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„Wir sollten uns Sorgen machen“

Vaschvitz „Wir sollten uns Sorgen machen“

Der Journalist und Autor Thomas Franke las in der Kunstscheune Vaschvitz aus seinem Buch „Russian Angst - Einblicke in die postsowjetische Seele“

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UN-Korrespondent Marc Engelhardt im Gespräch mit Buchautor Thomas Franke (li.).

Quelle: Foto: Anne Ziebarth

Vaschvitz. Angst, Beklemmung, ein ungutes Gefühl. Emotionen, die sich schwer in Worte fassen lassen. Dem Journalisten Thomas Franke gelingt es in seinem Buch „Russian Angst“ trotzdem brillant, das Lebensgefühl im Russland dieser Tage zu beschreiben. Bei einer Lesung in der Kunstscheune Vaschvitz berichtete er über seine Korrespondententätigkeit in Moskau und die aus seiner Sicht sehr bedenkliche Entwicklung der Gesellschaft und Politik in der Ära Putin. Das Publikum in der Kunstscheune wusste das anspruchvolle Thema zu schätzen – mit viel Applaus und zahlreichen detaillierten Nachfragen würdigten die Zuhörer die bei aller Ernsthaftigkeit locker und offen gestaltete Lesung. „Ich bin in den neunziger Jahren viel durch die ehemals sowjetischen Staaten gereist“, erzählt zum Beispiel Wolfgang Bohmann aus dem Brandenburgischen Luckenwalde. „Damals wurde Putin als Hoffnungsträger gesehen, es herrschte Aufbruchsstimmung. Interessant zu hören, wie sich das gewandelt hat.“

Der 50-jährige Autor vermeidet in seinem Buch den erhobenen Zeigefinger, er bricht das Phänomen Russland mit seinen 144 Millionen Einwohnern in lebendig erzählte Geschichten auf, die den Zuhörern ermöglichten, sich selbst ein Bild von der Stimmung im Land zu machen, die in übersteigertem Nationalismus und Angst auseinandertreibt. So wurden die Gäste in Vaschvitz zum Beispiel „mitgenommen“ in die Urlaubsregion Krim, erleben, wie eine Feier zu Ehren der Veteranen in Wolgograd (ehemals Stalingrad) aussieht und erfahren, dass die Erde dort auch lange nach 1942/43 noch Leichen freigibt, die von Ehrenamtlichen geborgen und vergraben werden.

Fast amüsant dagegen die Episode mit der Kosakenpatroullie in Moskau. Diese Milizen haben sich der Einhaltung von Recht und Ordnung auf den Straßen Moskaus verschrieben. Nimmt die Beschreibung in ihrer Absurdität auch komische Züge an, etwa, wenn es um den illegalen Verkauf von Lauchzwiebeln, oder die korrekte Standposition einer Werbezettel verteilenden Frau vor einem Geschäft geht, machen die Parallelen zu Bürgermilizen und Schlägertrupps der NS-Zeit eine Gänsehaut. „Wir sollten uns Sorgen machen“, bestätigt der Autor. „Die Angst in der russischen Bevölkerung, seine Meinung zu sagen, ist wieder da. Und das mit Grund.“

Anne Ziebarth

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