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Sie spielen immer mit ihren Grenzen

Ralswiek Sie spielen immer mit ihren Grenzen

Die Stuntleute auf der Naturbühne Ralswiek gewähren Einblick in ihre Arbeit, die vor allem Teamarbeit ist

Ralswiek. Die Störtebeker-Festspiele ohne Stunts – das Salz in der Suppe würde fehlen. Und damit auch die erschrockenen und gleichzeitig bewundernden „Aaahs“ und „Ooohs“ der Zuschauer im weiten Rund. Hoffentlich geht es gut. „Ist es bislang immer“, sagt Gabor Duck. Seit 22 Jahren gehört der heute 56-jährige Ungar der Stunt-Crew in Ralswiek an. Sieben Köpfe ist die stark. Zu der zählt auch Laszlo Roman. Der 59-Jährige ist wie Duck außerhalb der Piraten-Saison in Budapest zu Hause.

Dort sind die Beiden größtenteils für Kino-Projekte im Einsatz. „Entweder als Double für Schauspieler oder allein als Stuntleute“, sagt Duck, der wie sein Kollege Roman einast ein Moderner Fünfkämpfer war. „Da haben wir uns das Rüstzeug geholt – beim Schießen, Fechten, Schwimmen, Springreiten und ein Querfeldein-Lauf“, sagt Duck, der seit 32 Jahren seine Brötchen als Stuntman verdient.

Als solcher hat Laszlo Roman noch drei Jahre mehr auf dem Buckel. „Er ist bei uns der Experte für die Feuerstunts“, sagt Duck. Roman nickt und schickt eine beeindruckende Zahl hinterher: „Ich habe schon mehr als 1000 Mal gebrannt.“ Gefährlich sei es eigentlich nicht, aber ein Risiko sei immer dabei, sagt er. Was zählt, ist die akribische Vorbereitung. Das geht los bei der Kleidung. Dazu gehört ein Rennanzug, wie ihn die Formel-1-Fahrer anhaben. Darüber kommt ein Glasfaseranzug. Und schließlich noch Wassergel ins Gesicht und auf die Hände sowie ein Stück Leder auf den Rücken. „Da kommt die Brennmasse drauf, die von einer Feuerwalze entzündet wird. Das Leder hält eine halbe Festspielsaison“, sagt Duck.

Beim Spung vom etwa 15 Meter hohen Turm ist Konzentration gefragt. Der Flug endet nach etwas mehr als zwei Sekunden auf einem sieben Mal neun Meter großen Luftkissen, das 2,50 Meter hoch ist.

„Wenn du super landest, ist es bequem“, sagt Duck und erklärt, wie eine Superlandung klappt: „Du musst immer das Ziel im Blick haben und dich im richtigen Moment drehen, so dass du auf dem Rücken landest. Wenn du mit dem Fuß zuerst aufkommst oder mit der Schulter, dann tut es ordentlich weh.“

Feuerstunt und Turmsprung sind ein Bruchteil dessen, was die Stuntcrew auf der Naturbühne zu leisten hat. „Wir spielen besoffene Piraten, sind beim Ritterturnier dabei, stürzen mit der Leiter“, nennt Duck ein paar Beispiele. Die Schwere der Stunts gibt er mit „medium“ an. Die Herausforderung ist eine andere: „Im Gegensatz zu Filmaufnahmen, die so lange wiederholt werden, bis sie passen, sind wir hier in einer Live-Show. Da gibt es nur einen Versuch, deshalb dürfen wir keine Fehler machen. Und wenn die doch passieren, müssen wir die Szene retten. Wir haben deshalb immer eine B-Variante, die die Zuschauer gar nicht bemerken.“ Das klappe alles nur in konzentrierter Teamarbeit, sagt Duck. Und er und seine Kollegen haben sich einem Leitsatz verschrieben: „Stuntarbeit bedeutet nicht, mutig und locker zu sein, sondern gut vorbereitet zu sein.“ Vor der Störtebeker-Premiere haben sie vier Wochen Zeit zum Üben, trainiert wird danach ohnehin jeden Tag.

Auch mit den Pferden. Denn diese Stunts, da sind sich Beide einig, sind die schwersten. „Weil wir dann mit einem lebenden Tier klar kommen müssen. Pferde haben wie die Menschen neben guten auch mal schlechte Tage“, sagt Laszlo Roman. „Kein Sturz mit dem Pferd, das eigentlich gar nicht stürzen will, ist gleich. Vom Pferd stürzen kann jeder, aber heil bleiben kann nicht jeder. Deshalb müssen wir im Bruchteil einer Sekunde reagieren, damit die Szene gut ausgeht“, sagt Duck. Zu 99,9 Prozent habe es in der Vergangeheit immer geklappt. Einmal bei ihm aber auch nicht: „Da bin ich beim Sturz vom Pferd blöde aufgekommen und habe mir das Schlüsselbein gebrochen.“

Wenn es nach den beiden Stuntleuten geht, würden sie ihre Arbeit noch jahrelang machen. Obwohl ihre Familien davon nicht begeistert seien. „Unsere Frauen mögen das nicht wirklich, weil sie unser Tun für gefährlich halten und wir viel unterwegs sind“, sagt Gabor Duck und gibt zu: „Als ich 40 war, wollte ich als Stuntman aufhören. Es hat aber nur ein Jahr gedauert, bis ich wieder als einer gearbeitet habe.“ Er konnte und kann nicht davon lassen. „Wir spielen immer mit unseren Grenzen“, sagt er und mag es nicht missen.

Chris-Marco Herold

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