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Von vollgepullerten S-Bahnen und Warmduschern

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Max Goldt trotzt seiner Erkältung und trägt in Sassnitz und Stralsund Dramolette vor / Rund 50 Zuhörer im Grundtvighaus begeistert

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Wort-Künstler Max Goldt zieht alle Register und begeistert die Zuhörer bei seiner Lesung im Sassnitzer Grundtvighaus.

Quelle: Fotos: Gaia Born

Sassnitz Auf einmal steht er neben der Bühne, bittet noch um ein „Weinchen“ bevor er sich vor dem erwartungsvoll gespannten Publikum im Grundvighaus niederlässt: Max Goldt. Der Wort-Künstler hat alte und neue Texte mitgebracht, die er in den nächsten zweieinhalb Stunden trotz Erkältung grandios vorträgt. Die rund 50 Zuhörer lauschen gebannt, sind hin und hergerissen zwischen Bewunderung für die Leichtigkeit, mit der Goldt Eleganz in die Sprache bringt und der Überraschung, dass der Vortrag nicht gestelzt daher kommt. Aber auch zwischen Lachen und Schaudern schwankt das Publikum – was soll man von einem Text halten, in dem Fäkal-Pornografie die Hauptrolle spielt? Darf man über die Vorstellung einer verschleierten Frau, die telefonierend mit 110 Sachen durch einen Verkehrskreisel in Katar rast, lachen? Die Mehrzahl der Zuhörerschaft entscheidet mit Ja, genießt einen vergnüglichen Abend und einen Ausnahmekünstler, der ihnen in die Seele zu sehen scheint. Die OSTSEE-ZEITUNG hat nach dem Auftritt mit Max Goldt gesprochen.

OZ-Bild

Max Goldt trotzt seiner Erkältung und trägt in Sassnitz und Stralsund Dramolette vor / Rund 50 Zuhörer im Grundtvighaus begeistert

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Herr Goldt, Ihr neues Buch „Räusper“ besteht aus Texten, die ursprünglich mal Comic-Skripts waren, die Sie gemeinsam mit dem Zeichner Stephan Katz in der Titanic veröffentlicht und auch in Buchform vorgelegt haben.

Max Goldt: Ja, ich fand die Texte so schön und habe mich immer geärgert, dass man sie nicht vorlesen konnte. Also musste ich sie umwandeln. Ich habe sicherlich 200 Comic-Skripts angesehen, aber nur 30 waren überhaupt dafür geeignet.

Sie lesen gerne vor?

Goldt: Ja, ich mache das sehr gerne. Ich glaube, ich kann das auch ganz gut. Und ich finde, wenn man es schon macht, sollte man es auch gut machen. Begonnen habe ich damit Ende der 80er Jahre, da habe ich einzelne Texte vorgelesen.

Ihre Hörbücher sind sehr gefragt...

Goldt: Ja, zuerst habe ich Live-Mitschnitte der Lesungen in kleinen Auflagen veröffentlicht. Mittlerweile habe ich meinen treuen Hörbuchverlag, mit dem ich einmal im Jahr eine Doppel-CD mit 160 Minuten aufnehme, in entspannter Atmosphäre. Ich habe einen tollen Techniker, Frieder Butzmann. Er schätzt, was ich tue und ist für mich ein ganz wichtiger Mann. Eigentlich ist er Musiker und ein Vertreter der „Musique concrete“, er macht also Geräuschmusik und ist mit ihr auch bekannt geworden.

Wie Sie, Sie haben auch mal Musik gemacht...

Goldt: Ja, ich habe in den letzten Jahren aber nicht mehr viel gemacht. Ich würde schon gern, aber es ist ein unglaublicher Aufwand. Außerdem habe ich während meiner ganzen musikalischen Karriere immer Geld reingesteckt. Als Künstler muss man aber gucken, dass man auch mal Geld verdient. Als Schriftsteller funktioniert das noch: mit Lesungen.

Lesungen sind für Sie nicht nur Routine?

Goldt: Nein, gar nicht. Natürlich könnte ich einfach nur die Großstädte abklappern und große Lesungen machen, damit hätte ich ein gutes Einkommen. Aber es ist mir wichtig, auch an die Ränder des deutschen Sprachraumes zu fahren, die kleineren Lesungen sind die Würze, sind der Spaß. Sie können auch total in die Hose gehen, wenn man vor einem steinernen Publikum sitzt, ist es für beide Seiten langweilig. Aber meistens funktioniert es gut. Und ich sehe die Lesereisen für mich auch als Tourismus, ich fahre sehr gern durch die Gegend.

Sie haben während der Lesung auf Farin Urlaub verwiesen, der sich zum Ziel gesetzt hat, jedes Land der Welt einmal zu bereisen – so ist es für Sie mit Deutschland?

Goldt: Absolut, es macht mir Spaß, die Gegenden zu entdecken. Rügen kenne ich schon sehr lange, ich war oft hier. Zuletzt habe ich vor fünf Jahren eine Fastenkur in Binz gemacht. Dieses mal hatte ich eigentlich vor, noch einen Tag auf Usedom anzuhängen, um meinen maroden Füßen stundenlange Spaziergänge am Strand zu gönnen, aber die Wettervorhersage sah nicht allzu gut aus. Ich komme auf jeden Fall wieder. Letztes Jahr um diese Zeit war ich in Heringsdorf und habe dort meine Kilometer abgestrampelt.

Gesundheit ist Ihnen wichtig, Sie sind ein großer Verfechter des Kaltduschens...

Goldt: Ja, es hält ganz einfach gesund. Ich bin zwar ausgerechnet heute ein wenig erkältet, aber das ist meine erste Erkältung seit drei Jahren. Das ist doch was.

Gaia Born

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