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Rügen Lietzow: Neuwahlen oder Zusammenraufen
Vorpommern Rügen Lietzow: Neuwahlen oder Zusammenraufen
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00:01 05.12.2017
Lietzow

Wie geht es in der Lietzower Gemeindevertretung weiter? Deren Mitglieder waren am Sonntag mit einem von ihnen initiierten Bürgerentscheid zur Abwahl des Bürgermeisters gescheitert (siehe OZ von gestern). 80 Stimmberechtigte votierten dafür, aber ebenso viele dagegen. Für die Abwahl wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig gewesen.

„„Es wäre ja kontraproduktiv, wenn wir versuchten, die Arbeit allein zu machen. Beide Seiten wollen ja Lietzow voranbringen.“Lars Riske, stellv. Bürgermeister

„Wie kriegen wir die Kuh vom Eis? Das ist jetzt die Frage“, sagte Bürgermeister Jürgen Böhnig gestern auf OZ-Nachfrage. Er freute sich über das Vertrauen der Einwohner, die ihn bis zum Ende der regulären Amtszeit an der Spitze der Gemeinde sehen wollen – im Gegensatz zur Gemeindevertretung, die ihn aus dem Weg haben wollte. „An dieser Situation hat sich erst mal nichts geändert.“

Aus Böhnigs Sicht gibt es zwei Möglichkeiten, das Problem zu lösen: „Entweder wir wählen komplett neu oder wir raufen uns zusammen.“ Letzteres erscheint offenbar auch den Mitgliedern des Gemeinderats als einzige sinnvolle Lösung. Man wolle und könne den Bürgermeister nicht ausgrenzen, doch auch umgekehrt dürfe das nicht passieren. „Es wäre ja kontraproduktiv, wenn wir versuchten, die Arbeit allein zu machen“, sagt Lars Riske, der 1. Stellvertreter des Bürgermeisters. Er verweist auf ein Rundschreiben von Jürgen Böhnig, das am Sonnabend vor der Wahl an die Lietzower Haushalte verteilt wurde. Darin hatte der Bürgermeister seine Sicht der Dinge zum Bürgerentscheid und der Initiative der Gemeindevertretung dargelegt und weitere Ziele für seine Arbeit formuliert, die er bis zum Ende seiner Wahlperiode im Frühjahr 2019 gern umsetzen möchte. Diese Ziele, so Riske, seien die gleichen wie die, die auch der Rest der Gemeindevertretung verfolge. „Beide Seiten wollen Lietzow ja voranbringen.“

In die Arbeit wolle man sich künftig energischer einbringen. Zur besseren Zusammenarbeit seien aber regelmäßige Treffen zwischen dem Gemeindeoberhaupt und der Spitze der Gemeindevertretung nötig, wie es sie schon einmal gegeben habe. Diese Zusammenkünfte wieder aufleben zu lassen, ist ein Vorschlag des Gemeinderats zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister.

Dem will sich Jürgen Böhnig auch nicht verschließen, versichert er und spricht von einem Kompromiss, der dem Ort dient. „Ich habe mit keinem der Gemeinderatsmitglieder persönlich Streit. Aber ich bin alt genug, um auch menschliche Probleme lösen zu können“, so der 74-Jährige. Sehr gern gebe er Aufgaben an seine Mitstreiter im Gemeinderat weiter. Doch wer welche übernehme, müsse auch aktiv dabei sein und sich einbringen. Nur zu meckern, bringe niemanden voran. „Eines der gemeinsamen Ziele könne zum Beispiel die Eröffnung eines Kindergartens im aktuellen Jugendklub sein.“

Keine Mehrheit für Abwahl

235 Abstimmberechtigte waren am vergangenen Sonntag zum Bürgerentscheid aufgerufen. Sämtliche 160 abgegebenen Stimmen waren nach den ersten vorläufigen Informationen des Abstimmungsleiters Steffen Ulrich gültig. 80-mal wurde mit Ja für eine Abberufung des Amtsinhabers votiert, 80 Lietzower votierten dagegen. Für die vom Gemeinderat angestrengte Abwahl hätten mindestens zwei Drittel der Stimmen Ja-Stimmen sein müssen. Das offizielle Ergebnis wird heute nach der Bestätigung durch den Abstimmungsausschuss erwartet.

Maik Trettin

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