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Auch ein Ordensritter hat mal Muskelkater

Ralswiek Auch ein Ordensritter hat mal Muskelkater

Zum Start unserer wöchentlichen Störtebeker-Serie „Hinter den Kulissen“ geht es um den Schauspieler Marco Bahr, der Konrad von Jungingen verkörpert

Ralswiek. Marco Bahr sitzt im Restaurant „Zum Störti“ neben der Festspielbühne Ralswiek und ordert ein „Träumchen “ – einen doppelten Espresso mit etwas Milchschaum. „Den Begriff hat sich unsere Elisabeth Körömi von der Spielleitung mal ausgedacht. So ein ’Träumchen’ schmeckt hervorragend“, sagt Marco Bahr. Keine Frage, der Neustrelitzer Neuzugang im Schauspieler-Team ist schnell in der Welt der Störtebeker-Festspiele angekommen. Der 49-Jährige spielt in dieser Saison den Konrad von Jungingen, den Hochmeister des Deutschen Ritterordens in der Zeit um 1400. In der Geschichte „Auf Leben und Tod“ ist es von Jungingen, der mit seinem Ritterorden die Piraten von der Insel Gotland vertreibt und Klaus Störtebeker in einem finalen Kampf Mann gegen Mann gegenübersteht.

Vor den StörtebekerFestspielen war Bahr schon an vielen berühmten Häusern. Am Theater Vorpommern, aber auch am Berliner Ensemble und zuletzt an der Neustrelitzer Landesbühne, wo er auch die Regie für Schillers Maria Stuart übernimmt.

„Die Festspiele sind eine gute Abwechslung zum Theater“, sagt er. „Die Stimmung der Schauspieler ist zum Beispiel besser. An den Theaterbühnen ist man immer drinnen und wenn nicht auf der Bühne, dann meist in den engen, dunklen Garderobenräumen“, merkt er an. „Dazu kommen die Sparzwänge und die Ungewissheiten in der Theaterbranche. Das belastet.“ Hier habe er ein neues Maß an Lebensqualität gefunden. Praktisch sei vor allem, dass er seine Familie, die in der Umgebung von Greifswald wohnt, jetzt häufiger sehen konnte. Zum „Wohlfühlen“ würde aber auch das Team, insbesondere Familie Hick, beitragen. „Als ich beim Casting auf die Frage, ob ich reiten kann, mit ,nein’ geantwortet habe, dachte ich schon, das wars“, erinnert er sich. Es kam anders. Kurzerhand wurde die Idee eines Streitwagens geboren, in der der Ordensritter auf der Bühne majestätisch seine Runden zieht. „Mich hat tief beeindruckt, wie sehr hier auf die Schauspieler und ihr Wohlbefinden eingegangen wird“, sagt Bahr.

Mit dem Reiten hat es für Bahr übrigens trotzdem noch geklappt. „Ich wollte gern reiten lernen, fand, das gehört zu der Rolle dazu“, berichtet er. Nach einigen Reitstunden zu Hause, setzte er in Ralswiek seinen Unterricht fort. „Es gibt hier jeden Tag regulären Reitunterricht. Morgens um halb neun treffen wir uns im Stall zum Pferdeputzen und Satteln, um neun geht es dann mit der Stunde los.“ Dass sich Bahr jetzt sicher auf dem Pferderücken fühlt, erwies sich im Laufe der Proben dann auch als glückliche Fügung. „Mein Streitwagen wird von zwei Pferden gezogen, die noch recht jung sind“, erzählt Bahr von den Proben. „Im letzten Bild gibt es kräftigen Kanonendonner – das war zu viel für die Nerven der beiden. So konnten wir das Programm etwas verändern und ich steige in der Geschichte um aufs Pferd.“

Die Rolle des Konrad von Jungingen hatte noch andere Herausforderungen für Bahr zu bieten. „Ich muss ja im Schwertduell gegen Klaus Störtebeker antreten, daher stand sehr viel Kampftraining auf dem Programm“, erzählt Bahr. „Ich war so glücklich – der erste Muskelkater in den Beinen vom Reittraining war gerade wieder am abklingen. Zu früh gefreut: Nach dem Schwertunterricht waren die Schultern dran!“

Zur inhaltlichen Vorbereitung auf die historisch belegte Figur Konrad von Jungingen hat Bahr nicht nur selbst in Büchern und dem Internet recherchiert. „Alle Schauspieler haben neben ihren Texten auch ein individuelles Heft mit Hintergrundinformationen über ihre Figur bekommen“, erzählt Bahr. „Das zeigt schon, wie ernst es den Machern ist, ein Stück zu schaffen, das sich tatsächlich so abgespielt haben könnte.“

Besonders gefallen habe ihm an der Rolle des Ordensritters, dass er nicht so einfach in das klassische Gut-Böse-Schema einzuordnen sei. „Sicherlich ist Konrad in diesem Stück der Gegenpart zu Klaus Störtebeker. Machtbewusst und zielstrebig war er auch“, so Bahr. „Aber so richtig charakterlich böse? Nein, das glaube ich nicht.“ Eigentlich wäre das im wahren Leben ja auch nie der Fall. „Wer ist schon nur gut oder nur böse – alle haben doch ihre unterschiedlichen Eigenschaften“, meint er. „Und wer weiß? Vielleicht hat Klaus Störtebeker ja auch seine dunklen Seiten. Wäre mal spannend, die zu sehen.“

Anne Ziebarth

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