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„Sie ist die Spinne, die die Fäden zieht“

Ralswiek „Sie ist die Spinne, die die Fäden zieht“

Bianca Warnek hat als Baronin Ewa eine Schlüsselrolle inne / In der Freizeit erkundet sie die Insel

Ralswiek. Sie ist rundum glücklich. Zwar könnte sie als gute Schauspielerin nur den Eindruck entstehen lassen, dass dem so ist – Bianca Warnek nimmt man allerdings sofort ab, dass Sie sich genau dort befindet, wo sie im Moment auch sein möchte. „Es stimmt alles“, sagt die 30-Jährige strahlend. „Die Insel ist schön, ich bin wunderbar untergebracht und ich spiele bei den Störtebeker Festspielen.“

Das war ihr Traum. Nicht so einer, wie wenn angehende Schauspieler von einer Karriere in Hollywood träumen. Es war ein Traum, den sie von Anfang an mit ehrgeizigen Bemühungen unterfütterte. „Vier Jahre habe ich bis 2008 an der Theaterakademie Vorpommern auf Usedom Schauspiel studiert und dort bei dem Stück ,Vineta’ mitgemacht“, sagt sie. „Schon damals habe ich angefangen, mich jedes Jahr aufs Neue bei Störtebeker zu bewerben. Wenn man aber keine Kontakte hat, ist es sehr schwer, hier ranzukommen.“

Am Ende half ihr nicht nur ihr Talent, sondern eine zufällige Begegnung mit Goedeke-Michels-Darsteller Andreas Euler. „In meiner Geburtsstadt Dresden hatten wir mit der Aufführung des Stücks ,Machos auf Eis’ begonnen, mit dem wir über längere Zeit auch auf Tour waren“, erzählt die Schauspielerin. Als das Schauspiel für andere Theater lizensiert wurde, lief es auch an der Komödie Kassel. „Dort sprang ich kurzzeitig ein, weil die Darstellerin der im Stück vorkommenden türkischen Taxifahrerin ausgefallen war. Und in dieser Zeit traf ich auf Andreas Euler.“ Spiel des Schicksals.

„Du passt bei uns gut rein“, habe Euler gesagt und versprochen, Warnek zu empfehlen. Und prompt kam wenig später ein Anruf von der Mitgeschäftsführerin der Festspiele, Anna-Theresa Hick, die ihr die Rolle der Baronin Ewa vorschlug.

„Die Baronin ist wie die Spinne im Netz, die die Fäden zieht“, beschreibt Bianca Warnek ihren Charakter. „Sie ist ständig unterwegs, sehr geschäftig.“ Mehr noch. Warneks Figur scheint die Schlüsselrolle zu sein, die die Handlungsstränge zusammenführt, gestaltet sich die aktuellen Inszenierung „Auf Leben und Tod“ doch ziemlich komplex. Einmal mehr geht es um die Insel Gotland, die sich im Visier mehrerer Mächte befindet. Und diese streben Bündnisse an, versuchen Gegner auszuspielen. Es wird bestochen, intrigiert, bedroht und verhandelt. Baronin Ewa steht mittendrin und scheint sich mit jeder Seite gut stellen zu wollen. Dabei wird sie weniger von Bosheit oder Gier getrieben, als vielmehr von der Liebe zu ihrem Sohn, der sich in den Händen des Ritterordens befindet – als Faustpfand für Ewas Loyalität.

„Das ist diesmal die eigentliche Liebesgeschichte“, sagt Warnek, die als Baronin zwar für einen kurzen Moment das Interesse von Klaus Störtebeker erregt – es aber nie zur Interimsfreundin schafft.

„Diese Distanz war für die Rolle von Anfang an so vorgesehen“, sagt die Schauspielerin. Dem Titelheld bleibe diesmal das große Gefühl verwehrt, weshalb selbst der sonst übliche Kuss ausbleibt.

Bianca Warnek findet, dass diese Entwicklung gut zu ihrer Rolle passe. Die Baronin sei eine emanzipierte Frau. „Überhaupt wird das Stück in diesem Jahr von starken Frauenfiguren geprägt“, meint sie.

„Das gilt für Fronica, die ihren Goedeke heiraten will, ebenso wie für Sophia von Pommern-Wolgast.“ Diese wird von Patricia Schäfer dargestellt, die erst vor einer Woche bei einem komödiantischen Ausflug im Selliner Cliff-Hotel zu sehen war (die OZ berichtete).

Auf einem Pferd zu sitzen, war Bianca Warnek nicht fremd. „Als Kind habe ich mit dem Reiten angefangen und immer gedacht, ich könne das. Allerdings habe ich hier noch einmal völlig neue Facetten des Reitens kennengelernt. Dabei hatte ich in meinem Schauspielerkollege Ben Bremer einen guten Lehrer.“ Aber fechten könne sie auf jeden Fall. „Ich hätte gern noch ein bisschen gekämpft“, sagt sie.

„Leider gehört das nicht zu meiner Rolle, denn als Baronin Ewa habe ich einen treuen Begleiter, der das für mich erledigt.“ Aber sollte sie im nächsten Jahr erneut über die Ralswieker Naturbühne reiten, wären ein paar Kampfszenen die Krönung des gesamten Engagements.

Bianca Warnek ist salopp gesagt Theater-sozialisiert. Das sei ihre Welt, in der sie sich wohl fühle. Allerdings gab es auch schon erste Kontakte zum Film. Da wäre die Serie „Einstein“ – Comedy-Crime, wie sie es nennt. Der Pilotfilm sei bereits gelaufen, die Serie selbst soll aber voraussichtlich erst im kommenden Jahr starten. Dann gab es kleinere Rollen in der Sat-1-Serie „Mila“ und in dem Kinofilm „Traumfrauen“.

Ihren Beruf liebt sie, weiß aber auch um dessen Tücken. „Bei der Schauspielerei ist von 0 bis 100 alles drin“, sagt Warnek. „Ich weiß nicht, ob man es groß beeinflussen kann, wie sich alles entwickelt. Wenn man aber nicht auf den Kopf gefallen ist, kann eine Menge passieren.“ Ein bisschen Glück spiele ebenfalls eine Rolle.

In der Zeit der Festspiele will sie ohne Ausnahme auf der Insel bleiben. „Ich habe mir vorgenommen, ganz Rügen zu erkunden“, sagt sie zuversichtlich. „Dabei hilft mir Karin Hartmann, die die Fronica spielt. Denn sie ist irgendwie schon eine Alteingesessene.“ Warnek war bereits auf Ummanz, in Lohme, erst vergangenen Sonntag in Sellin und in Kürze will sie unbedingt Hiddensee erkunden. „Ich habe mir extra einen Rügen-Reiseführer gekauft“, erzählt die Mimin. „Da stehen einige Insider-Tipps drin. Jeden Tag möchte ich etwas entdecken.“ Vor den Vorstellungen habe sie immer Zeit für kleine Abenteuer. Und wenn’s nicht reicht, will sie womöglich nach der letzten Aufführung am 3. September noch eine Woche dranhängen. Urlaub sozusagen.

Jens-Uwe Berndt

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