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Rügen Lebensretter auf vier Pfoten: Rettungshunde suchen Vermisste
Vorpommern Rügen Lebensretter auf vier Pfoten: Rettungshunde suchen Vermisste
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00:01 06.04.2016
Übung bestanden: Golden-Retriever-Hündin „Lehmann“ hat die „vermisste“ Schülerin Karoline Stendal gefunden. Quelle: Fotos: Katharina Ahlers

Golden-Retriever-Hündin „Lehmann“ schnuppert an einem Taschentuch. Dann rennt sie los. So schnell, dass ihr Frauchen kaum folgen kann. „Sie hat eine Spur gewittert“, sagt Kerstin Pommerenke. Zielstrebig biegt „Lehmann“ in den Feldweg ab, die Nase zum Boden gerichtet. An einem Gestrüpp bleibt die 8-jährige Hündin stehen. Sie bellt. Vor ihr sitzt die Gesuchte, die 15-jährige Karoline Stendal. „Es ist erstaunlich, wie gut Hunde riechen“, sagt Pommerenke. „Sogar bei diesem Wind.“

Jana Simon (li.) übergibt ihren Hund Berry an Anika Simon.

Seit sechs Jahren sind die 51-Jährige und ihre Hündin Teil der ehrenamtlichen Rettungshundestaffel der Johanniter in Stralsund. Da neun der Mitglieder auf Rügen leben, gibt es neben der Gruppe auf dem Festland eine weitere auf der Insel. Hier wird zweimal wöchentlich für den Ernstfall trainiert.

„Wir haben etwa 15 bis 20 Einsätze im Jahr“, sagt Staffelleiterin Jana Simon. „Mal suchen wir Suizidgefährdete, ein anderes Mal sind Kinder verschwunden. Aber meist sind es alte, demenzkranke Menschen.“ An einen Vorfall in Vilmnitz im September vergangenen Jahres erinnert sich die 47-Jährige besonders. „Ein Mann war aus einer Klinik verschwunden“, erzählt sie. „Zum Glück konnten wir ihn finden — er war bei einem Spaziergang gestürzt und hatte schon einige Stunden in einem Gebüsch gelegen.“ Dass ihr Bordercollie Berry den Vermissten gefunden hat, macht sie stolz. „Da merkt man, dass sich das Training lohnt und man weiß, wofür man das macht.“

Seit zehn Jahren ist die Buchhalterin Mitglied der ehrenamtlichen Helfer. „Damals habe ich etwas gesucht, um Berry zu beschäftigen“, erinnert sie sich. „Mittlerweile trainieren hier zwei Hunde von mir.“

Jana Simons Tochter Anika lässt die zweijährige Maja von der Leine. Der Bordercollie rennt über das große Feld und sucht. „Sie ist für die Flächensuche ausgebildet“, sagt Anika Simon und erklärt:

„Sie sucht nach allen lebenden Menschen, die sich dort befinden.“ Bellend kehrt Maja zu ihr zurück, dreht um und rennt erneut zu Rettungshundeführerin Diana Liebing, die sich einige hundert Meter entfernt im Gras versteckt hat. Anika Simon folgt der Hündin.

„Eine Suche ist für die Tiere sehr anstrengend“, sagt die Staffelleiterin. „Nach einem Einsatz sind sie geschafft. Pausen sind wichtig.“

Auch für die ausgebildeten Sanitäter kann ein Einsatz bedrückend sein — etwa wenn eine Suche erfolglos bleibt oder Vermisste tot geborgen werden. „Der Kreidefelsenabbruch 2012 war sehr schlimm“, erinnert sich Jana Simon. Die Hundehalter werden daher auch psychologisch geschult. Zudem erhalten sie eine Sanitätsausbildung, Karten- und Kompasskunde und lernen Erste Hilfe an Mensch und Tier.“

Für die Ausbildung eignen sich viele Hunderassen. „Sie sollten nur nicht zu groß oder zu klein sein“, sagt die Staffelleiterin. Außerdem sei eine platte Schnauze, etwa bei einem Mops, problematisch.

Der Hund könne nur schlecht riechen und sei schnell aus der Puste. „Das Wichtigste ist aber, dass der Hund Spaß hat“, ergänzt Diana Liebing.

Ende April steht die nächste Rettungshundeprüfung an. Nach dreijährigem Training wird dann auch Rolf Crain mit Golden-Retriever-Rüde Ben antreten. Dort muss Crain zeigen, wie gut sein Hund auf ihn hört. Anschließend folgen weitere Übungen, etwa die Flächensuche nach Vermissten. „Die Mindestanforderung an einen Hund ist, dass er innerhalb von 20 Minuten 30 000 Quadratmeter absuchen kann“, erklärt Jana Simon. Das entspricht der Fläche von vier Fußballfeldern. Eine weitere Aufgabe besteht darin, den Hund mit Maulkorb von Fremden wegtragen zu lassen. „Das ist wichtig bei Einsätzen, bei dem der Hund zu anderen in einen Hubschrauber gegeben werden muss“, sagt Crain.

Die Prüfung sei hart, die Anforderungen hoch. Alle 18 Monate müssen Hund und Besitzer erneut ihr Können unter Beweis stellen. „Aber das ist gut so“, sagt Crain. „Schließlich geht es im Ernstfall um Menschenleben.“

Rettungshundearbeit

Bei der Flächensuche werden Hunde trainiert, Gebiete auf menschliche Witterung zu durchstöbern. Dabei konzentrieren sie sich auf aktuelle Gerüche von Lebenden.

Beim „Mantrailing“ folgen die Hunde ausschließlich dem Geruch einer bestimmten Person. Dazu wird ihnen zu Beginn ein Geruchsgegenstand, etwa ein Kleidungsstück, vom Gesuchten unter die Nase gehalten.

Ein Beller bleibt bis zum Erscheinen der Sanitäter bellend beim Opfer stehen. Ein Rückverweiser hingegen rennt zwischen Opfer und Sanitäter hin und her und zeigt so den Weg.

Die Ausbildung beginnt bereits im Welpenalter, spätestens aber, wenn der Hund vier Jahre alt ist. Die erste Prüfung erfolgt nach etwa drei Jahren.

• www.rettungshunde-stralsund.de

Von Katharina Ahlers

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