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Rügen Licht und Luft für Selliner Waldfriedhof
Vorpommern Rügen Licht und Luft für Selliner Waldfriedhof
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00:00 25.03.2017

Die Luft trägt fröhliches Kinderlachen vom Spielplatz der benachbarten Mutter-Kind-Klinik herüber zum Waldfriedhof. Dazu erklingt das Gezwitscher führlingstoller Singvögel, die Sonne bricht durch die noch kahlen Äste und wärmt die Stiefmütterchen, die auf den Gräbern stehen. Nein, dieser Waldfriedhof ist auf keinen Fall ein düsterer Ort. Ein Grund dafür ist die Auslichtung der Gehölze in den vergangenen drei Monaten. „Wir hatten diese Maßnahme seit der Übernahme des kirchlichen Teils 2012 geplant. Es wurde eine große Anzahl an Bäumen entnommen und ausgeästet“, beschreibt Sellins Bürgermeister Reinhard Liedtke. „Die Bäume, die die Barther Firma Martens mit einem Spezialhubsteiger von oben nach unten absägte und schredderte, waren zum Teil total morsch. Da ging es nicht nur um mehr Licht und Ordnung auf dem urigen Waldfriedhof, sondern auch um die Sicherheit seiner Besucher.“

Frank Nowitzki pflegt seit zwei Jahren im Auftrag der Gemeinde den Friedhof in Sellin. Rund um die alte Eiche hinter ihm entseht eine „Urnengemeinschaftsanlage mit Namenskennung“. Quelle: Foto: Steffi Besch

Darüberhinaus wurden Wege ausgebessert, Stubben abgefräst, Zäune erneuert. Noch liegen die großen Baumstämme am Haupteingang gestapelt. Ein bisschen mehr Forst als Friedhof. Und Maschinen hinterlassen nun einmal Spuren. „Acht bis zehn Wochen benötigt die Natur jetzt um zu heilen. Im Mai, wenn alles schön grün ist, wird das sehr gut aussehen“, ist sich Friedhofsgärtner Frank Nowitzki sicher. Und dann wird er auch das frisch angesäte Gras auf der neuen sogenannten „Urnengemeinschaftsanlage mit Namenskennung“ bereits zwei Mal gemäht haben und es kräftig genug emporsprießen, dass hier im Juni die erste Urnenbeisetzung stattfinden kann. Eine Sellinerin, die mit ihrem Ehemann in Bayern lebte, möchte ihren verstorbenen Gatten in die Heimat zurückbringen. „Genau das möchten wir ja gern. Den Sellinern die Möglichkeit geben, Zuhause ihre letzte Ruhe zu finden. Alle fliehen in den Friedwald oder in die See“, sagt Nowitzki. Herkömmliche Erdbestattungen gebe es nur noch selten.

Man müsse mit der Zeit gehen. Und das macht Sellin jetzt. Die neue Urnengemeinschaftsanlage ist ein etwa 200 Quadratmeter großes Areal. Im Zentrum steht eine schöne alte Eiche. Hier sollen Blumen niedergelegt werden können. „Die Anlage wird von oben und mit etwas Fantasie betrachtet, wie ein Seeigel aussehen. Es werden immer zwei Grabplatten mit Namen, Geburts- und Sterbedatum versehen nebeneinander liegen. Diese werden 30 mal 30 Zentimeter groß sein“, erläutert der 54-jährige Seramser die Pläne. Thiessow, wo Nowitzki ebenfalls für die Pflege, das Friedhofsregister und für die Begleitung der Bestattungen zuständig ist, habe eine solche Anlage seit zwei Jahren. „Elf Urnen gibt es dort bereits. Das Angebot kommt an.“ Das wünschen sich Friedhofsgärtner, Amt und Bürgermeister auch von der neuen Idee der Einzelbaumbestattung. „Überall auf dem ca. 3,5 Hektar großen Park ähnlichen Areal stehen stattliche Bäume. Eichen, Buchen, Lärchen und Kiefern. Bis zu zehn Verstorbene können an einem Baum in der Urne beigesetzt werden. Am Baum sollen kleine Stelen aus Stein stehen, welche die Namen der Toten tragen.

„Der Waldfriedhof am Rande der Granitz ist wunderschön und so einmalig auf Rügen. Ich denke, dass viel Licht, weniger Laub und die beiden alternativen Bestattungsformen, bei denen den Verwandten die Pflege abgenommen wird, auch wieder mehr Menschen auf die Idee bringen wird, sich hier beisetzen zu lassen“, so der Friedhofsgärtner. Die Gemeinde Sellin wird nun noch die Kapelle streichen, das Gerätehäuschen soll mit einer Holzstülpschalung verschönert werden, Wege aufgearbeitet und noch viel gepflanzt werden. Die Bohlen und Balken der gefällten Bäume werden für Ausbesserungen an der Seebrücke und die Abgrenzung an Strandzugängen verwendet. Brennholz kann bei der Gemeinde über Elke Hartwig im Amt Mönchgut-Granitz erworben werden, ☎ 038303/ 16410.

Steffi Besch

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