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Schicksalsschläge trieben sie zum Malen

Sassnitz Schicksalsschläge trieben sie zum Malen

Astrid Leukroth aus Sassnitz stellt ihre Bilder in der chinesischen Hauptstadt aus

Sassnitz. /Peking. In einer Gemeinschaftsausstellung zeigt das Museum of Contemporary Art Beijing (MoCA) unter dem Titel „From Border to Bridges: Deconstructing Borders of Aesthetic Creativity“ („Von Grenzen zu Brücken: Grenzen der ästhetischen Kreativität abbauen“) seit dem 6. August und noch bis 18. September 2016 unter anderem Bilder der Sassnitzer Malerin Astrid Leukroth.

Das Erstaunliche daran ist nicht allein, dass eine Rügener Malerin im Reich der Mitte ausstellt. Ungewöhnlich ist vor allem der Weg, den die bis dato nicht-etablierte Künstlerin zurücklegte. Astrid Leukroth wurde 1962 in eine Sassnitzer Fischerfamilie geboren. Ihr Vater starb vor einigen Jahren, die Mutter lebt in einem Binzer Pflegeheim. Ehemann Peter ist Betriebsratsvorsitzender bei Stena-Line in Rostock und richtete ehrenamtlich die Sassnitzer Seemannsmission ein. Astrid Leukroth selber machte ihren Facharbeiter als Wirtschaftskauffrau und arbeitete in der Kostenrechnung, bevor sie drei Jahre auf Sassnitzer Fähren über die Ostsee fuhr, um mit der Eröffnung des Nationalparkzentrums am Königsstuhl dorthin zu wechseln.

Nichts war wie zuvor, nachdem zwei ihrer vier Kinder verstarben. Vor zwanzig Jahren kam die damals 14-jährige Tochter Daniela bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben und vor neun Jahren verstarb Sohn Kai plötzlich und unerwartet. Beide Kinder waren aktiv in Jugendblasorchester und Musikschule, und das war kein Zufall. Auch Astrid Leukroth war ihr Leben lang sportlich und musikalisch aktiv. Mit dem Badminton-Team von Empor Sassnitz schaffte sie es bis in die Landesklasse und bis 1994 sang sie im Kinderchor „Die Uferschwalben“ unter Leitung von Georg Ladendorf. „Als der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, trommelte ich einige ehemalige Sängerinnen zusammen und wir überraschten Georg im Kurhotel mit den alten Liedern“, freut sie sich noch heute. So wundert es nicht, dass auch der nach Tochter Kathleen (32) – die in Kürze auf Rügen heiraten wird – jüngste Spross ein regionales Sport-Talent wurde. Die Fünf-Kilo-Kugel stößt der 18-jährige Ted 15,50 Meter weit, den Diskus schleudert er 47,60 Meter und den Ball katapultiert er gar über 70 Meter in die Ferne. Ted trainierte unter Ex-Europameister Ralf Bartels in Sassnitz, nahm an „Jugend trainiert für Olympia“

teil und absolviert demnächst ein Praktikum beim Kreissportbund Mecklenburgische Seenplatte.

Was in einem Menschen schlummert, der mit seinen Genen zufrieden sein kann und sich sportlich wie musikalisch ausbildet, sollte in der dann folgenden schweren Phase ihres Lebens den Weg an die Oberfläche suchen. Zwar war Astrid Leukroth nach dem Tod ihres erstgeborenen Sohnes nur noch eingeschränkt arbeitsfähig, beendete ihre Tätigkeit im Nationalparkzentrum, spürte aber bald, „dass ich unbedingt etwas mit meinen Händen machen musste“. So begann sie, mit Speckstein oder Holz zu arbeiten und peppte alte Möbel auf.

Erst vor vier Jahren fing sie an, zu malen. Ohne Studium, Vorlagen oder Kenntnisse von Farbenlehre oder Materialkunde, begann Astrid Leukroth autodidaktisch mit Acryl auf Leinwand zu arbeiten. „Ich fand meinen Lieblingspinsel und stand irgendwann vor einem Bild und dachte: ,Hieran stimmt alles’“, erzählt sie. „Danach war es wie eine Sucht, ich stand morgens auf und fing an zu malen.“ Selbst nach einem anstrengenden Tag außer Haus habe sie abends den Drang verspürt, zum Pinsel zu greifen. Nach etwa dreijähriger Schaffensphase „wollte ich professionelles Feedback“ . So googelte sie eines späten Abends nach Ausstellungsmöglichkeiten, stieß auf die Hamburger Kunstagentur Pashmin Art Management und bewarb sich tags darauf per Email. Wenig später erhielt sie zunächst einen Anruf gefolgt von einer Einladung in die Hansestadt und schließlich das Angebot, ihre Bilder im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung von mehr als 30 Künstlern aus aller Welt im MoCA in der chinesischen Hauptstadt auszustellen. Die erforderlichen Rahmen baut sie dabei in Eigenarbeit. „Ich möchte keine Bilder von der Stange erstellen sondern Unikate“, beschreibt sie ihre Philosophie.

„Im Traumland gibt es keine Zeit“, lautet der Titel ihrer Reihe aus acht Bildern, die heute im Fernen Osten hängen. Die Einladung zur Vernissage am 7. August nahm sie auch aus finanziellen Gründen nicht an. In die Ankündigungs-Broschüre schaffte es ihr Bild „Die Tierparade“. Denn auch ihre Herzensbildung war Astrid Leukroth stets wichtig, was Mischlingshund Theo und Wellensittich-Dame Rosi vielleicht bestätigen würden. „Tier und Mensch müssten noch viel mehr in Einklang leben“, findet Leukroth, die „in keinen Zirkus mehr geht“ und auch ihren Fleischverzehr überdenken will.

Uwe Driest

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