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Wolfgang Jacobi: Komponist mit norddeutschen Wurzeln

Stralsund Wolfgang Jacobi: Komponist mit norddeutschen Wurzeln

Das Theater Vorpommern erinnert an den Musiker, der 1894 in Bergen geboren wurde und führt in dieser Woche sein Werk „Divertimento für Orchester“ auf

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Der Komponist Wolfgang Jacobi (l.) in einem Gespräch mit Paul Hindemith, der ihn in seinem Schaffen stark beeinflusste.

Quelle: privat

Stralsund. Im 6. Philharmonischen Konzert widmet sich das Theater Vorpommern einem Künstler, der seine Wurzeln in unserer Region hat. Wolfgang Jacobi (1894 - 1972) wurde in Bergen auf Rügen geboren und besuchte in Stralsund das Gymnasium. Aufgeführt wird unter Leitung von Generalmusikdirektor Golo Berg sein Werk „Divertimento für Orchester“.

Geehrt wird ein Künstler, über den der Musikforscher Erich Valentin zu seinem 75. Geburtstag sagte: „Jacobi gehört zu den seltenen Vorbildern, die einen Standpunkt haben. Denn ohne Rücksicht auf Mode und Opportunismus ist er durch alle Entwicklungen seinen geraden Weg gegangen.“

Jacobi hatte nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft im Ersten Weltkrieg Musik studiert. Im Anschluss war er als Lehrer im Fach Musiktheorie in Berlin tätig und arbeitete viel für den Hörfunk, baute die Rundfunkanstalt quasi mit auf und entwickelte bereits damals zum ersten Mal ein Musikstück, das rein elektronisch erzeugt wurde. Doch seine künstlerische Laufbahn wurde jäh unterbrochen, als er 1933 als von den Nazis Berufsverbot erhielt, weil sein Vater Jude war. Jacobi ging zunächst nach Italien an den Gardasee um sich dann zehn Jahre in die „innerer Emigration“ in München zurückzuziehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Professor an der Münchener Musikhochschule und gründete das „Studio für Neue Musik“.

Wenn Jacobis Werk aus den 1950er-Jahren nächste Woche erklingt, wird am Dienstag in Greifswald auch sein Enkel, Dr. Andreas W. H. Ullrich aus Genf, dabei sein. Der 60-Jährige, der als Arzt bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet, war 16, als sein Großvater starb und hat ihn „intensiv erlebt“. Ullrich nennt seinen Großvater „einen sehr interessanten Kopf“, der streng aber immer geradlinig, humorvoll, äußerst gebildet und belesen war. Das alles habe ihn selbst geprägt. Vor allem aber seine Liebe zur Musik.

Ullrich spielt seit seiner Kindheit Klavier, und der Steinway-Flügel des Großvaters aus rotem Mahagoni steht heute bei ihm in Genf. Unter den vielen Geschichten, die der Vater zweier Söhne zu erzählen weiß, hat ihn neben den „rätselhaften dunklen Jahren“ ein weiteres Schicksal stark berührt: Das gesamte Notenwerk aus den 1920er-Jahren, das Jacobi in Berlin zurückließ, ging beim ersten Angriff einer Fliegerbombe in Flammen auf.

Jacobi-Aufführungen hat es schon bei der Bachwoche und den Musikfestspielen MV gegeben. Aber so ein großes Orchesterwerk wie das „Divertimento“, bei dem der Künstler „sein ganzes kompositorisches Können“ zeigen konnte – für Ullrich „ein Schlüsselwerk“ – ist Premiere. „Ich freue mich sehr über das Echo in der Region“, sagt der Enkel. Riesig sei auch die Freude bei seiner Mutter. Sie, die Tochter von Wolfgang Jacobi, ist 90 Jahre alt und lebt in Aschaffenburg.

6. Philharmonisches Konzert: 31. Mai in Greifswald, 1. und 2. Juni in Stralsund. Beginn 19.30 Uhr

200 Werke komponiert

Der Komponist und Musikpädagoge Wolfgang Jacobi (1894 - 1972) schuf rund 200 Instrumental- und Vokalwerke. Seine Musik wurde von Claude Debussy, Paul Hindemith, Max Reger sowie Béla Bartók beeinflusst.

Er schrieb auch zahlreiche Werke für das Akkordeon, das man bis dahin vor allem der Volksmusik zuordnete und wurde Ehrenmitglied des Deutschen Akkordeonlehrer-Verbandes.

Geehrt wurde Jacobi mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Bayrischen Verdienstorden.

Marlies Walther

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