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Rügen Läuft Gülle ins Brunnenwasser der Familie Misgajski?
Vorpommern Rügen Läuft Gülle ins Brunnenwasser der Familie Misgajski?
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08:59 10.03.2018
Bernard Misgajski mit dem Agrar-Report des Bundesamts für Naturschutz am alten Mühlbach hinter seinem Haus. Quelle: Foto: Uwe Driest

Immer brauner sei das Wasser aus ihrem Brunnen geworden, haben Bernard und Susanna Misgajski im Laufe der Jahre beobachtet. Der Bildhauer und die Historikerin wohnen seit 20 Jahren in Wreechen bei Putbus, wo sie den Kunstort Alte Wassermühle betreiben. „1999 bohrten wir unseren Brunnen bis in 28 Meter Tiefe“, erzählt Bernard Misgajski. „Aber weil wir seit einigen Jahren diese Veränderungen wahrnahmen, verwenden wir das Wasser schon lange nicht mehr zum Trinken.“ Um sich Gewissheit über die Qualität des Wassers zu verschaffen,beauftragten die Eheleute im September vergangenen Jahres die Stralsunder Firma Mülling & Krohn damit, eine Probe des Brunnenwassers zu nehmen. Das Ergebnis war unter anderem ein Ammonium-Wert, der mit 1,7 Milligramm pro Liter deutlich über der Bestimmungsgrenze von 0,5 liegt.

Damit läge das Resultat zwar immer noch weit unter einem Wert, „bei dem wir Maßnahmen ergreifen müssten“, sagt Jörg Heusler, Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis und damit für die Güte des Trinkwassers zuständig. Aber der Gesetzgeber interessiere sich immer mehr auch für die Qualität des Grundwassers. Die interessiert von Amts wegen auch Jan Trenkmann, Leiter der Umweltbehörde des Landkreises: „Das Vorkommen von Ammonium ist ein Indikator für den Einfluss von Fäkalien, Abwasser, Deponie-Sickerwasser, tierische Abfälle, Gülle oder Jauche.“

„Wir verwenden jetzt auch zum Kochen nur noch Mineralwasser und unsere Ferienwohnung können wir bis auf Weiteres ebenfalls nicht vermieten“, sagen die Misgajskis. Ronny Krohn, dessen Betrieb die Probe nahm, hat einen so hohen Wert bislang noch nicht gemessen und beobachtet seit Jahren eine Verschlechterung der Werte insbesondere von Nitrit, Nitrat und Ammonium: „Als gebürtiger Rüganer finde ich es schade, dass sich die Werte in dieser Weise entwickeln, weil ich davon ausgehe, dass dies Auswirkungen auf Flora und Fauna der Insel haben wird.“

Das wollen auch Bernard und Susanna Misgajski „eindeutig beobachtet“ haben. Die sich verschlechternde Wasserqualität sei mit einer dramatischen Abnahme der Artenvielfalt einhergegangen. „An der alten Eiche am Sandweg vor unserem Haus hat es früher Wolken von Libellen gegeben“, erzählen sie. „Libellenhochzeit“ hätten sie das Ereignis immer genannt. „Das war, als das Land noch Brache war und nicht landwirtschaftlich genutzt wurde.“ Auf dem Sommerflieder im Garten hätten früher Schwärme von Schmetterlingen gesessen. Die seien ebenso verschwunden wie die Fledermäuse. Eine Plakette weist das Anwesen noch immer als „Fledermausfreundliches Haus“, aus, „aber es gibt hier seit Jahren keine Fledermäuse mehr“. Auch Stare und Schwalben seien fort, seit vor drei Jahren tote Schwalben auf dem Pflaster hinter dem Haus. gelegen hätten. „Die bringen ihre Jungen nicht mehr durch.“ Andere Vögel, die von Insekten leben, wie Pirol, Neuntöter oder Sprosser, ein Verwandter der Nachtigall, kämen ebenfalls nicht mehr.

Statt Vögel zu beobachten studieren die Misgajskis nun das auf ihrem Tisch liegende Exemplar des Agrar-Reports 2017 zum Thema „Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft“, den das Bundesamt für Naturschutz herausgibt. „Die Probleme gibt es erst, seitdem hier intensive Landwirtschaft betrieben wird“, meint Bernard Misgajski. Im vergangenen Jahr sei Mais angebaut worden und im Jahr davor Biomasse. Die sei grün geerntet und mit vier oder fünf großen Lkw mehrere Stunden abgefahren worden. Bürgermeisterin Beatrix Wilke (parteilos) will sich nun dafür einsetzen, dass das Anwesen der Misgajskis an das öffentliche Wassernetz angeschlossen wird. Dennoch fragt sich Susanna Misgajski, „wie wohl die Werte des alten Mühlbachs sein werden, der hinter unserem Haus vorbeifließt?“ Und die Libellen werden auch keine Hochzeit mehr feiern.

Gefährdete Tiere

Zwei Drittel der Tierarten und Lebensräume in Deutschland sind laut einer Studie des Umweltministeriums aus dem Jahr 2014 in ihrem Bestand gefährdet.

Die Landwirtschaft galt lange Zeit als Garant für Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Mit der Intensivierung im Pflanzenbau zähle sie heute jedoch zu den treibenden Kräften für den Verlust an Vielfalt.

900 000 Hektar Grasland wurden in den vergangenen acht Jahren für Biokraftstoffe in Intensivacker umgewandelt.

Uwe Driest

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