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Putbus Thermometer misst der Revolution die Temperatur

Neue Ausstellung in der Galerie „Atelier Rotklee“ in Putbus eröffnet

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„Ecce Homo“ lautet der Titel dieser Skulptur von Günther Haußmann in der aktuellen Ausstelllung „Reformationen & Revolutionen“ in der Putbuser Galerie „Rotklee“. FOTOS(4): CHRISTIAN RÖDEL

Putbus. Ein halbes Jahrtausend tritt gegen ein Jahrhundert an: 500 Jahre Reformation versus das 100. Jubiläum der „Großen Oktoberrevolution“ von 1917 mit dem Sturm auf das Winterpalais in St. Petersburg. Es war ein Wagnis, das die Betreiber der Putbuser Galerie „Atelier Rotklee“ zur Vernissage eingegangen sind, indem sie diese beiden Geschichtsereignisse zum Thema künstlerischer Auseinandersetzungen in der aktuellen Ausstellung machten.

OZ-Bild

Neue Ausstellung in der Galerie „Atelier Rotklee“ in Putbus eröffnet

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Dem evangelischen Pastor Christian Ohm aus Altenkirchen fiel die mammutschwere Aufgabe zu, einen großen theologisch-philosophischen Bogen zu schlagen und diese beiden Geschichtsepochen in ihrer Komplexität miteinander in Verbindung zu bringen. Die Wortwahl von Reformationen und den Revolutionen in der Pluralform als thematisches Leitmotiv der Exposition war für Pastor Ohm eine rhetorische Steilvorlage in seiner Eröffnungsrede.

Die Reformation war selbstredend etwas Einzigartiges, zumindest in der Kirchengeschichte, politische Revolutionen jedoch vollziehen sich in unregelmäßigen Abständen immer wieder aufs Neue. „Die Revolution von 1917 ist bekanntlich nicht die letzte gewesen“, sagte der protestantische Geistliche und stellte wenig später die Frage in den Galerieraum: „Kann es überhaupt eine gerechte Gesellschaft geben?“. Schließlich soll es ja nach einer politischen Revolution allen Gesellschaftsmitgliedern im Idealfall gleich gut gehen. Die Geschichte lehrt aber, dass es leider stets bei der Idee geblieben ist. Blutige Exzesse nach der Französischen Revolution sind nur ein Beispiel für das klägliche Scheitern von Aufständen. „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder“, lautete das Fazit des Girondisten-Führers Pierre Victurnien Vergniaud nach dem Sturm auf die Bastille. Es ist wohl ein aussichtsloses Unterfangen mit den Revolutionen der Menschheit, und nicht von ungefähr hat der große englische Staatstheoretiker Thomas Hobbes die unumstößliche Erkenntnis in seinen Schriften manifestiert: „Homo homini lupus“ (Der Mensch ist dem Menschen Wolf). In diesem Zusammenhang sprach Pastor Ohm von der Revolution im Dauerzustand und von der Uneindeutigkeit eines jeden Sieges. Wie revolutionäre Siege in der Menschheitsgeschichte pervertiert wurden, bedarf keiner weiteren Erläuterungen. „Überholen ohne einzuholen und wenn der Nachbar renoviert, brauchen wir noch lange keine neuen Tapeten an der Wand“, zitierte Ohm zwei DDR-Politiker, ohne sie beim Namen zu nennen. Walter Ulbricht und Kurt Hager ließen grüßen!

Nach so viel theoretisch-philosophischen Einführungsworten sollten jedoch die Werke der Künstler für sich sprechen. Der Maler Frank Otto Sperlich ließ Luther und Lenin in seinen beiden Arbeiten „Schatten vergangener Ahnen I und II“ bildgewaltig aufeinander los. Der große Reformator und der Revolutionsführer von 1917 hängen sich als blaue abstrahierte Gestalten gegenüber. In Form einer Art Wandzeitung setzen sich Ania Rudolph und Rainer Görß aus Berlin unter anderem mit der „Kunst des Aufstandes“ (Zeitraum-Collage für Leo Trotzki) mit Revolutionären auseinander. Der Rüganer Künstler Walter G. Goes installierte gar ein „Revolutionsthermometer“ als Objekt an die Galeriewand. Welch ironische Brechung des Themas! „Diese Geschichte gibt es auch in einer Version ohne Ausreden“, lautet der lakonische Satz auf einem Kissen der Textilkünstlerin Jorinde Gustavs.

Christian Rödel

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