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Rügen Kurz vor zwölf für Mönchguter Schatz
Vorpommern Rügen Kurz vor zwölf für Mönchguter Schatz
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16:52 16.02.2018
Die Sammlung müsste im Amt Mönchgut-Granitz angesiedelt werden. Bürgermeister Wolfgang Pester

Göhrens Kurdirektor Jörn Fenske redet Klartext: „Um die Sammlung der Mönchguter Museen für die Nachwelt erlebbar zu machen, muss ein Wissenschaftler sie aufarbeiten und bewerten. Das ist unser Schatz. Wenn wir jetzt nicht anfangen, dann wird irgendwann kein Fundus mehr da sein.“

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Domizil und Betreuer für Fundus gesucht / Göhren braucht Hilfe für langfristigen Museumsbetrieb

Die kulturhistorische Sammlung, mit der Museumsgründerin Ruth Bahls (1909 bis 1994) in den 50er Jahren begann, umfasst weit über 50000 Exemplare: Gemälde, Fotos, Bücher, Möbel, Spielzeug, Haushaltsgegenstände, Arbeitsgeräte, Kutschen, Textilien, Glas, Porzellan, Archivunterlagen. Für eine fachgerechte Lagerung müsse jetzt ein Gebäude gefunden werden. „Bisher ist alles dezentral gelagert in Containern, im Magazin im alten Heizhaus an der Schule, auf dem Museumshof und in Middelhagen, künftig soll es zentral sein“, so Fenske. Dazu könnte das Heinzhaus erweitert beziehungsweise aufgestockt werden. Weiterhin soll es für den Fundus einen Betreuer – temporär oder länger – geben, der die kulturhistorische Sammlung bestimmt, inventarisiert, katalogisiert und digitalisiert – kurz: auf den neusten Stand bringt. Für diese neue Personalstelle benötige Göhren aber langfristig eine finanzielle Beteiligung von allen Mönchguter Gemeinden, so Bürgermeister Wolfgang Pester. „Göhren geht in Vorleistung und hat eine Museumsstelle ausgeschrieben.“ Diese Vollzeitstelle ist erst einmal auf drei Jahre befristet. „Wir hatten eine große Resonanz aus ganz Deutschland mit 36 Bewerbern“, informiert Kurdirektor Jörn Fenske. Mit zehn Leuten sei man inzwischen in Kontakt getreten. Die Gemeindevertretung wird im März dazu eine Entscheidung fällen, wer als neuer Sachbearbeiter im Museum neben Leiterin Ellen Melzer anfangen wird. „Nach den drei Jahren Tätigkeit muss man dann sehen, ob das der Arbeitsstand bleibt oder ob der Fundus soviel Potential hat, dass er weiter aufgearbeitet werden muss“, erklärt der Kurdirektor. „Ansonsten haben wir ein Heimatmuseum mit drei Löffeln, dazu brauchen wir keinen großen Fundus.“

Um die Mönchguter Museen zukunftsfähig zu machen, soll das Heimatmuseum neu konzipiert und zum „Pommerschen Trachtenmuseum“ als wissenschaftlich arbeitendes Museum entwickelt werden (die OZ berichtete). Bauherr ist der kommunale Eigenbetrieb Kurverwaltung. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde im letzten Jahr saniert und mit einem neuen Anbau versehen. Nun geht es um die inhaltliche Neugestaltung, um das Haus wieder mit Leben zu füllen. Dies ist Bestandteil des Polnisch-Deutschen Geschichtsforums, für das das Ostseebad Göhren zusammen mit seinen beiden Partnerstädten Karlino und Walcz (beide Polen) Interreg-Fördermittel in Höhe bis zu 1,74 Millionen Euro beantragt hatte. Nach einer Zusage wird nun zum Ende dieses Monats mit dem Bescheid gerechnet. „Wir beginnen erst, wenn die Fördermittel auch da sind“, sagt Kur-Chef Fenske. Mit Blick auf die Erfahrungen beim Schrägaufzug werde es keinen vorzeitigen Baubeginn mehr in Göhren geben. Vor Frühsommer 2019 sei nicht mit der Eröffnung der neugestalteten musealen Einrichtung zu rechnen – und dies sei schon eine sportliche Zielsetzung. Denn: Noch immer gibt es viele Fragezeichen, wo es künftig genau hingehen soll mit den Mönchguter Museen, wie sie erhalten, dargestellt und vor allem betrieben werden können.

„Das ist ein tolles Thema, aber bisher haben wir es allein“, sagt Jörn Fenske. Bürgermeister Wolfgang Pester nickt. „Wir können nur langfristig und richtungsweisende Entscheidungen treffen, wenn diese Strategie und die Finanzierung dafür von mehreren Schultern getragen wird.“ Ohne die Unterstützung der anderen Mönchguter Gemeinde werde es nicht funktionieren. „Wir erzählen die Geschichte von ganz Mönchgut, aber die aktuelle Resonanz ist: Ja, dann macht mal. Auf die Schulter klopft uns jeder. Bisher hat nur Baabe Unterstützung signalisiert“, bedauert Fenske.

Für die Mönchguter Sammlung wäre es am besten, wenn sie im Amt Mönchgut-Granitz angesiedelt wäre, sind sich Kurdirektor und Bürgermeister einig. Dies war schon in den 90er Jahren mal geplant, doch seinerzeit von Göhren selbst abgelehnt worden, erinnert sich Wolfgang Pester. Ein großes Problem sei auch, die weiteren historischen Museumsgebäude in Göhren zu sichern. Die Gemeinde habe in die Sanierung von Haus Damp, Rookhus und Heimatmuseum viel investiert. „Wir sind die erste Generation, die die Museen anfasst. Auch der Museumshof muss dringend gemacht werden, aber das kann die Gemeinde nicht leisten“, so Pester. Der Museumshof soll einmal als Erlebnishof privat betrieben werden. Ebenso das Museumsschiff „Luise“. Doch die Fördermittel für die Sanierung des Küstenmotorseglers mussten zurückgegeben werden. „Wir haben keinen Partner gefunden, der das Schiff so restauriert, dass es zehn Jahre betrieben werden kann. Jeder sagte: Wir bauen Schiffe für das Wasser und nicht für das Land“, so Pester. Der Bürgermeister verfolgt nun eine neue Idee: Er versucht, einen Fischer anzusiedeln, der das Museumsgelände am Südstrand mit belebt.

Gerit Herold

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