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Klappern gehört zum Handwerk

Baabe Klappern gehört zum Handwerk

Klausthaler Puppenbühne tourt mit Klapperkiste Magirus Deutz und drei Stücken über die Insel

Baabe. „Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje inne See, mine Fru de Ilsebill will nich so, as ik wol will“ – so lautet des Fischers Ruf an den Butt im Grimmschen Märchen „De Fischer un sin Fru“, das vor allem hier im niederdeutschen Sprachraum den Lütten über Generationen vorgetragen wird. Das Märchen ist aber nicht nur an Kinderbetten gelesen, sondern auch auf diversen deutschen Theaterbühnen gespielt worden, für Günter Grass wurde es zum Ausgangspunkt seines Romans „Der Butt“, der Komponist Friedrich Klose schuf 1902 die Oper „Ilsebill“ und auch Filmemacherin Doris Dörrie ließ sich 2004 von dieser Mär zu dem gleichnamigen Film inspirieren. Denn der Stoff scheint zu keiner Zeit an Aktualität zu verlieren, in verschiedenen Kontexten Gültigkeit zu besitzen.

Auch Jonas Soubeyrand ließ die Geschichte nicht los, in der es sich vordergründig um eine moralisierende Parabel mit der Volksweisheit handelt, dass Maßlosigkeit damit bestraft wird, alles zu verlieren – und damit eine Problematik thematisiert, die vor allem die Großen betrifft. Sind es doch meist die Erwachsenen, die mit den Ist-Zuständen schnell unzufrieden sind, mehr wollen und höher hinaus. Und so war es für den Puppenspieler aus Klausthal, einem kleinen Dorf in der Uckermark, schon eine Herausforderung aus dem Märchen ein Stück für Kinder zu schreiben und sie mit der Erzählung zum Lachen zu bringen und zugleich die mitgeschleppten Eltern per Kasperle auf Missstände hinzuweisen.

„Wir spielen dieses Jahr drei Stücke und dieses ist mit Abstand unser politischstes und sozialkritischstes und damit zwischen den Zeilen für die erwachsenen Zuschauer gedacht.“ Doch die gibt es ja laut Soubeyrand kaum im Publikum. Denn er und seine Kompagnons spielen für Kinder von 3 bis 100 Jahren. „An der Kasse, vor Vorstellungsbeginn verraten sie sich, denn dann halte ich meine Rede. Kinder zahlen nämlich 5 Euro. Erwachsene hingegen, die sich durch Nicht-Lachen und trägen Applaus zu erkennen geben, zahlen zehn, ebenso wie Kinder, die Kunst und Kultur und damit fahrendes Volk fördern wollen und sich durch eine freiwillige Abgabe von zehn Euro als Erwachsene zu erkennen geben“, so der 51-Jährige, der vor 21 Jahren die Klausthaler Puppenbühne gründete. Die ersten sieben Jahre zog der gebürtige Ostberliner, der aus einer Künstlerfamilie stammt mit Planwagen, zwei Pferden, Ziege und Schäferhund des Sommers über die Straßen der Insel. Die Kinder freute es, die Autofahrer schimpften. „Mein motorisiertes Gefährt war dann ein Phänomen Garant K30, ein DDR-Lkw, der mich immerhin 12 Jahre begleitete. Nach 23 Jahren Mauerfall habe ich mir dann mein erstes Westauto gekauft“, schmunzelt der Bärtige verschmitzt. Mit seinem knallroten Magirus Deutz, Baujahr 1960, klappert er alljährlich von Ende Juni bis Ende August die Urlaubsorte auf Rügen und Usedom ab, verlässt seine kleine Kommune im brandenburgischen Dorf, um auf Kurbühnen und Campingplätzen jeden Abend für eine Stunde seine kleinen und großen Gäste auf fliegenden Teppichen oder standfesten Bierbänken sitzend gut zu unterhalten und nachdenklich zu stimmen.

Auf Rügen nutzen er und seine 20 zum großen Teil selbst gemachten Handpuppen diese Gelegenheit noch genau zwei Mal. Heute Abend um 19 Uhr auf dem Campingplatz in Juliusruh und am Freitag ebenfalls 19 Uhr auf dem Campingplatz in Drewoldke.

Doch wer das verpasst, kann sich fünf bislang vertonte Stücke der Klausthaler Puppenbühne als Hörspiel zu Gemüte führen. Die entstanden in Zusammenarbeit mit einem befreundeten Stralsunder Künstler namens Bob Beeman, der mit Jonas Soubeyrand auch „Tintibus, ein Krakenmusical – Die wahre Geschichte des Störtibäcker“ produzierte und diesen Sommer auf Rügen spielte. Für die beiden Stücke „De Fischer un sin Fru“ sowie „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ holte sich der routinierte Bühnenmensch einen Grünschnabel in seine rote Klapperkiste, wie er sagt: Martin Druckrey alias „Kosmofon“. Der 39-Jährige aus Ribnitz Damgarten ist Musiker und Maler und seit diesem Sommer nun auch Puppenspieler. „Jonas hat sich mit Bühnenbild, Puppen, Vor- und Nachspiel sowie den Stücken selbst so viel Mühe gemacht. Am Anfang stand ich bei einigen Passagen wirklich da und mir kullerten die Tränen, weil es mich so berührte. Und im nächsten Moment hältst du dir den Bauch“, erzählt Martin, der auch in der nächsten Saison den Puppen-Papa unterstützen möchte.

Steffi Besch

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