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Vom Wal und vom Wahnsinn

Hiddensee Vom Wal und vom Wahnsinn

Morgen feiert das Stück „Moby Dick“ auf der Seebühne auf Hiddensee Premiere

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Regisseur Holger Teschke (li.) und Puppenspieler Karl Huck bei den Proben zu „Moby Dick“ auf der Seebühne Hiddensee.

Quelle: Foto: Wiebke Volksdorf

Hiddensee. Karfreitag kommt vielerorts ein Fisch auf den Tisch. Auf Hiddensee bringt man gleich einen ganzen Wal auf die Bühne, und zwar den berühmtesten der Literatur:

OZ-Bild

Morgen feiert das Stück „Moby Dick“ auf der Seebühne auf Hiddensee Premiere

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„Moby Dick“, das neue Stück der Seebühne in Vitte, feiert morgen Premiere. Es ist in den zurückliegenden Monaten unter der Regie Holger Teschkes entstanden.

Mit dem Rügener Autor hatten der künstlerische Leiter Karl Huck und die Direktorin des maritimen Kammertheaters, Wiebke Volksdorf, in der Vergangenheit mehrfach zusammengearbeitet und Weltliteratur von Kafka, Storm, Poe und Defoe auf die Bühne der charmanten Spielstätte gebracht. Jetzt also die Geschichte des Kapitäns Ahab, der alles daran setzt, den Wal zu töten. Nicht allein, weil ein Stück, das von der Seefahrt handelt, gut in ein Theater passt, das nur wenige hundert Meter vom Meer und vom Bodden entfernt liegt. „Moby Dick ist nach der Bibel und den Werken Shakespeares das größte Buch der abendländischen Literatur“, sagt Holger Teschke, der schon als seefahrtbegeisterter Junge in Sassnitz für den Roman schwärmte. „Und es handelt von der Kraft der Verführung durch den Wahnsinn, die wir ja gerade mal wieder mit aller Gewalt erleben“, ergänzt der Regisseur, der abwechselnd in Berlin und in den USA lebt und als Dozent unterrichtet.

Dieser Wahnsinn ist es auch, der Wiebke Volksdorf und Karl Huck an dem Stoff fasziniert und gleichzeitig erschreckt hat. Fanatisch jagt der Kapitän dem Wal Moby Dick hinterher, auch um den Preis, dass seine Mannschaft und er selbst dabei ihr Leben lassen. „Rational ist das überhaupt nicht zu erklären, warum die Besatzung dieser irren Idee folgt“, sagt Karl Huck, der darin ebenfalls einen Bezug zur Gegenwart sieht und gleichzeitig eine Parabel zum aktuellen Umgang des Menschen mit der Natur: Das zu töten und zu vernichten, was die Menschen am Leben erhalte, sei doch mindestens ebenso wahnsinnig. „Und das beschränkt sich nicht nur auf den Wal- oder Fischfang.“

Für die Seebühnen-Crew ist das Stück aber nicht nur eines über Hass, sondern auch über Freundschaft. In die Rolle des Erzählers Ismael, der laut literarischer Vorlage als einziger die Jagd auf den Wald überlebt, schlüpft Karl Huck. Der Puppen- und Theaterschauspieler hat Ismael in dem Stück einen Freund zur Seite gestellt: eine Ratte. „Das lag nahe. Ratten gibt es praktisch auf nahezu jedem Schiff“, sagt der frühere Schiffsmotorenschlosser und Schiffstaucher der Volksmarine. Mit der Figur der Ratte gelingt es Huck, immer mal wieder für einen Moment der Heiterkeit zu sorgen. Ein Lustspiel darf der Besucher angesichts des Stoffs aber nicht erwarten. „Das ist kein Wohlfühlstück“, sagt Theaterdirektorin Wiebke Volksdorf. Ob Musik, Handlung oder Bühnenbild – immer wieder findet sich der Zuschauer in bedrohlich wirkenden Momenten wieder, in denen auch das Auge des Wals (entworfen von Patricia Huck) im Bühnenhintergrund schauderhaft leuchtet.

Apropos Bühnenbild: Nie ging es auf der „Seebühne“ minimalistischer zu als bei „Moby Dick“. Karl Huck spricht augenzwinkernd von einer „reichen Kargheit an Ausstattung“. Umgesetzt hat die Ideen der Bühnenbildner Stephan Rätsch, die Figuren haben Günter und Barbara Weinhold sowie Matthias Maßwig entworfen. Zentrales Element des Bühnenbilds ist eine eichene Schiffsplanke. Dieses Stück Treibholz ist vor geraumer Zeit an der Hiddenseer Küste angespült worden und stammt von einem alten Schiff, das vermutlich vor 200 Jahren in der Ostsee sank. Karl Huck ist fasziniert: „Es ist das älteste Stück, mit dem ich je auf einer Bühne gestanden habe.“

Maik Trettin

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