizungen führten zu hoher Schwefelbelastung der Luft. Erst die Reparatur des Daches und die Modernisierung vieler Heizungen sorgten für Linderung.

Die über Jahrhunderte unter schützenden Kalkschichten verborgenen Malereien wurden vor über 800 Jahren auf den Putz gemalt, 1896 aufgedeckt und bis 1905 restauriert. Die vergangenen 100 Jahre seien allerdings nicht spurlos daran vorübergegangen. „Der Kalk, das Bindemittel der Farben und des Malgrundes, hat sich unter dem Einfluss von Feuchtigkeit und schwefeligen Luftverunreinigungen in Gips umgewandelt“, erläutert Weiß. Im jetzt beendeten Abschnitt wurden drei Wände restauriert. Zwei davon liegen im linken Teil des Querhauses und zeigen Motive aus dem Alten Testament. Gegenüber Motiven zum Auszug aus Ägypten findet sich eine Abbildung der „Ehernen Schlange“. Der Erzählung zufolge habe Gott den Israeliten wegen deren „ Ungeduld, Undankbarkeit und Nörgelei“ feurige Schlangen geschickt. Weiterleben durfte nur, wer zu der an einem Stab aufgerichteten ehernen Schlange aufsah. Die Szenen im rechten Teil des Querhauses zeigen unter anderem eine Darstellung von Maria mit dem Gnadenmantel.

„Dass seit 2010 die Restaurierung in mehreren Abschnitten erfolgen konnte, verdanken Kirche und Stadt der Unterstützung durch Bund und EU“, freut sich Tino Mehner. Erst die Förderung von je 70000 Euro aus Bundes- und EU-Mitteln, 30000 Euro der Margarethe-Bierlein-Stiftung sowie 35000 Euro des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises machte den Erhalt der bedeutenden Malereien möglich.

Den Auftrag dafür erhielt die Potsdamer Arbeitsgemeinschaft Lenzner, Gramann und Schwieger. Die verwendete dabei unter anderem ein Gerät zur Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA), das den Gehalt von Schwefel und Gips messen kann. „Dieses Materialprüfgerät versetzt uns in die Lage, zu sanierende Stellen ausfindig zu machen, ohne dass wir Proben entnehmen müssen“, erklärt Andreas Weiß.

Restauriert würden ausschließlich „Fehlstellen“. Wo die ursprüngliche Malerei nicht mehr sichtbar ist, „denken wir uns auch nichts aus“. Das gilt auch für die modern anmutenden Steinstrukturbilder an den Säulen. „Für jedes Ornament diente ein mittelalterliches Original als Vorlage“, versichert der Restaurator.

Die Abnahme durch das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege erfolgt am Donnerstag kommender Woche. Danach fehlen nur noch die Nordwand im Querhaus sowie die Flächen hinter dem Altar. „Die nehmen wir uns aber erst vor, wenn auch die Sanierung des Altars selber bewilligt ist, damit der Aufbau eines Gerüst zu rechtfertigen ist“, sagt Andreas Weiß.

St. Marien zu Bergen

Der Bau der Bergener Marienkirche wurde um 1180 unter Jaromar I. - zwölf Jahre nach der Erstürmung der Tempelburg von Arkona und der damit einhergehenden Christianisierung der Insel – begonnen.

400 Quadratmeter umfasst die Malerei, die um 1193 entstanden ist. Sie stellt eine einzigartige Rarität in der norddeutschen Kunst- und Kulturlandschaft dar. Sie wurden 1896 aufgedeckt und bis 1905 restauriert.

Mittels eines erstmals zu diesem Zwecke eingesetzten Geräts zur Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) konnten in der Marienkirche die Problemstellen lokalisiert werden.

Uwe Driest

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