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Wolfgang Kartheus: „Platt snacken, das ist Heimat“

Stralsund Wolfgang Kartheus: „Platt snacken, das ist Heimat“

Freundeskreis Niederdeutsch trifft sich regelmäßig in der Volkshochschule

Stralsund. „Dor wier blot’s Platt räd.“ Das sagt Wolfgang Kartheus (73) über seine Kindheitsjahre, die er in der Gärtnerei seines Großvaters an der Rostocker Chaussee verbrachte. Und auch später, als der Techniker im Stralsunder Kraftfahrzeuginstandhaltungsbetrieb (KIB) arbeitete, wurde unter den Kollegen immer wieder Platt gesprochen. „De Umgang wier dat“, erklärt der Hansestädter, warum es für ihn eigentlich das Natürlichste auf der Welt ist, Redensarten und Sprüche auf Niederdeutsch drauf zu haben und im Alltag auch zu verwenden.

 

OZ-Bild

Der „Vörsätter“ des Freundeskreises Niederdeutsch, Wolfgang Kartheus.

Quelle: Foto: Marlies Walther

Diese Liebe zur Mundart hat sich durch sein ganzes Leben gezogen. Kein Wunder, dass Wolfgang Kartheus mit zu den Ersten gehörte, die dem Freundeskreis Niederdeutsch bereits im Jahr 1988 beitraten.

Das war damals noch beim Kulturbund. Gründer Lothar Dols, der Ortschronist und Ehrenbürger von Altefähr, ist 80 Jahre alt und hält dem Freundeskreis immer noch die Treue. Längst haben die Plattdeutsch-Freunde an der Volkshochschule ihren festen Ort gefunden, wo sie sich regelmäßig an jedem ersten Freitag im Monat um 18 Uhr treffen.

Heute ist Wolfgang Kartheus ihr „Vörsätter“. Und auch seine Frau mischt kräftig mit. „Wir wollten nicht nur Klamauk, sondern ernsthaft mit der Sprache arbeiten“, blickt Wolfgang Kartheus in die Entstehungsjahre zurück. Wenn man ihn fragt, was ihn so fasziniert, seien es der „Klang“ und viele Kindheitserinnerungen. „Platt snacken, das ist Heimat“, findet Wolfgang Kartheus.

Ziel der heute über 30 Mitglieder zwischen 56 und 99 Jahren ist „die Pflege der plattdeutschen Sprache durch Lesungen der Werke niederdeutscher Autoren“, sagt Wolfgang Kartheus. Dazu gehöre auch die Beschäftigung mit den Personen. Historische und kulturhistorische Themen der Region stehen ebenso auf dem Programm wie der Besuch von plattdeutschen Theateraufführungen oder anderen Veranstaltungen.

Jährlich werden eine Busfahrt und ein plattdeutscher Stadtrundgang organisiert.

In der Wendezeit habe es eine große Unterstützung vom „Angler-Heimatbund to Kiel“ gegeben, blickt Wolfgang Kartheus zurück und erinnert sich gern an viele gemeinsame Treffen. Inzwischen sind die Mitglieder des Freundeskreises fast alle Rentner. Früher haben sie als Lehrer oder Buchhalter gearbeitet, als Elektromonteur, Geologe oder Physiotherapeutin. Neue Mitglieder, gern auch Jüngere, seien immer willkommen.

„Jeder kann Mitglied werden. Plattdeutsch ist keine Pflicht“, sagt Wolfgang Kartheus und erzählt, dass er erst kürzlich einen Anruf erhielt, ob man im Freundeskreis die Sprache erlernen könnte. „Wir geben keinen Unterricht. Aber man kann bei uns gern einfach nur zuhören und dann auch selbst reden“, macht er Mut. So käme es vor, dass jemand nur dabei sein möchte, weil er die Sprache so gern hört . . .

„Wir sind sehr froh, dass wir unter dem Dach der Volkshochschule aufgenommen wurden“, sagt Wolfgang Kartheus. „Die Einrichtung stellt uns nicht nur die Räume zur Verfügung, sondern gibt auch Honorare für besondere Referenten und Veranstaltungen“, ist Kartheus für die Hilfe sehr dankbar.

So sei es über die Jahre gelungen, auch mal den einen oder anderen Platt-Promi, wie den Sänger Benjamin Nolze oder den Autoren Wolfgang Kniep einladen zu können. Ansonsten sind es die Mitglieder selbst, die nach einem Jahresplan die Veranstaltungen vorbereiten, durchführen und in regelmäßigen Rundschreiben Wissenswertes rund um das Thema und die Treffen vermitteln. Selbst auf Urlaubsreisen macht das Platt keine Pause: „So haben wir uns sogar in Namibia mit einem deutschen Pastor über das Niederdeutsche unterhalten“, erzählt Wolfgang Kartheus, der Opa von fünf Enkeln ist. Und einen seiner Jungs hat er jedenfalls mit seiner Leidenschaft fürs Platt schon angesteckt.

Aus dem neuen Jahresprogramm

Kirche und Gitarre (up Platt) mit Dietmar Prophet, 3. Februar. Die Kirche in Altefähr wird vom Ortschronisten Lothar Dols am 3. März vor gestellt. Zur Jahreshauptversammlung lädt der Freundeskreis am 7. April ein.

Die Jahresfahrt führt am 11. Mai zur Marienkirche in Rostock. Gäste sind willkommen.

Ein Besuch des Wasserwerkes Lüssow ist am 2. Juni geplant. Um Urlaubserlebnisse geht es am 1. September. Lothar Dols liest „Köster Klickermann“ am 6. Oktober. Mitglieder lesen für Mitglieder am 3. November. Wiehnachten up Platt gibt’s am 15. Dezember.

Die Veranstaltungen finden meist um 18 Uhr in der Volkshochschule, Friedrich-Engels-Straße 28, statt. Kontakt: Wolfgang Kartheus (☎ 03831/38 32 50)

Marlies Walther

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