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Rügen Sie beherrschte die Kunst der Eindringlichkeit
Vorpommern Rügen Sie beherrschte die Kunst der Eindringlichkeit
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03:34 09.09.2013
War stets ein lebensfroher Mensch: Maria Pakulla. Quelle: Iris Bleeck
Dumsevitz

Ich kann sie leider nicht mehr fragen, was die Vertreibung aus Böhmen für sie bedeutet hat, kann nur ahnen, dass sie trotz allem ein ziemlich unbeschädigter Mensch in ihrer Seele war. All die, die mir von ihr erzählten, von ihrer wunderbaren Art Zuwendung zu zeigen oder großzügig zu verschenken, ohne Misstrauen durch das Leben ging, gespeist von einem unendlichen Fundus an literarischem Wissen und Menschenliebe, tragen sie in ihren Erinnerungen als eine wertvolle Begegnung. Gern höre ich am Abend die von ihr besprochene CD „Schatzhüter“, Geschichten und Sagen von Rügen. Ihre Stimme hat etwas Beruhigendes, Ausgleichendes, Geheimnisvolles.

Dr. Sven Wichert, der jetzige Leiter der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft, erinnert sich an Feste, zu denen sie in farbenfroh gewebten, langen Röcken erschien. Sie tanzte, lachte und sang, sodass ihre Röcke flogen. Diese kleine Frau versetzte mit ihrem Temperament manch alt eingesessenen Rüganer in ungläubiges Staunen.

Weil es Maria Pakulla geradezu hinzog zu interessanten Menschen, knüpfte sie immer wieder neue Freundschaften. Nicht nur das war besonders an ihr, auch ihre Gabe des Rezitierens, und ihr nicht versiegen wollender Strom an Wissen. Gedichte von Arndt, Verse von Kosegarten, Tagebuchnotizen von Cibulka oder Geschichten aus dem Dorfleben, Rügener Märchen und Sagen machten eine Begegnung mit ihr zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Was für eine große Unbefangenheit wohnte in ihrem Herzen. In einer Gesellschaft, die von Misstrauen zerfressen wird, in der Tugenden vom Aussterben bedroht sind. Das, was Maria Pakulla noch praktizierte, ist selten geworden.

Ihr Nachfolger, der ebenfalls verstorbene Professor Karl-Ewald Tietz, sagte einst über sie: „Maria Pakulla sei ein lebenszugewandter Mensch gewesen, konnte Räume mit ihrem Sein füllen, mit unnachahmlicher Frische, trotz ihres hohen Alters. Herzlichkeit und seelenvolle Umarmungen gab es nicht nur für Freunde. Wenn sie sprach, lauschten alle Zuhörer gebannt ihren Worten. Ihre böhmische Sprachfärbung fand ihren Weg direkt zu den Zuhörern. Trotz ihrer Herkunft war sie eine Rüganerin. Die Kraft des langsamen Lesens zeichnete sie aus, sie beherrschte die Kunst der Eindringlichkeit.“

Die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft war ihr Kind. Noch zu DDR-Zeiten mühte sie sich um das verfallene Geburtshaus. Vor und nach der Wende sorgte sie sich um die mit Arndt verbundenen Plätze. Häuser, die seinen Namen trugen, waren ihre Heimstätte. Das Garzer Museum, das Bergener Gymnasium und natürlich das Schoritzer Geburtshaus des Dichters.

Allein reichten ihre Kräfte oft nicht aus, doch immer gewann sie Helfer. Das gelang mit Klugheit, Diplomatie und Witz. In der Verwaltung und in der Wirtschaft, in der Kultur und im privaten Umfeld fand sie Förderer. Die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft ist gewissermaßen ihr Kind. Die spätere Ehrenvorsitzende hat einst ihre Ideale in den Verein eingebracht und somit Grundlagen geschaffen für ein sehr erfolgreiches Wirken, für künstlerische und wissenschaftliche Qualität.

Ihre Glaubwürdigkeit und Heimatverbundenheit, ihre Weltsicht — das Alles sorgte für ein menschliches Miteinander.

Sie erfuhr zahlreiche Ehrungen. Die Wichtigste war sicher die Auszeichnung mit dem Schinkelpreis der Gemeinde Putgarten. Geehrt wurde sie für ihr beispielloses Wirken bei der Erneuerung des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses in Groß Schoritz.

Auch in Kransdorf hat sie gelesen, wusste um die Bedeutung dieses sozialen Projektes, wollte unterstützen und Freude spenden, Seelen wärmen. Das schien ihre Passion zu sein — Menschen die Seele zu wärmen. Ich finde heute noch überall Spuren von Maria Pakulla. Alle Menschen die sie kannten, verehren sie, sagen das Gleiche. Dieses Übereinstimmen des Guten in einem Menschen, habe ich in dieser Form kaum erlebt.

Es gibt kein Aber. Es gibt nur das Bedauern des Verlustes um die Freundin. Um Maria Pakulla, die die angeborene Fähigkeit hatte, Menschen ins Herz zu fallen.

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Charismatische Persönlichkeit

2009 wurde auf dem Garzer Friedhof ein Gedenkstein für Maria Pakulla (1925 —2006) enthüllt. Den hatte der bekannte Berliner Steinmetz Carlo Wloch aus einem Rügener Findling sowie böhmischem Gestein geschaffen, weil Maria Pakulla aus Böhmen stammte.

Die Lehrerin aus Dumsevitz hat einst mit ihrem Einsatz für Ernst Moritz Arndt, mit ihrer Vortragskunst und ihrer charismatischen Persönlichkeit nicht nur Schüler, sondern viele Einwohner der Insel und kunst- wie geschichtsinteressierte Besucher Rügens begeistert. Sie initiierte im Jahre 1992 die Gründung der Ernst-Moritz- Arndt-Gesellschaft, deren Ehrenvorsitzende sie später war.

Iris Bleeck

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