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Rügen Ringelnatz auf Hiddensee: Lebemann und Steinesucher
Vorpommern Rügen Ringelnatz auf Hiddensee: Lebemann und Steinesucher
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00:00 20.12.2014
Hiddensee

Ganz und gar in Türkis gekleidet, rauscht Ute Fritsch mit ihrem hellgrünen Fahrrad über den Deich. Ihre dunklen Haare wehen im Wind. Auf dem Gepäckträger eine große, hellblaue Stofftasche. Darin Bücher, Post- und Künstlerkarten und Gummibärchen. Ihr Blick ist auf Kloster und das Hügelland gerichtet. Viel Zeit hat sie nicht. Ein literarischer Spaziergang steht an, eine Lesung muss vorbereitet und Wein für den Abendspaziergang am Strand gekauft werden. Freunde aus Berlin und ihrer Heimatstadt Jena sind zu Besuch.

Sommer für Sommer tauscht Ute Fritsch, Verlegerin, Autorin und Reiseleiterin aus Berlin, das quirlige Großstadtleben gegen ein nicht weniger aufregendes auf Hiddensee ein. Von Juni bis September führt sie Gäste über das Ländchen in der Ostsee. Lädt sie ein zu den Schauplätzen bekannter Künstler und zeigt auf, wo sie dichteten, malten, musizierten, gerne zum Essen und Trinken einkehrten, liebten oder badeten.

Bei all ihren sechs literarischen Spaziergängen schlägt das Herz von Ute Fritsch beim „Lustigen Ringelnatz-Asta-Nielsen-Spaziergang mit Ringel-Sanddornschnäpschen“ am schnellsten. „Joachim Ringelnatz (1883 — 1934) war auf Hiddensee und am Meer glücklich und produktiv“, weiß die Germanistin und Historikerin. Sie verehrt den heiteren wie traurigen Schriftsteller, Kabarettisten und Maler — liebt seine Verse.

Die Insel inspirierte ihn. So entstand auf Hiddensee neben vielen Gedichten auch die Seemannsballade „Die Flasche“ (1932). „Mal dichtete er ganz tief menschliche Gedichte, dann derb makaber. Zudem war er außerdem ein sehr guter Maler und Zeichner“, weiß Ute Fritsch. Und ein Lebemann, der beseelte Stunden mit der großartigen Stummfilm-Schauspielerin und Seelenfreundin Asta Nielsen verbrachte, die den Sommer über in ihrem „Karusel“ in Vitte verbrachte. Und auf deren Einladung weilte das „Uralt-Kind“ — inzwischen 46 Jahre alt — auf Hiddensee, erlebte 1929 sonnenhelle Tage. Ewig Bernstein suchend. Immer nur Schnaps findend. Aber immer in heiterster Geselligkeit mit der Schauspielerin und anderen Künstlerkollegen.

In großer Bewunderung widmet Ute Frisch dem großartigen Lyriker nun das Buch „Mit Ringelnatz auf Hiddensee“. „Für meinen Papi und Ringel — oben im Himmel“, sagt sie, die als Verlegerin, Autorin und Reiseführerin durchs Buch führt. Vorbei an seinen Schiffen, Möwen und Selbstbildnissen und auch lieblichen und amüsanten Auszügen aus seinem Hiddenseer Tagebuch.

Zweieinhalb Jahre hat die Inselführerin — in diesem Jahr hat sie ihre 14. Saison auf Hiddensee erlebt — an dem Buch gearbeitet, deutschlandweit in Museen, Archiven und in Nachlässen gestöbert, Gedichte, Geschichte, Bilder, Fotos und Briefe ausgewählt und aufgeschrieben.

196 farbige Abbildungen, darunter viele unveröffentlichte Fotos und Briefdokumente aus privaten Sammlungen befreundeter Künstler, machen den Wert des aufwändig illustrierten Buches aus. Ein Kapitel widmet sie Ringelnatz und Gerhart Hauptmann auf Hiddensee. Eine Aquarellskizze von Albert Klatt zeigt die beiden Männer in einer geselligen Runde im „Bollwerk“ im August 1933.

Wer gemeinsam mit Ute Fritsch die 148 Seiten lange Reise durch das Buch antritt, begegnet Ringelnatz persönlich. Plötzlich sieht man sich mit ihm und Asta Nielsen vor ihrem blau-weißen Sommerhaus „Karusel“, munter trinkend auf der Terrasse des Hotels Dornbusch in Kloster und dann steinesuchend am Lieblingsstrandplatz der beiden zwischen Kloster und dem Norderende Vitte. „Ringelnatz lebte seine kindliche Spielfreude und Kreativität in der Leichtigkeit eines Sommers auf Hiddensee voll aus. Wie ein Kind begeisterte sich der kinderlose Kinderfreund für das Steine-Suchen“, sagt Ute Fritsch.

Und beginnt ihren poetischen Spaziergang in Ringelnatz‘ Lieblingsschankwirtschaft „Am Bollwerk“ in Kloster, hält an seinem Lieblingshaus („Strandhus“ in Vitte) und lässt ihn am „Karusel“ — mit schönen Bildern und heiteren Gedichten. Ringelnatz würde es lieben — den Spaziergang, das Buch.



Janet Lindemann

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