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Stiftung plant teure Sanierung des Binzer Ufos von Ulrich Müther

Binz Stiftung plant teure Sanierung des Binzer Ufos von Ulrich Müther

Der Rettungsturm und die Sassnitzer Kurmuschel des berühmten Baumeisters sollen ab Herbst mit über 500 000 Euro der Wüstenrot-Stiftung wieder in Schuss gebracht werden

Binz. Vor ein paar Tagen wurde er noch einmal fit für die Saison gemacht. Doch die neue weiße Farbe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rettungsturm am Strandabgang 6 in den Binzer Dünen dringend eine große OP braucht. Die steht nun kurz bevor: Das international beachtete Objekt des Binzer Schalenbaumeisters Ulrich Müther ( 1934-2007), das Architektur-Touristen aus allen Ländern anzieht, soll ab Herbst und bis zum Frühjahr/Sommer nächsten Jahres mit Hilfe der Wüstenrot Stiftung saniert werden. Kosten für die futuristisch anmutende Hyperschalenkonstruktion: rund 210000 Euro. Geschäftführer Philip Kurz übergab gestern Bürgermeister Karsten Schneider (Pro Binz) und Kurdirektor Kai Gardeja die Vereinbarung über die Aufnahme des 1981 gebauten Müther-Rettungsturms in das Denkmalprogramm der Wüstenrot Stiftung.

Mit deren Geld wird auch ein weiteres Denkmal des „Rügener Landbaumeisters“ auf seiner Heimatinsel rekonstruiert: 300000 Euro fließen in die Sanierung der Sassnitzer Kurmuschel. Die Arbeiten sollen parallel begonnen und beendet werden, informierte Kurz.

Die Wüstenrot Stiftung aus Ludwigsburg ist eine gemeinnützige, die seit 1990 in den Bereichen Denkmalpflege, Wissenschaft, Forschung, Bildung, Kunst und Kultur arbeitet. „Wir haben vor einigen Jahren den Plan gefasst, uns um Baudenkmale aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu kümmern, weil diese am gefährdetsten sind“, so Kurz. Auf der Suche in ganz Deutschland sei man schnell auf die genialen und extravaganten Konstruktionen von Müther gestoßen. „Sie sind eine internationale Errungenschaft und höchste Ingenieurkunst. Das muss im Gedächtnis der Gesellschaft bleiben“, hob Kurz hervor. Müther, der mehr als 50 Schalen-Bauwerke entwarf und baute, sei ein Beitrag zur deutschen Baukultur gelungen und spiele ganz oben mit – was in dem Ort, wo er wirkte, viele Jahre am wenigsten klar war. Und sich auch darin zeigte, dass zum Beispiel der 1968 gebaute, ähnliche Rettungsturm mit dem Seebrückenbau 1993 abgerissen wurde. Nach dem Ende der DDR verschwanden etliche Bauten Marke Müther. Auf der Insel gibt es noch zwölf: unter anderem das Inselparadies in Baabe, die Ostseeperle in Glowe, die Schwimmhalle im Cliff Hotel. Das Binzer Ufo haben die Rettungsschwimmer im Jahre 2003 verlassen. „Ich bin froh, dass wir jetzt das Projekt Müther umfänglicher angehen und den Sohn von Binz so ehren. Wir haben im letzten Jahr begonnen mit der Einweihung des Müther-Platzes an der Strandpromenade, den wir weiter gestalten wollen. Er ist in unmittelbarer Sichtachse zum Rettungstrum, der wieder ein Highlight für Binz wird“, betonte Bürgermeister Karsten Schneider.

Eine weitere Nutzung des Turms war auch die Prämisse für dessen Sanierung. Seit 2006 ist er Außenstelle des Standesamtes Binz. Hier finden die meisten Trauungen statt. Rund 300 sind es im Jahr (in der Regel von Mai bis September). „Oft drei an einem Tag“, weiß Kurdirektor Kai Gardeja.

Dass das Erbe Müthers kein leichtes ist, wissen auch die Fachmänner. „So genial, so schwierig“, sagt Gutachter Steffen Obermann. Beim Rettungsturm konnten die Planungen noch nicht abgeschlossen werden. Man sei noch dabei, Antworten zu finden. Vor allem das schlechte Raumklima (im Winter zu kalt und zu feucht, im Sommer zu heiß) sowie der Umgang mit der hauchdünnen, nur vier Zentimeter dicken Betonschale stellen eine Herausforderung dar. Der Turm mit seiner spektakulären Form war einer von sechs Versuchsbauten, quasi ein Modell für größere Gebäude. Bei diesen sei ausgereizt worden, was technisch so möglich war, weiß Obermann.

Ein weiterer Mütherscher Versuch steht am Ortseingang von Binz mit dem Buswartehäuschen. Dies wurde vor ein paar Jahren mit Toiletten und einem Infoshop versehen. Und ist – nicht nur für Fachleute – ein Beispiel dafür, wie eine „Sanierung“ besser nicht aussehen sollte.

Gerit Herold

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