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Rügen Ein Ort für Verliebte
Vorpommern Rügen Ein Ort für Verliebte
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13:03 10.11.2018
Ein Ort für Romantiker: der kleine Leuchtturm auf dem Gellen, umrahmt von Windflüchtern. Quelle: Christian Rödel
Neuendorf/Hiddensee

Das Rauschen der Ostseeböen hat etwas Meditatives. Es klingt durch das Geäst der Windfüchter, die den kleinen „Süderleuchtturm“ auf dem Gellen von Hiddensee einrahmen. Wer Ruhe abseits der touristischen Attraktionen des „Söten Lännekens“ oder einfach nur Abgeschiedenheit vom lauten Alltag sucht, wird hier fündig. Für frisch Verliebte oder kurz zuvor im Vitter Astrid-Lindgren-Haus vermählte Brautpaare ist dieser Ort im Süden der Ostseeinsel ein wildromantischer Rückzugsort zum Schmusen und beim Blick auf das Blinken des Leuchtfeuers wurden hier wohl schon unzählige schmachtvolle Liebesschwüre geleistet.

Der „Kleine LeuchtturmHiddensees

Ab dem Jahr 1905 wurde das sogenannte Quermarkenfeuer Gellen errichtet und wird seitdem wegen seiner geringen Höhe von zwölf Meter auch als „Kleiner Leuchtturm“ bezeichnet. Der aus rot und weiß angestrichenen Eisensegmenten bestehende Leuchtturm wurde auf einem Steinsockel errichtet und dient der Küstenschifffahrt als Ansteuerungssignal für das Fahrwasser Gellenstrom von der Ostsee in Richtung Stralsund. Das Quermarkenfeuer verfügt über ein feststehendes Licht, das bei Dunkelheit nach einer vorgeschriebenen Frequenz blinkt und durch rotierende Mechanikteile im Umkreis von 360 Grad sein Licht abstrahlen kann.

Bereits im Mittelalter wurden Leuchtfeuer auf Hiddensee betrieben und eine Luchte (Leuchtfeuer) nahm bereits am Anfang des 14. Jahrhunderts ihren Dienst auf dem Gellen auf. Bei Niedrigwasser sind noch heute die vier mal vier Meter großen Grundmauern des einstigen Bauwerkes zu erkennen. Die einstige Luchte war direkt an die Gellenkirche angebaut und wurde von den dort lebenden Mönchen betrieben. Auf einer historischen Karte aus dem Jahre 1608 war diese Luchte noch eingezeichnet. Im Jahre 1880 wurde eine Tagesmarke (Pfeiler als geodätischer Punkt) an der Südspitze der Insel Hiddensee errichtet, die kurze Zeit später durch eine Bake (unbefeuertes Seezeichen) ersetzt wurde.

Der „Kleine Leuchtturm“ auf Hiddensee ist ein Ort für Verliebte und Ruhesuchende

Auf einer Linie mit der Stralsunder Marienkirche

Diese Bake stand auf einer Linie mit der Stralsunder Marienkirche und markierte die Einfahrt in die Gewässer des Gellens. Wegen des zunehmenden Seeverkehrs vor Hiddensee reichten diese Tagesmarken nicht mehr aus, denn die Schiffe brauchten auch in der Dämmerung und in der Dunkelheit verlässliche Orientierungspunkte. Ebenso waren die Fischer von Hiddensee und Rügen auf Leuchtfeuer angewiesen, um ihre Fänge möglichst früh auf dem Stralsunder Fischmarkt anlanden zu können.

