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Straßenkunst zaubert Lächeln ins Gesicht

Juliusruh Straßenkunst zaubert Lächeln ins Gesicht

Bert Kunath schmückt alte Schaukästen, defekte Zigarettenautomaten und installiert Schilder mit Sprüchen

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Juliusruh. Im sozialen Netzwerk Facebook sind Fotos der kleinen Kunstwerke aus Juliusruh längst Kult, und jeder, der mit offenen Augen durch den Ort schlendert, hat sie wohl schon mal gesehen: Mehr als 80 liebevoll gestaltete Kunstobjekte und Schilder mit amüsant- nachdenklichen Weisheiten sind im Ort versteckt. „Man kann nicht immer nur arbeiten, man muss auch mal etwas Sinnvolles tun“, steht auf einem der Schilder, „Es ist unvernünftig, immer vernünftig zu sein“ auf einem anderen. Ein junges Paar bleibt stehen, kichert und und zückt die Handys zum Foto.

 

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Bert Kunath vor seinem Schaukasten. Monatlich bekommt der „Dorfkalender“ einen neuen Inhalt.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth
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Die Auswahl der Sprüche ist nicht so einfach. Es dauert oft, bis ich den richtigen gefunden habe.“Bert Kunath, Künstler

Damit sind die beiden nicht allein – kaum ein Tourist in Juliusruh, der sich diese Fotomotive entgehen lässt. Eine bessere Werbung kann es für den Ort kaum geben.

Hinter der Straßenkunst steckt nicht etwa ein groß angelegtes Tourismuskonzept, sondern die Phantasie eines einzelnen Mannes: Bert Kunath. Der 50-jährige Inhaber des Geschäfts „Strandgut“ am Strandhotel „Dünenhaus“ verschönert den Ort seit 2011. „Angefangen hat es mit einem Spaziergang. Ich kam an einem ehemaligen Parkautomaten vorbei, von dem nur noch der in den Boden eingelassene Pfahl stand“, erinnert sich Kunath. „Um den musste die Gemeinde immer herum mähen, eine Funktion hatte er nicht. Ich wollte zeigen, dass man zumindest etwas anderes daraus machen kann.“

Kunath beauftragte einen befreundeten Schilderproduzenten mit der Anfertigung eines ersten Sprüche-Schildes und befestigte das gute Stück dann an dem Pfahl. „Zuviel des Guten kann wundervoll sein“, stand dort am nächsten Tag auf gelbem Grund zu lesen. „Ich war auf die Reaktionen gespannt“, erzählt Kunath. „Viele haben gestaunt, einige gelächelt, aber erstaunlich viele haben sich auch gefragt:

Warum macht jemand das? Was hat er denn davon?“

Das eine Schild blieb nicht lange allein, schon bald gesellten sich weitere dazu. „Ich habe schnell festgestellt, wie viele ungenutzte Pfosten und leere Flächen es in Juliusruh gibt“, sagt er schmunzelnd. Dabei liefen die ersten „Kunstaktionen“ heimlich ab – es sollte ja keiner wissen, wer hinter den mysteriösen Schildern steckt. „Aber irgendwann haben mich Einheimische beobachtet, und damit war es mit dem Geheimnis vorbei“, berichtet er. „Spätestens seit ich ähnliche Schilder an meinen Strandkörben habe, wissen alle Bescheid.“

Auch die Reste eines ehemaligen Zigarettenautomaten, von dem nur noch der Rahmen stand, hat Kunath in eine Art offenen Schaukasten verwandelt. Mit handwerklichem Geschick bastelte er einen genau eingepassten Holzrahmen, in dem sich kleine Kunstwerke einfügen lassen. Mal ist es ein dreidimensionales Möwenbild, oder jetzt im Mai eine Vaseninstallation mit drei frischen Tulpen. „Einmal habe ich den Kasten auch als ,Er-setzkasten’ laufen lassen“, sagt er. „Jeder der etwas Schönes in den Kasten legen konnte, durfte sich auch etwas herausnehmen.“ Dabei hat Kunath den Ehrgeiz, all seine Straßenkunst regelmäßig auszuwechseln: Während der „Zigarettenautomat“ in jedem Monat einen neuen jahreszeitlich angepassten Inhalt bekommt und von Einheimischen gern als Dorfkalender bezeichnet wird, werden die Schilder einmal im Jahr aufs neue mit kleinen literarischen Zitaten bestückt. „Die Auswahl ist nicht so einfach. Der Satz muss ja etwas hintergründig sein, witzig aber nicht abgedroschen“, meint Kunath, der in seinem Geschäft vor allem Bücher verkauft. „Es dauert oft, bis ich genau den richtigen gefunden habe.“

Ergänzt werden die Zitate von der aktuellen Jahreszahl, denn die Schilder sind längst beliebte Foto- und Sammelmotive geworden. „Stammgäste erzählten mir, dass sie dieses Jahr zwar in Thiessow wohnen, aber unbedingt einen Abstecher nach Juliusruh machen wollten, um zu schauen, was denn dieses Jahr für Sprüche zu sehen sind“, berichtet Kunath stolz. „Ich möchte einfach, dass Juliusruh um eine kleine Attraktion reicher wird. Viele Touristen fahren nur durch den Ort, ohne anzuhalten. Das kann man doch ändern.“

Dabei kann sich Kunath durchaus noch mehr Kunst als die Schilder und den Schaukasten vorstellen. In einem Ort namens Bisse in Schleswig-Holstein hätte er gesehen, wie das funktioniert. „Da machen alle Einwohner mit, stellen ihren Vorgarten für Skulpturen zur Verfügung oder schneiden auch mal ein Herz oder sogar ein kreisrundes Loch in ihre Hecke“, erzählt er. „Für dieses vielfältige Kunsterlebnis fahren die Touristen extra dorthin. Ich habe selbst den vollbesetzten Parkplatz gesehen.“ Auch wenn die Kunst in Juliusruh nach Ansicht Kunaths noch ausbaufähig ist, kommt sie jetzt schon gut bei den Gästen an. „Das ist wirklich mal etwas besonderes“, meint Edeltraut Fröhlich (64) aus Merseburg (Sachsen-Anhalt). „Für solche kleinen Entdeckungen nehme ich mir gerne etwas Zeit.“

Auch Christa und Klaus Kaiser aus Schildow (Brandenburg) sind begeistert. „Ganz, ganz tolle Idee“, lobt Christa Kaiser. „Und so ein Schaukasten mit Blumen ist ja auch viel schöner als ein oller Zigarettenautomat“, ergänzt Klaus Kaiser. „Das ist eine gute Werbung für den Ort.“

Anne Ziebarth

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