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Försters feiern Silberhochzeit mit Störtebeker

Ralswiek Försters feiern Silberhochzeit mit Störtebeker

Familie aus Sachsen hat in den zurückliegenden 25 Jahren alle Aufführungen besucht / Favorit bleibt Norbert Braun

Ralswiek. Silberhochzeit bei den Störtebeker Festspielen ist durchaus vorstellbar – aber Silberhochzeit mit dem Event? Die Familie Förster aus Wiednitz, einem kleinen Dorf im Osten Sachsens, hat das möglich gemacht.

 

OZ-Bild

Die Familie Förster bei den ersten Störtebeker Festspielen 1993.

Quelle: Foto: Privat

„Seit knapp 40 Jahren verbringen wir unsere Sommerurlaube auf der wunderschönen Insel Rügen, genauer gesagt auf Wittow in der Ferienregion Breege-Juliusruh oder Altenkirchen“, erzählt Ines Förster.

„Im Jahr 1993 wurden die Störtebeker Festspiele in Ralswiek mit einem fünfjährigen Zyklus wiedereröffnet. Da waren wir sofort mit dabei.“ Das erste Stück, das damals gezeigt wurde, hatte den Titel „Wie einer Pirat wird“. Vom 3. Juli bis zum 29. August waren 53 Vorstellungen zu sehen. Rund 78000 Besucher kamen. „Wir waren von dieser Aufführung so begeistert, dass wir uns auch die nächsten vier Teile bis 1997 anschauten“, erinnert sich Ines Förster weiter. „Damals wussten wir jedoch noch nicht, dass wir davon nicht mehr loskommen würden.“ Was der Intendant Peter Hick mit seiner Familie und dem gesamten Ensemble auf der Naturbühne in Ralswiek auf die Beine stelle, sei schier einzigartig. „Dafür große Anerkennung“, finden die Försters Klaus Störtebeker wurde damals von Norbert Braun gespielt, der über die Jahre hinweg das Gesicht des Titelhelden prägte: blonde Lockenmähne, kantiges Gesicht, drahtig und raubeinig. Sein Nachfolger, Sascha Gluth, der ab 2002 die Hauptrolle inne hatte, war von der Statur her kräftiger, hatte es anfangs aber trotzdem bei einigen Fans nicht leicht, als Klaus Störtebeker akzeptiert zu werden.

Ähnlich erging es Bastian Semm ab 2013, der mit seiner jungenhaften und sensibleren Art einen völlig neuen Typus verkörperte. „Wir sahen alle drei in der Rolle des Klaus Störtebeker“, bestätigt auch Klaus Förster. „Unser Topfavorit bleibt jedoch das Piratenduo Norbert Braun und Dietmar Lahaine alias Goedeke Michels.“ Begeistert sind die Sachsen auch von dem Ensemble, dass über die Jahrzehnte hinweg immer wieder mit Namen aufwartete. „In der langen Zeit sahen wir solch bekannte Schauspieler wie Renate Blume, Klaus-Peter Thiele, Wolfgang Dehler oder Mircea Krishan“, erinnert sich Klaus Förster weiter. „Die beiden letzten, aber auch Hans Hartz, der 2002 seinen Song ,Sail Away’ live gesungen hat und den großartigen Balladensänger Wolfgang Lippert haben wir persönlich kennengelernt.“

Allmählich entwickelte sich für die Försters der Besuch der Störtebeker Festspiele zum Höhepunkt des Jahres, lag dieses Highlight doch eh mitten im Urlaub. Auch Freunde und Bekannte konnte die Familie schließlich mit dem „Störtebeker-Virus“ infizieren.

Von denen hatte jeder so sein spezielles Faible. Manch einer mochte besonders die zahlreichen Stunts von Gabor Duck und Laszlo Roman, andere wiederum die Spezialeffekte und Zweikämpfe, und schließlich gefielen allen der gesamte Bühnenaufbau und die Seeschlachten auf den Koggen. „Ein wichtiger Höhepunkt jeder Aufführung ist das Abschlussfeuerwerk über der Naturkulisse des Jasmunder Bodden“, sind sich die beiden Försters einig. „Hierfür Dank an Fred Feuerstein Braeutigam, der selbst als Schauspieler auftrat und eigentlich schon immer dabei ist.“ Ein bisschen sei das flammende Lichtspektakel gerade in diesem Jahr wie das Feuerwerk zum 25-Jährigen gewesen.

Und so haben Ines und Uwe Förster ihre ganz spezielle Silberhochzeit gefeiert. Beide wollen den Festspielen treu bleiben, versichern sie. Auch mit einem neuen Klaus Störtebeker und Goedeke Michels, denn Bastian Semm und Andreas Euler, die diese Rollen in den zurückliegenden fünf Jahren ausfüllten, werden ab 2018 diese Figuren nicht mehr darstellen (die OZ berichtete).

Das Ehepaar aus Wiednitz blickt bei allem Enthusiasmus sogar etwas pragmatisch auf das Vierteljahrhundert als Zuschauer der Aufführungen: „Zu allerletzt fällt uns dazu der Kultsatz der Störtebeker Festspiele ein: Auch 25 Jahre sind eben nur ,Ein Wimpernschlag der Geschichte’!“

Die Festspiele

„Wie einer Pirat wird“ hier die erste Aufführung der Störtebeker Festspiele 1993. Den Titelhelden gab Norbert Braun.

Mit Sascha Gluth begann unter dem Titel „Die Strandräuber“ die zweite Ära der Festspiele. Sie dauerte zehn Jahre.

Unter „Beginn einer Legende“ wurde die dritte Epoche eingeläutet, in der Bastian Semm als jugendlicher Held die Rolle des Klaus Störtebeker übernahm. Für ihn ist jetzt nach einem fünfjährigen Zyklus bereits wieder Schluss.

2018 heißt der erste Teil der nächsten Saga „Ruf der Freiheit“. Ein neuer Titelheld ist offiziell noch nicht bekanntgegeben worden.

Jens-Uwe Berndt

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