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Sie entstauben klassische Texte und vertonen sie neu

Kultur Sie entstauben klassische Texte und vertonen sie neu

Die Band „Club der toten Dichter“ gastiert morgen mit ihrem neuen Schiller-Programm im Insel-Theater in Putbus. Die OZ sprach vorab mit dem Gründer Reinhardt Repke.

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Friedrich Schiller brauchte zur Inspiration immer einen faulen Apfel in seiner Nähe. Deshalb spielt diese Frucht auch bei „Club der toten Dichter“ eine Rolle. Tim Lorenz, Dirk Darmstaedter, Reinhardt Repke,Markus Runzheimer und Andreas Sperling (v.l.) gehören zur Band.

Quelle: Bernd Brundert

 

Putbus — Wie immer, wenn die Band „Club der toten Dichter“ einen neuen Klassiker bearbeitet hat, starten die fünf Musiker eine neue Tournee. „Freude schöner Götterfunken — Friedrich Schiller neu vertont“ heißt das aktuelle Programm, das an diesem Freitag im Theater Putbus zu hören ist. Die Gruppe bringt nicht nur Schiller, sondern auch einen angegammelten Apfel mit auf die Bühne, denn der Dichter Schiller brauchte den fauligen Geruch von Äpfeln, um schreiben zu können, wie seine Frau Charlotte einst an Goethe schrieb. Über Äpfel, Gedichte und Noten sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit dem Bandgründer und Komponisten der Songs, Reinhardt Repke.

OSTSEE-ZEITUNG: Hatten Sie auch früher bei Ihren Konzerten Obst mit auf der Bühne?

Reinhardt Repke (lacht): Nein. Natürlich nicht. Die Vorgänger-Dichter Heine, Busch und Rilke hatten vielleicht andere Macken, aber sie brauchten kein faulendes Obst, um Ideen zu haben.

Schiller hat, so ist es überliefert, den Geruch modriger Äpfel als Quelle der Inspiration genutzt. Er sammelte die Früchte und hortete sie in seiner Schreibtischschublade.

OZ: Apropos dichten: Wie entstehen die Arrangements für den Club? Werden die klassischen Texte eins zu eins von den berühmten Dichtern übernommen oder werden sie verfremdet?

Repke: Verfremdet auf keinen Fall. Wir lassen vielleicht mal ein Wort weg oder wiederholen eine Strophe als Refrain. Wir dichten nichts dazu, sonst würde die Äußerung eines Konzertkritikers ja stimmen, bei unserem Schiller-Programm handle es sich um eine erhebliche Dreistigkeit. Abgesehen davon: Dem Mann hat unser Konzert sehr gut gefallen.

OZ: Wie sind sie auf Schiller gekommen, wie gehen Sie vor bei der Auswahl ihrer Dichterfürsten?

Repke: Ein Dichter muss mir buchstäblich vor die Füße fallen. Ich ziehe mich mit der Gesamtausgabe des voraussichtlichen Kandidaten lange zurück und lese und lese und streiche mir Textstellen an. Ich habe dann immer das Gefühl, dass der Dichter neben mir steht und flüstert: „Meinst Du es auch wirklich ernst?“ Und irgendwann öffnet er dann ein kleines Türchen für mich, dann ein größeres und schließlich ein Riesentor und ich darf eintreten. Es gibt natürlich auch ungeeignete Texte. Schillers „Lied von der Glocke“ zum Beispiel ist einfach viel zu lang für uns, weglassen kann man auch nichts, also haben wir es nicht bearbeitet.

OZ: Die Klassiker sind ja nicht so unbedingt der Hit für junge Leute und sie sind auch nicht unbedingt das Lebenselixier unseres technisierten 21. Jahrhunderts. Wie kommt es, dass dennoch so viele Menschen in Ihre Konzerte strömen?

Repke: Wir haben ein phantastisches Publikum, ein Mix aus Jung und Alt. Offenbar findet jeder etwas in unseren Programmen, das ihn anrührt. Die klassischen Texte, die ich zu Songs verarbeite, haben eine dauernde Gültigkeit, sie sind quasi zeitlos. Meine modernen Kompositionen entstauben diese alten Gedichte in gewisser Weise. Hinzu kommt, dass viele Menschen auf Sinnsuche sind. In diesen Texten finden sie Antworten. Vor nunmehr fast zehn Jahren kam ich auf die Idee, mit klassischen Texten zu arbeiten. Damals hatte ich Liebeskummer und kaufte mir einen Gedichtband von Heinrich Heine. Ich stellte fest: Vor 200 Jahren gab es auch schon diese Probleme. „Ich hab im Traum geweinet“, diese wunderbaren Zeilen waren die ersten, die ich auf der Gitarre vertonte und mir ging es schlagartig besser.

OZ: Sind Sie alle professionelle Musiker? Können Sie von Ihrer Musik leben?

Repke: Ja, Musik haben wir alle fünf immer schon gemacht. Einige von uns spielen auch mit anderen bekannten Größen. Tim Lorenz ist als Studio-Schlagzeuger sehr gefragt und arbeitet zum Beispiel mit Udo Lindenberg. In seinem Musical macht unser Sänger Dirk Darmstaedter mit, er ist bekannt aus der Hamburger Band „The Jeremy Days“. Den Keyboarder Andreas Sperling kennt man von der Band „Keimzeit“. So, wie die Gruppe seit 2007 aufgestellt ist, passt das perfekt.

OZ: Wie würden Sie Ihren Musikstil beschreiben?

Repke: Eigentlich ist alles drin. Wir sind keine Rockband, sondern Nischen-Musiker. Kein Mainstream, aber es gibt Elemente von Country, Blues, Rock, Folk, auch Rock. Natürlich holen wir das Publikum nicht mit dem Hammer ab, es ist eher wie ein Sog, die Leute werden in die Melodien hineingezogen.

OZ: Wann kommt Goethe?

Repke (lacht): Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall sind die Konzerte in Putbus und einen Tag später in Greifswald die letzten in Mecklenburg-Vorpommern mit dem aktuellen Programm. Dann werde ich in mich gehen. Ich habe noch keine Idee. Allerdings: Auch wenn ich eine hätte, würde ich sie nicht verraten. Der Kontakt mit den Dichtern läuft immer ganz im Geheimen ab.

Gedichte neu vertont

2005 gründete Reinhardt Repke den Club der toten Dichter. Mit Repkes Neuvertonungen von Gedichten Heinrich Heines ging‘s 2006 auf Tournee. 2007 folgte Wilhelm Busch und 2010 Rainer Maria Rilke.


Sondergastspiel Club der toten Dichter am 4. April um 19.30 Uhr im Theater Putbus, Karten im Service-Center der OSTSEE-ZEITUNG in Bergen Markt 25 oder unter ☎
80 83 30.

 



Interview Lena Roosen

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