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Rügen Sassnitz: Regale rücken in der Bibliothek geplant
Vorpommern Rügen Sassnitz: Regale rücken in der Bibliothek geplant
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00:13 17.01.2015

„Ein spektakulärer Nachmittag“ hat ausgedient. Frank Biederstaedt greift nach dem Buch mit dem gleichnamigen Titel. Seit 2006 steht es in den Regalen der Stadtbibliothek in Sassnitz. Biederstaedt, der das Eldorado für Lesehungrige und Literaturfreunde in der Hafenstadt leitet, zieht die Stempelkarte aus dem Buch. Nur sechs Stempel weist die Karte aus. Er merkt das Exemplar für die Liste zum Aussortieren vor. „Wir entstauben unsere Bestände“, kündigt er ein großes Vorhaben für das gerade begonnene Jahr an: Die Stadtbibliothek soll umgestaltet werden. „Von einer flüchtigen Durchlaufstelle zu einem attraktiven Treffpunkt“, bringt Frank Biederstaedt das Ziel auf den Punkt.

Dicht an dicht stehen die Regale im alten Postgebäude, dem Domizil der Stadtbibliothek. Wer sich in dieser Enge mit Lesestoff versorgen will, den könnte bei der Suche nach der passenden Lektüre glatt das Gefühl beschleichen, von Büchern erschlagen zu werden. Dabei bleibt dem Nachwuchs im Bereich der Kinderbibliothek sogar das Ausräumen nicht erspart. Viele Kinderbücher sind zu groß für die vorhandenen zu kleinen Regale. Sie können nur quer einsortiert werden. Wer sucht, muss notgedrungen die vorne stehenden ausräumen, um an die dahinter zu gelangen. Wer fündig geworden ist, sucht dann vergebens eine Sitzgelegenheit, um in ausgewählten Büchern mal reinzulesen. Denn Sitzgelegenheiten sind Mangelware. Und das sowohl für Jung und Alt. „Nutzungsanfragen Studierender müssen deshalb sogar abgelehnt werden“, räumt Frank Biederstaedt ein, dass die Einrichtung aufgrund des Platzmangels zurzeit durch eine „nicht einladende Unübersichtlichkeit“ besticht.

Das Ergebnis haben Frank Biederstaedt und die Bibliothekarin Xenia Meischner zu Papier gebracht. „Es erfolgt wenig bis kaum Zulauf durch junge Erwachsene und Jugendliche. Die deutliche Hauptnutzergruppe sind RentnerInnen aus Sassnitz und den umliegenden Ortschaften“, beschreiben beide den Ist-Zustand in einem Konzept, das sie für die Umgestaltung bereits erarbeitet haben. „Die Kinder von heute, sind die treue Leserschaft von morgen“, legt Frank Biederstaedt nach.

Um die zu gewinnen, soll das Rücken von Regalen in diesem Jahr Programm werden. „Trotz Platzmangel, mehr bekommen wir nicht dazu. Doch der vorhandene lässt sich effizienter nutzen“, beschreibt der Bibliotheksleiter das Ziel der Aktion. Ein wenig mehr Platz haben er und Xenia Meischner allerdings doch schon geschaffen. Zumindest in den Regalen. „Seit 2011 wird kontinuierlich aussortiert“, sagt Frank Biederstaedt. Im Vergleich mit anderen Bibliotheken habe die Sassnitzer eindeutig zu viele Medieneinheiten. Rund 27 000 waren es im genannten Jahr, aktuell sind es 20000. Die „Ladenhüter“

verschwinden. Der „spektakuläre Nachmittag“ gehört dazu. Bücher, die fast kaum ausgeliehen werden, erhalten den Stempel „Abgegangen am ...“. Viele landen auf einem Auslagetisch im Vorraum der Bibliothek, die können sich Besucher mitnehmen. „Natürlich schmeißen wir keinen Goethe raus, die Klassiker bleiben“, betont der Bibliotheksleiter. Und Exemplare, die zwar wenig ausgeliehen wurden, von denen sich das Team auch im Interesse mancher Leser ganz ungern trennt, haben den Weg ins Bibliotheksmagazin genommen, sie lagern im Keller. „Zum Beispiel DDR-Literatur aus den 60er und 70er Jahren“, kündigt Biederstaedt an, dass der Gesamtbestand weiter schrumpfen werden. „Auf etwa 16 000 bis 17000 Einheiten.“

Der „Herr“ über Bücher, Zeitschriften und multimediale Tonträger steht mit einer Grundriss-Zeichnung an der Eingangstür in der Bibliothek — und verschiebt vor dem geistigen Auge Regale so, wie sie auf der Skizze schon platziert sind. „Gleich linkerhand soll die Kinderbibliothek ihren Platz finden.“ An der Stelle platziert Frank Biederstaedt auch nicht vorhandene, sondern neue Regale. „Wir brauchen kindgerechtere. Das werden aber die einzigen sein, die neu gekauft werden sollen“, sagt er und ordnet dahinter als neuen Bereich eine extra Jugendbibliothek an. „Ein eigener und moderner Bereich, der mit einer kleinen Sitzecke als Rückzugsmöglichkeit ausgestattet werden soll. Wir wollen Anreize für junge Leute zum Bibliotheksbesuch schaffen.“ Aber nicht nur für die Jugend, schwenkt Frank Biederstaedt auf dem Papier mit dem Finger auf die Fläche daneben. „Dort soll ein loungenartiger Lese- und Veranstaltungsbereich mit Sitzmöbeln entstehen.“ Der verspricht nicht nur Gemütlichkeit, sondern auch weniger schweißtreibende Arbeit für die Mitarbeiter. „Bislang müssen wir zum Beispiel für Lesungen immer Container rollen und groß umräumen, um Stühle aufstellen zu können“, so Biederstaedt.

Die Umgestaltung der Bibliothek wird etwa 4000 Euro kosten. „Das Geld kann nicht aus dem schmalen Bibliotheksetat genommen werden“, sagt er. Deshalb sind jetzt erst einmal die Mitglieder der Fachausschüsse und die Stadtvertreter gefragt, sie haben zu entscheiden. Wird das Konzept befürwortet, müsste die Bibliothek für das große Regalerücken schätzungsweise für drei Wochen geschlossen werden, kündigt der Leiter schon mal an.



Udo Burwitz

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