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Rügentypisch: Kreide-Auster zum Fossil des Jahres gekürt

Gummanz Rügentypisch: Kreide-Auster zum Fossil des Jahres gekürt

Kreidemuseum Gummanz zeigt rund 100 Exemplare der im Volksmund auch „Dickmuschel“ genannten Art

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Ich esse selbst gern Austern. An der aus der Kreidezeit würde man sich aber die Zähne ausbeißen.Joachim Reitner, Vorsitzender der Paläontologischen Gesellschaft

Gummanz. „Wir wollen für einen Aha-Effekt sorgen und das Interesse an der Paläontologie wecken“, sagt Joachim Reitner. Gestern sorgte der Vorsitzende der Paläontologischen Gesellschaft im Rügener Kreidemuseum in Gummanz für einen Aha-Effekt. Zusammen mit Manfred Kutscher, Fachberater der musealen Einrichtung, präsentierte Joachim Reitner rund 40 Insulanern und Urlaubern das Fossil des Jahres 2017 – Pycnodonte vesiculare, die Kreide-Auster. Das Duo weihte zwei Vitrinen mit rund 100 Exemplaren des Fossils des Jahres ein, die ab sofort im Kreidesaal des Museums in Augenschein genommen werden können.

OZ-Bild

Kreidemuseum Gummanz zeigt rund 100 Exemplare der im Volksmund auch „Dickmuschel“ genannten Art

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„Ich esse selbst gern Austern.“ Unumwunden gab Joachim Reitner seine Feinschmecker-Vorliebe zu. „Am Fossil des Jahres 2017 würde man sich aber die Zähne ausbeißen.“ Von dem unterscheiden sich die Austern von heute zwar nur minimal. Doch jene, die der Vorsitzende mit seinen Mitstreitern in der Gesellschaft für Paläontologie (Wissenschaft, die die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten während der gesamten Erdgeschichte erforscht) auf ihrer letzten Jahrestagung zum Fossil 2017 kürten, ist buchstäblich stein-, besser kreidealt. Denn jene Auster, die wegen ihrer dicken Schale im Volksmund auch „Dickmuschel“ genannt wird, lebte vor 100 bis 66 Millionen Jahren im Kreidemeer. Die ausgestorbene Art wurde etwa 10 bis 15 Zentimeter groß und ihre Schalen wölbten sich bis zu 10 Zentimeter in die Höhe.

„Guck mal Mutti, sowas haben wir doch auch schon gefunden, nur viel kleiner“, rief die siebenjährige Finja ihren Eltern Petra und Reinhardt Liebig gestern beim Anblick der imposanten Kreide-Austern-Fundstücke in den Vitrinen zu. Mutter Petra quittierte die Begeisterung mit einem Lächeln: „Wir sind zwar nicht auf Rügen zu Hause, aber Dauergäste. In jedem Urlaub suchen wir an den Stränden und vor allem entlang der Kreideküste nach Versteinerungen.“ Zurzeit verbringt die Familie aus Möser bei Magdeburg wieder die Winterferien auf Rügen. „Wir haben aus der Zeitung von der Präsentation des Fossils des Jahres erfahren. Als Sammler aus Leidenschaft wollten wir uns das nicht entgegen lassen“, gab Petra Liebig ihrer Tochter recht: „Ja, ein Schalenstück von so einer Auster haben wir hier auf der Insel auch schon gefunden.“

Joachim Reitner wundert das nicht. „Diese ausgestorbene Auster ist sehr bekannt. Auch wenn sie weltweit vorkommt, ist sie ein besonders rügentypisches Fossil, das wohl schon viele Inselbewohner und -urlauber gefunden haben.“ Der hohe Bekanntheitsgrad und der hohe Stellenwert für die Wissenschaft seien ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Gesellschaft die Kreide-Auster zum Fossil des Jahres 2017 gekürt hat. „Ihre Schalen sind Archive des Meerwassers. Sie geben uns zum Beispiel Auskunft darüber, wie warm das Wasser vor -zig Millionen Jahren war, wieviel Kohlendioxid im Meer und in der Luft war.“

Austernlarven benötigen einen festen Untergrund, ergänzt Manfred Kutscher. „Die ausgestorbene Art hat sich an andere Lebewesen wie Ammoniten geheftet. Das ist an den fossilen Funden deutlich sichtbar. Deshalb ist die Kreide- Auster für die Wissenschaft von so großer Bedeutung. Sie gibt Auskunft über das Leben in der Jura-Zeit.“ Die ausgestellten Exponate seien Beleg für ein reiches Vorkommen auf Rügen. Gefunden wurden die gezeigten Fossilien in einem Kreide-Tagebau auf Jasmund. Rund 100 Exponate können Besucher des Kreidemuseums ab sofort in Augenschein nehmen. „Das sind sozusagen die Prunkstücke. Wir haben in unserem Fundus noch viel mehr Fossile des Jahres“, sagt Manfred Kutscher.

Geologische Entstehungsgeschichte Rügens im alten Kreidewerk

17300 Gäste haben Rügens Kreisemuseum in Gummanz im vergangenen Jahr besucht. In der musealen Einrichtung wird die geologische Entstehungsgeschichte der Insel dokumentiert.

2005 wurde das Museum im Gebäude des ehemaligen und 1962 stillgelegten Kreidewerks in Gummanz eröffnet, deren Ausstellungsfläche 2014 durch einen Anbau erweitert werden konnte.

Die Paläontologische Gesellschaft kürt seit 2008 ein Fossil des Jahres. Der gemeinnützige Verein mit Hauptsitz in Frankfurt am Main zählt mehr als 1000 Mitglieder und wurde 1912 in Greifswald gegründet.

Udo Burwitz

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