Als Konsequenz aus dieser Notwendigkeit wurde 1894 ein schwedisches Drehfeuer errichtet, aber dieses Feuer reichte für die Fischer nicht aus, weil sie mit ihren Segelbooten nicht in der Lage waren, den vorgegebenen Sektor des Drehfeuers einzuhalten. Gegen Ende des Jahres 1898 wurde der Bau eines festen Leuchtfeuers beschlossen und in Planung gegeben. Die Mühlen der Bürokratie mahlten damals langsam und die Abteilung für Bauwesen / Wasserbau im preußischen Ministerium für öffentliche Arbeit erarbeitete erst 1905 ein Programm zur besseren Befeuerung der Gewässer westlich der Insel Rügen.

Leuchtturm auf der Briefmarke

Das Leuchtfeuer Gellen ist ein weißer, runder Stahlturm mit roter Galerie, roter Laterne und rotem Dach. Das Fundament und der Unterbau bestehen aus gesprengten Bruchsteinen. Die Turmhöhe beträgt 12,30 Meter über Mittelwasser. Der Turmdurchmesser beträgt 2,50 Meter. Das Bauwerk ist bei drei Meter Augenhöhe zehn Seemeilen (18,52 km) weit sichtbar. Das Feuer befindet sich zehn Meter über Mittelwasser. Die Einspeisung der elektrischen Anlagen erfolgt über das Überlandnetz.

Das Leuchtfeuer Gellen wurde in die Sonderbriefmarkenserie Leuchttürme, Leit-, Leucht- und Molenfeuer der Deutschen Post der DDR aufgenommen. Das Erstausgabedatum war der 13. Mai 1975, die Auflage der 10-Pfennig-Marke betrug 15 000 000. Gestaltet wurde die Marke von Jochen Bertholdt.

Wichtigstes Bauvorhaben seiner Zeit auf der Insel

Die Errichtung eines Leuchtfeuers südlich von Neuendorf war zu der Zeit das wichtigste verkehrstechnische Bauvorhaben auf der Insel Hiddensee. Das vorgeschlagene Konzept der Firma Julius Pintsch aus Berlin und Fürstenwalde (der Schriftzug des Firma ist heute noch am Turm gut zu lesen) wurde angenommen, da dieses Unternehmen schon einige Erfahrungen beim Bau von Leuchtfeuern vorweisen konnte. Die Firma war in der Lage, schnell zu liefern, und bereits am 12. Oktober 1905 konnte der Materialtransport zur Insel Hiddensee beginnen. Das Fundament konnte aus Bruch -und Ziegelsteinen am 12. Juni 1906 fertiggestellt werden und der Probebetrieb begann dann ein knappes Jahr später am 29. April 1907. Die endgültige Inbetriebnahme mit Gasglühlicht erfolgte fünf Monate später und zwar am 15. September 1907. Genau 29 Jahre später, ab 1936, erfolgte die Umstellung des Leuchtfeuers auf elektrischen Betrieb.

Fast ganz zerstört in letzten Tagen des II. Weltkriegs

Dadurch wurde die Tragweite des Lichtes aus dem unbewachten Quermarkenfeuer enorm erhöht – und wie es das Schicksal des kleinen Leuchtturms so wollte, wurde dieser noch den letzten Tagen des Tagen des Zweiten Weltkrieges fast gänzlich zerstört. Das Quermarkenfeuer wurde schwer beschädigt. Nach einer ersten Bestandsaufnahme im Dezember 1945 wurde klar, dass die Inneneinrichtung der Laterne völlig unbrauchbar war. Nach zwei Jahren, im August 1947, konnte der provisorische Betrieb erst wieder aufgenommen werden. Im Juli 1949 wurde eine neue Linse eingebaut, die noch während des Krieges produziert worden war. Zu DDR-Zeiten, im Jahre 1985, wurde der Turmsockel neu verfugt und es wurden Malerarbeiten ausgeführt. Eine komplette Grundinstandsetzung des Leuchtfeuers Gellen wurde im September 1992 in Verantwortung des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Stralsund (WSA) begonnen und wenig später abgeschlossen. Das WSA ist noch heute zuständig für den „Kleinen Leuchtturm“ auf dem „Söten Länneken“.

Christian Rödel

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