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Rügen Landwirte wollen Antworten von der Politik
Vorpommern Rügen Landwirte wollen Antworten von der Politik
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09:39 14.03.2018
Zahlreiche Mitglieder des Bauernverbandes besuchten den Bauerntag Bergener Parkhotel Rügen Quelle: Uwe Driest
Bergen

Viel wurde über Politik und Öffentlichkeitsarbeit gesprochen beim Bauerntag der Rügener Landwirte am Dienstag im Bergener Parkhotel. Die Landwirte wähnen ihr Image angekratzt, Glyphosat und Gülle kämen in der öffentlichen Wahrnehmung „gleich hinter Atommüll“. „Dabei stammen beispielsweise die Nährstoffeinträge im Grundwasser nicht alle aus der Landwirtschaft“, rückte Walter Lonskowski zurecht. „Die Landwirtschaft ist zudem neben dem Tourismus die wichtigste Branche und stellt einen Großteil der ganzjährigen Arbeitsplätze“, so der Vorsitzender des Bauernverbandes in seinem Bericht über das zurückliegende Jahr.

Mit der Ernte konnten die Bauern indes nicht zufrieden sein. „Anfang Juni schien die Welt noch in Ordnung“, so Lonskowski. Aber dann sei das Getreide verregnet. Die größten Einschnitte habe es beim Raps gegeben. „Wir Landwirte brauchen Antworten auf drängende Fragen. Allen voran geht es um die Einkommenssicherung für die Bauern, um die Sicherung der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und um einen ländlichen Raum, in dem gewirtschaftet und gelebt werden kann, ohne gravierende Einschränkungen hinzunehmen.“ Der Trend zur Reduzierung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln werde sich jedoch zusätzlich auf die Erträge auswirken, glaubt der Bauernchef. Zudem hätten mehrere Milchbetriebe ihre Arbeit eingestellt, zuletzt jener in Zirkow. Auch Auflagen bei der Tierhaltung würden sich auf die finanzielle Situation auswirken. Der Verband möchte künftig gegensteuern, „indem wir Regionalität mehr in den Vordergrund rücken und dabei den Rügenprodukteverein einbeziehen“.

Kompensation für Pipelinebau spart künftig 75 Tonnen Stickstoff ein

Der Widerstand Rügener Landwirte gegen die Kompensationspläne des Pipeline-Bauers Nordstream 2 sei ein voller Erfolg gewesen, so die einmütige Meinung. Nun müssten die Bauern keine Flächen abgeben und die positiven Umweltwirkungen betrügen ein Vielfaches der ursprünglichen Pläne. Zusätzliche 50 Tonnen Stickstoff würden durch den neuen Beschluss jährlich eingespart, hob Johann Tophoff-Kaup hervor. Nachdem Nordstream zusagte, in die Zusatzfiltration der Kläranlagen von Bergen und Göhren sowie Stralsund und Greifswald zu investieren, würden künftig insgesamt 75 Tonnen vermieden. Davon entfallen gut 16 Tonnen auf Bergen und rund drei auf Göhren, bestätigt Reinhard Litty vom kommunalen Zweckverband (Zwar). Der Rest werde in den größeren Anlagen der beiden Hansestädte eingespart. Heike Müller, Vizepräsidentin des Landesbauernverbandes, sprach das Problem der Niedrigzinspolitik der EU und die daraus resultierende hohe Nachfrage nach Grund und Boden an. Die Bodenpreise in MV haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht, was das Land zum traurigen Spitzenreiter macht. Grund dafür seien nicht zuletzt finanzstarke Investoren , die zu jedem Preis Anteile an eingesessene Betrieben übernähmen, um an Flächen zu gelangen. „Aus der Verbandsarbeit ziehen die sich dann zurück und wir verlieren Mitglieder“, so Müller.

Neuer Stellvertreter im Vorstand

Marion Zinke, die Landwirtschaftsminister Till Backhaus an dessen Geburtstag, wegen einer Kabinettssitzung vertrat, stellte das vom Ministerium erarbeitete und bei den Bauern umstrittene „MV-Modell der ökologischen Direktzahlungen“ vor. Die Prämie für ökologische Zusatzleistungen soll danach künftig 15 bis 30 Prozent über dem kalkulierten Mehraufwand liegen.

Der langjährige stellvertretende Vorsitzende Max Ott legte seine Funktion aus gesundheitlichen Grünen nieder. An seine Stelle tritt Dirk Klass aus Neuenkirchen.

Driest Uwe

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