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Figurentheater Schnuppe startet nach Brand neu durch

Teschvitz Figurentheater Schnuppe startet nach Brand neu durch

Birgit Schusters Puppen und Requisiten wurden durch Feuer fast völlig zerstört / Überwältigende Hilfsbereitschaft ermöglichte einen Neuaufbau der Stücke

Teschvitz. An den Anruf im vergangenen November erinnert sich Birgit Schuster noch genau. „Ich war gerade mit meinen Figuren auf einer Tour durch Niedersachsen“, erzählt die 49-jährige Puppenspielerin. „Dann erfahre ich, dass das Nachbarhaus in Flammen steht. Ein Glück war niemand im Gebäude. Aber mein gesamtes Figurentheater.“ Bei ihrer Rückkehr nach Teschvitz bestätigten sich Schusters schlimmste Vermutungen. Vom Nachbarhaus war nicht mehr als eine rauchende Ruine übrig, 19 Stücke ihres Figurentheaters wurden ein Raub der Flammen.

 

OZ-Bild

Birgit Schuster mit ihren neuen „Tiger und Bär“-Figuren aus dem Stück „Oh wie schön ist Panama“.

Quelle: Anne Ziebarth

Figurentheater Schnuppe

1996 wurde das Figurentheater Schnuppe von Birgit Schuster gegründet. Mit ihrem mobilen Theater machte sie sich nicht nur auf der Insel Rügen, sondern auch in Stralsund und ganz Deutschland einen Namen. Zu ihrem Repertoire gehören vor allem selbst geschriebene Stükke, aber auch neu interpretierte Klassiker der Kinderliteratur.

„Rund 140 Puppen, die Bühnenbilder und Requisiten“, zählt die Puppenspielerin die Verluste auf. „Der reine Materialschaden liegt im fünfstelligen Bereich.“

Die Situation war zunächst ein Schock. „Die Zeit vor Weihnachten ist die Hauptsaison für Puppenspieler. Die Stücke waren ja alle gebucht!“, so Schuster. Das große Verständnis der Auftraggeber für ihre missliche Lage rettete sie über die erste Zeit. „Zum Glück hatte ich einige Stücke noch im Auto — die konnte ich als Ersatz anbieten. Statt Nils Holgersson gab es also Lars, den Eisbären“, erinnert sie sich. „Alle haben mitgemacht und eines von den Stücken akzeptiert, die den Brand überstanden haben.“ Nachdem sich der erste Schreck gelegt hatte, kamen Freunde und Familie am Küchentisch ihres Teschvitzer Hauses zusammen. „Was können wir tun, womit sollen wir anfangen?“ , fragten alle. Der Stiefsohn richtete einen „Figurentheater Schnuppe-Aufruf“ bei „Kickstarter“ ein, einer Online-Plattform, auf der Geld für bestimmte Projekte gesammelt wird. „Nach zwei Monaten sind bereits 5000 Euro zusammengekommen“, erzählt Schuster.

Auch Insel-Prominente wie Politikerin Kerstin Kassner oder Peter Hick von den Störtebeker-Festspielen steuerten Geld zum Wiederaufbau des Schnuppe Theaters bei. „Es haben mehrere Kitas Kuchenbasare veranstaltet“, erzählt Schuster. „Und wenn Kinder mit einer Münze aus ihrem Sparschwein kommen und sagen, das ist für Schnuppe, bekommt man eine Gänsehaut vor Rührung.“

Diese Welle von Hilfsbereitschaft überrollte sie fast. „Ich war unheimlich berührt und musste erst lernen, diese Hilfe zuzulassen“, sagt Schuster und lächelt. „Man möchte ja instinktiv sofort etwas zurückgeben.“

Die finanzielle Unterstützung gab Schuster die Möglichkeit, Material zu kaufen und sich sofort an den Wiederaufbau der Stücke zu setzen. „Ein Stück über Medienkompetenz habe ich bereits fertig. Dazu die ,Raupe Nimmersatt‘ und jetzt ,Oh, wie schön ist Panama‘“, berichtet sie. Obwohl sie versucht, sich an den Originalen zu orientieren, sehen alle Puppen in der Neufassung etwas anders aus. „Mal ist das Gesicht schmaler, mal der Ausdruck der Augen etwas frecher“, so Schuster. „Ich habe dabei gemerkt, wie sehr mir die Charaktere über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Bei manchen Puppen dauert es etwas länger, bis man die ,Neue‘ akzeptiert hat.“ Die beiden neuen Hauptdarsteller von „Oh, wie schön ist Panama“ hat sie jedenfalls bereits ins Herz geschlossen, obwohl der Tiger „ein wenig spitzere Ohren hat als sein Vorgänger“, wie Schuster augenzwinkernd sagt.

Ob auch das Publikum „Tiger und Bär“ liebt, wird sich am Donnerstag bei der kostenfreien Premiere des Stückes in Saalkow zeigen. „Ich möchte mit dieser Vorstellung Danke sagen“ so Schuster, „für all die Unterstützung und den Zuspruch in den vergangenen Monaten.“ Viele Menschen seien auf sie zugekommen und hätten ihr erzählt, wie viel ihnen die Stücke des Figurentheaters bedeuten. „Das war mir gar nicht so bewusst“, sagt Schuster. Sie denkt kurz nach. „Eigentlich bin ich gestärkt aus diesem Unglück gegangen. Ich habe emotional viel mehr gewonnen, als ich finanziell verloren habe.“

Premiere: „Oh wie schön ist Panama“ am Donnerstag um 11 Uhr in der Kulturinsel Saalkow. Weitere Termine unter www.schnuppe-figurentheater.de

Von Anne Ziebarth

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