Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Lebensgefahr an Steilküsten
Vorpommern Rügen Lebensgefahr an Steilküsten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 10.01.2017
Wenn etwas passiert, sind auch unsere Einsatzkräfte in Gefahr. Amtswehrführer Arne Fründt

/Kap Arkona. Über das unangenehme Wetter mit Glatteis, Schneefall und Unwetterwarnung am Sonnabend hat sich Arne Fründt am Ende doch gefreut: „Zumindest hat dies verhindert, dass sich nach dem Sturm der Katastrophen- und Sensationstourismus in Gang setzt“, so der Amtswehrführer des Amtes Mönchgut-Granitz und betont: „Das ist jetzt unser Hauptproblem. Wir haben alle Küstenabschnitte besichtigt, es gab viele Abbrüche und Unterspülungen. Wenn dann der Frost kommt, werden die Hänge instabil. Es besteht an vielen Stellen Lebensgefahr.“

Zur Galerie
Gemeinden sperren Bereiche ab / Binz warnt vor Gang auf dünne Eisdecke des Schmachter Sees

Und zwar nicht nur für neugierige Spaziergänger. „Wenn etwas passiert, sind nicht nur diese Leute in Gefahr, sondern auch unsere Einsatzkräfte.“ Die Gemeinden warnen deshalb davor, derzeit bestimmte Küstenabschnitte zu betreten und haben diese mit rot-weißen Warnbändern und Schildern gesperrt. Betroffen sind davon beispielsweise das Selliner Hochufer, die Steilküste von Klein Zicker, Bereiche am Göhrener Südstrand in Richtung Nordstrand und Lobber Ort, so Fründt. So musste die Treppe, die vom Wendeplatz in Klein Zicker zum Strand runterführt und der einzige Strandzugang ist, gesperrt werden, weil das Fundament weggespült war. Auch in Alt Reddevitz sei eine Treppe zum Strand beschädigt. Am Kap Arkona müssen sich Touristen auf Einschränkungen gefasst machen. Die Treppe am Gellort ist nach Angaben der Tourismusgesellschaft Kap Arkona vorübergehend gesperrt.

„In den nächsten Tagen werden wir am Hochufer in Sellin schauen, welche Abschnitte des Wanderweges wieder hergestellt werden können und welche, wie vor ein paar Jahren, verlegt werden müssen“, teilte Reinhard Liedtke, Bürgermeister von Sellin und Amtsvorsteher Mönchgut-Granitz, gestern mit. „Ich denke, wir werden den Wanderweg 10 bis 15 Meter vom Kliff landeinwärts weg verlegen.“ Das betreffe den Bereich vom Hotel Bernstein in Richtung Südstrand (Baabe). Alle Gemeinden hätten eine Liste der Küstenabbrüche und der zu erwartenden Kosten erstellt und sie dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt gemeldet. „Wir hoffen, dass wir Geld aus den angekündigten Soforthilfen für Stumflutschäden des Landes bekommen“, so Liedtke. In Sellin werden in Kürze am Hauptstrand die Aufräumarbeiten beginnen, Bäume und Äste werden abtransportiert. „Sie werden zum Südstrand gefahren und dort geschreddert“, so Liedtke.

Lebensgefahr bestehe derzeit auch beim Betreten von Eisflächen. Die Gemeinde Binz warnte gestern davor, augenscheinlich zugefrorene Wasserflächen zu betreten. Im Gemeindegebiet handelt es sich insbesondere um den Schmachter See. „Die Minusgrade der vergangenen Tage haben lediglich eine dünne Eisschicht bilden lassen. Darüber hinaus verhindern Besonderheiten des Gewässers, dass dieses tragfähig und ganzflächig gefriert. Die Warnung betrifft auch die Uferbereiche des Schmachter Sees“, informierte Bürgermeister Karsten Schneider.

Entwarnung gibt es hingegen in Baabe. Dort war die Straße zum Hafen und zum Hotel Solthus teilweise überflutet und zu Fuß nicht mehr zu erreichen. Nachdem der Deich links und rechts des Hotels auf einer Fläche von rund drei mal drei Metern geschlitzt wurde, konnte das Wassers gut ablaufen, was sonst Wochen gedauert hätte. Weil dann die Pegelstände aber wieder angestiegen seien und neues Wasser von außen reinzudrücken drohte, haben die Freiwillige Feuerwehr und die Wasserwehr des Ortes den Deich am Freitag wieder mit Sandsäcken geschlossen, informierte Amtswehrführer Arne Fründt.

„Jetzt wird im Zusammenhang mit dem im Bau befindlichen Radweg vom Baaber Hafen über den Deich nach Alt Reddevitz geprüft, ob dort ein bis zwei Schleusen eingebaut werden, damit in ähnlichen Hochwassersituationen das Wasser schnell ablaufen kann“, kündigt Reinhard Liedtke an.

Gerit Herold

Dänische Fischer mussten neun Seemeilen vor Kap Arkona aus Seenot gerettet werden

10.01.2017

Redaktions-Telefon: 03838 / 2014831, Fax: 2014832 E-Mail: lokalredaktion.ruegen@ostsee-zeitung.de Sie erreichen unsere Redaktion: Montag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr, Sonntag: 10 bis 16 Uhr.

10.01.2017

Viele junge Leute schätzen vor allem Gemeinschaftsgefühl bei den Rettern

10.01.2017
Anzeige