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Land will Kreidemuseumsgründer ehren

Sassnitz Land will Kreidemuseumsgründer ehren

Manfred Kutscher soll Auszeichnung fürs Ehrenamt erhalten. Der Paläontologe hob auch den Verein der Förderer des Nationalparks Jasmund aus der Taufe.

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Manfred Kutschers Herz gehört dem Naturschutz. Er war maßgelblicher Mitbegründer des Vereins der Freunde und Förderer des Nationalpark Jasmund.

Sassnitz. Manfred Kutscher hat irgendwann seinen Trabi und seine halbe Bernsteinsammlung verkauft und sich von diesem Geld einen geländefähigen Citröen geholt. „Ich konnte ja nicht mit so einem stinkenden Auto durch den Nationalpark fahren“, begründet er den Schritt. „Ich wollte meinen neuen Arbeitsbereich richtig kennenlernen kurz nach der Wende.“

OZ-Bild

Manfred Kutscher soll Auszeichnung fürs Ehrenamt erhalten. Der Paläontologe hob auch den Verein der Förderer des Nationalparks Jasmund aus der Taufe.

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Manfred Kutscher ist Naturliebhaber und international anerkannter Amateur-Paläontologe mit dem Herz am rechten Fleck – was wohl im Ehrenamt dazugehört. Seit mehr als 25 Jahren engagiert er sich im „Verein der Freunde und Förderer des Nationalparks Jasmund“. Dafür soll er morgen mit der „Ehrennadel des Landes Mecklenburg-Vorpommern für besondere Verdienste im Ehrenamt“ ausgezeichnet werden.

„Ich weiß gar nicht, wie ich zu dieser Einladung komme, aber ich freue mich darüber und über das stille Dankeschön“, sagt der 74-Jährige aus Sassnitz. Wegen Kutschers Engagement konnte h Europas einziges Kreidemuseum in Gummanz bei Sagard gegründet werden – mit einer interessanten Entstehungsgeschichte.

„Mein Vater brachte mir schon als kleiner Junge in Dessau die Liebe zur Natur näher, und er zeigte mir, dass es wichtig ist, seine Umgebung wahrzunehmen“, erzählt Kutscher. Briefmarken- und Schmetterlingssammlung des Zwölfjährigen mussten damals einer Steinsammlung weichen. „Das mit den abgelösten Briefmarken war Quatsch, und die eine oder andere Puppe aus meiner extra für die Umwandlung gedachten Streichholzschachteln im Garten sind im Bauch eines Spatzen verschwunden“, erzählt er schmunzelnd. „Ich fing stattdessen an, Steine und Fossilien zu sammeln. Ich präparierte und bestimmte die Arten und fand schon als Kind Spaß daran.“

Der Wert der Natur und ihre Schutzbedürftigkeit haben Manfred Kutscher bis heute begleitet. Er studierte Chemie in Magdeburg und arbeitete ab 1966 zuerst im Kreidewerk und dann viele Jahre beim Fischfang in Sassnitz. Nach der Wende konnte er 18 Jahre lang seine Fähigkeiten erst als Aufbauleiter und dann als stellvertretender Leiter der damaligen Außenstelle des Nationalparkamtes einbringen:

„Ich war dicht an der Natur und dem Nationalpark Jasmund. Ich lernte in dieser Zeit so viel über diesen Lebensraum, der sich direkt vor unserer Nase befindet. Viele machen sich keine Gedanken über die natürlichen Zusammenhänge. Ich wollte es irgendwie schaffen, den Menschen die Natur näher zu bringen.“

1991 wurde mit Hilfe von Manfred Kutscher der „Verein der Freunde und Förderer“ gegründet. Eine beachtliche Spende über 50000 Mark der Firma Shell legte den finanziellen Grundstein. „Mit Unterstützung des Nationalparkes Wollin in Polen erhielten wir den ersten Fördermittelbescheid von knapp einer halben Million Euro und wir legten los“, erzählt Kutscher. Nach dem gut besuchten Kreide- und Naturlehrpfad, auf dem über die Geschichte der Kreide berichtet wurde, konnte nun ein altes Gebäude in Gummanz umgebaut und eine Ausstellung eingerichtet werden.

Der Naturlehrpfad erhielt seine ersten Exponate durch einen Zufall. „Ich kann mich daran erinnern, dass ich im Nationalpark beobachtete, wie jemand Stück für Stück eine alte Lore ausgrub“, sagt er.

„Als der Ausgraber fast fertig war, schnappten wir uns das Ding und schon war ein erstes Museumsstück gerettet. Ich weiß bis heute nicht, wer da so viel gebuddelt hatte.“ Nach und nach kamen weitere Ausstellungsstücke zusammen. Das provisorische Museum zählte schon vor der offiziellen Eröffnung eine Menge Besucher. „Der Betreiber der Ferienanlage in der Nähe und wir waren sehr zufrieden“, sagt Kutscher. „ Wir musste nun allerdings das Niveau verbessern und mehr Platz schaffen.“ Wieder mit besonderem Engagement kam auch der zweite Fördermittelbescheid, diesmal mit Unterstützung durch den damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering. „Nach einem Gespräch in Schwerin konnten wir auf die nächste halbe Million Euro Fördermittel zählen und begannen 2013 mit der Erweiterung des Museums“, ist der Rentner stolz. „Es kann sich keiner so richtig vorstellen, was es eigentlich bedeutet, so einen geschichtlichen Ort zu schaffen, zu kalkulieren und zum Erlebnis zu machen.“ Diese Zeit habe viele Nerven gekostet. Vor allem auch, da Fördervereinsmitglieder und seine eigene Familie „teilweise exorbitant in Vorkasse“ gegangen waren. „Ohne das Verständnis der beteiligten Firmen hätte das nicht viel genutzt. Ohne deren Geduld und Vertrauen wären wir sicher das ein oder andere Mal vom Hof gescheucht worden.“

Kutschers aktuelle Aufgabe besteht immer noch darin, den Verein zu unterstützen und dem Museum mit seinem Fachwissen zu helfen. Publikationen, Forschungsaufgaben und neue Aufgaben im Museum fordern ihn weiterhin. Er bestimmt Fossilien, schreibt Beiträge und erzählt über die Zukunft. „Ein Museum eröffne ich aber nie wieder in meinem Leben“, sagt er – und lächelt. Begründer des Kreidemuseums Gummanz zu sein, sei der Reputation genug.

Christine Zillmer

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