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Rügener Mediziner lässt Zug des Lebens abfahren

Polchow Rügener Mediziner lässt Zug des Lebens abfahren

Eckhard Lau hat ein Buch über das Altern verfasst / Daraus liest der Frauenarzt und Krebsexperte am kommenden Freitag in Güttin

Polchow. Ab wann ist der Mensch alt? Eckhard Lau lächelt. Der Mediziner kam vor 73 Jahren in der Hansestadt Greifswald zur Welt und war zu dem Zeitpunkt schon beim „Altwerden“. „Das Altern“, sagt der Gynäkologe und Onkologe, „beginnt medizinisch gesehen für uns alle schon im Mutterleib.“ Zum relevanten Thema wird es für die meisten aber erst viele Jahre später – auch für Eckhard Lau. Der Insulaner hat ein Buch über das Altern verfasst, aus dem er am 16. September im Güttiner Flugplatz-Restaurant „Wolke 3“ lesen wird.

 

OZ-Bild

Eckhard Lau mit seinem neuen Buch „Altern“ vor seinem Klavier in Polchow.

Quelle: Maik Trettin

Das Thema ist älter als jeder Mensch. Seit Jahrhunderten gibt es den Mythos über Jungbrunnen, die alten Menschen Kraft, Gesundheit und Schönheit ihrer Jugend zurückgeben. Die Überzeugung war so stark, dass man in früheren Zeiten wirklich junge Mädchen zu alten, dahin siechenden Männern ins Bett legte, damit letztere sich wieder erholten und neue Kraft schöpften. „Das soll in einigen Fällen sogar funktioniert haben“, sagt der Frauenarzt und Krebsexperte verschmitzt. Die Energie der Mädchen schien sich auf die alten Herren – wie auch immer – tatsächlich zu übertragen. Solche und andere Episoden baut der pensionierte Mediziner seit einigen Jahren in Vorträge ein, die er unter anderem vor Kollegen oder Freunden hält. Die fast ausnahmslos faszinierten Zuhörer hätten ihn ermutigt, das doch einmal zu Papier zu bringen. „Daraus ist das Buch entstanden“, erklärt der Polchower.

Es ist nicht das erste, das Lau veröffentlicht hat. Bislang sind von ihm Geschichten unter dem Titel „Tiefstehende Sonne“ und „Diese Zeiten“ erschienen. Eckhard Lau hat auch Spaß an der Musik, spielt zu Hause gern Blues und Boogie auf seinem Klavier oder zermartert sich das Hirn beim Schach. Aber um an den Wettkämpfen der Denksportler teilzunehmen, müsste er sonntagmorgens immer früh aufstehen.

„Das Schreiben kann ich mir so einteilen wie ich möchte“, erklärt er lachend.

Sein drittes Buch ist ein populärwissenschaftliches geworden, das als Lektüre für den medizinisch Vorgebildeten ebenso taugt wie für alle anderen. Fast die Hälfte der Seiten des kleinen Bandes hat er den leicht verständlichen Erklärungen von Fachbegriffen gewidmet.

Seine Gedanken und die wissenschaftlichen Theorien zum Altern verpackt er in dem Bild eines Zuges namens „Leben“, in den man einsteigt, unterwegs einiges erlebt, Mitreisende trifft, die zu- und aussteigen, bevor man irgendwann selbst die Endstation erreicht. Der Tod ist unausweichlich, sagt der Onkologe: „Jede gesunde Zelle muss absterben.“ Die, die es nicht täten, seien die so genannten Krebszellen.

Fasziniert sind die Wissenschaftler auch in diesem Fall von den Ausnahmen. „Es gibt Pflanzen und Tiere, die mit der Zeit nach unserem Begriff immer jünger werden“, so Lau. Die Süßwasser-Hydra zum Beispiel altert nicht. Ohne Fressfeinde würde sie vermutlich ewig leben. Ganz anders sieht es beim Menschen aus: „Dort sterben im Schnitt täglich etwa 5500 Herzmuskelzellen ab.“

Seit Jahren versuchen die Menschen, diesen Prozess aufzuhalten oder zu verlangsamen. Über das Wie gibt es zahllose Theorien. Eine besagt, dass derjenige, der friert, hungert und sich kaum bewegt, länger lebt. Die Japaner gehörten auch deshalb zu den ältesten Menschen, weil sie bereits aufhören zu essen, wenn sie zu 80 Prozent satt sind.

Warum wir überhaupt altern, dazu zitiert Lau verschiedeneThesen. Eine besagt, dass die Summe der Herzschläge, die ein Mensch oder Tier im Laufe seines Lebens zur Verfügung hat, nahezu gleich ist.

Schlage es schneller, sei dieser Vorrat eher aufgebraucht und das Lebewesen sterbe. Andere Wissenschaftler sehen im Altern eine unentdeckte Entzündung, die durch genetische Defekte ausgelöst werden könnte. Oder macht etwa der Konsum von Zucker krank, wie wiederum andere Forscher behaupten? Oder ist ein Hormonmangel, der sich ab dem 50. Lebensjahr einstellt, ursächlich für das Älterwerden?

Klar scheint eines: Der Mensch stirbt, wenn das Reparationsvermögen seines Körpers erschöpft ist. Mit Technik versucht man, diese körpereigenen „Reparaturmaßnahmen“ zu ersetzen. Eckhard Lau ist überzeugt: „Die Technik wird den Menschen in dieser Frage überholen, ob wir wollen oder nicht.“

Die Menschen werden schon jetzt immer älter. Etwa jedes achte Mädchen, das jetzt auf die Welt kommt, werde voraussichtlich mindestens 100 Jahre alt. „Irgendwann werden mehr als 200 Jahre für ein Menschenleben normal sein.“ Die Frage nach dem Sinn stelle sich nicht, weil sich auch das Bewusstsein der Menschen verändere.

Der Buchautor

Eckhard Lau , geboren 1943 in Greifswald, studierte Medizin an der Humboldt-Universität in Berlin. Er arbeitete von 1971 bis 2005 als Gynäkologe und Onkologe am Bergener Krankenhaus, lebte viele Jahre in Sassnitz und mittlerweile in Polchow. Bislang hat er drei Bücher veröffentlicht: „Tiefstehende Sonne“ und „Diese Zeiten“. Aus dem Werk „Altern“ wird er am 16.

September um 19 Uhr im Restaurant „Wolke 3“ in Güttin lesen.

Anmeldungen bis einschließlich morgen unter ☎ 0383 06/21155 oder info@wolke3-ruegen.de

Maik Trettin

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