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„Mach Dich privat, das hier geht zu Ende“

Sehlen „Mach Dich privat, das hier geht zu Ende“

Die Deutschen werden immer großzügiger — zumindest bei der Auswahl ihrer Wand- und Bodenfliesen.

Sehlen. Die Deutschen werden immer großzügiger — zumindest bei der Auswahl ihrer Wand- und Bodenfliesen. Zeigten sie sich früher eher „kleinkariert“ und bevorzugten 15 mal 15 Zentimeter große Fliesen, dann kann das Format des Wand- und Bodenbelags heute oft nicht großflächig genug sein. 47 Jahre lang, von seiner Lehre als Fliesenleger bis heute als Seniorchef einer Handwerksfirma mit 17 Beschäftigten, hat Jürgen Gasnik die Moden kommen und gehen sehen. Und die Geschmäcker seiner Kunden stets toleriert. Nur für weiße Fugen zwischen Bodenfliesen hat er kein Verständnis: „Die werden doch sofort grau.“

Den Sehlener „Fliesenhof“ führen mittlerweile die Kinder des 71-Jährigen als GmbH, und zwar alle drei zusammen. Der heute 48 Jahre alte Sohn Jörg war von Anfang an mit dabei, als sich der Vater am 1. August 1990 selbstständig machte. Zuvor hatte der Papa beim VEB (Volkseigener Betrieb) Bau in Bergen gearbeitet. „Mach dich privat, das hier geht zu Ende“, hatte man ihm geraten, als die Wende kam. Der zweite Sohn Jens (46) hatte zunächst Möbeltischler gelernt, bevor auch er drei Jahre später, 1993, in den Familienbetrieb einstieg. Da war die heute 44-jährige Tochter Annett schon ein Jahr im Fliesenhof beschäftigt. Und Mama Anita, die seit 50 Jahren mit Jürgen verheiratet ist, kümmerte sich um die Büroarbeit.

„Damals sind ja viele Betriebe eingegangen.“ Der älteste Sohn Jörg weiß noch genau, warum er sich mit dem Vater zusammengetan hat. Nach und nach holte Jürgen Gasnik, der 1971 seine Meisterprüfung abgelegt hatte, auch ehemalige Kollegen aus dem VEB in seine kleine Firma. Und der Laden lief.

Mit gewissem Stolz erzählen die Gasniks von erfolgreichen Projekten: Sie haben beim Bau des Naturerbe Zentrums Rügen mitgearbeitet, bei der Neugestaltung des Binzer Kurhauses, beim Bau großer Autohäuser und bei der Sanierung zahlreicher Wohnblöcke in Bergen. „90 Prozent unserer derzeitigen Projekte sind Neubauten“, betont Sohn Jörg, darunter auch die neuen Eigentumswohnungen im Prora-Komplex. Darüber hinaus zeigen die Gasniks beim Bau von privaten Neubauten sowie von Ferienhäusern und -wohnungen ihr handwerkliches Können. In ihrem „Show Room“ präsentieren sie zahlreiche Beispiele für die Vielfalt von Farben und Mustern. Ebenso wie die Formate der Fliesen größer geworden sind, neigen die Kunden heute eher zu schlichter Zurückhaltung: Man sieht Fliesen in unterschiedlichen Grau- und Weißtönen, Deko-Fliesen treten in den Hintergrund, dafür sind solche in Holzoptik hoch aktuell. Auf Messen informieren sich die Gasniks regelmäßig über neue Trends. Die Rüganer allerdings, weiß Tochter Annett zu berichten, hinken da ein bisschen hinterher: „Wenn etwas im Süden Deutschlands in Mode kommt, dauert es ein Jahr, bis es auch hier gefällt.“

Den Seniorchef freut es, dass die ganz Familie an einem Strang zieht. Offenbar war seine Passion für den Beruf ansteckend. „Man sieht, was man geschaffen hat“, sagt er. „Und das hält fürs ganze Leben“, sekundiert Sohn Jörg. Akkurates Arbeiten ist das A und O dieses Gewerkes, denn „Fehler kann man nicht vertuschen.“ Schließlich ist der Fliesenleger mit dem Maler der letzte, der das neue Haus verlässt. Sorgen bereitet den Gasniks der Nachwuchs. „In den letzten acht Jahren hatten wir keine einzige Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz“, beklagt Anita Gasnik. „Arbeit ist genug da“, ergänzt ihr Mann. „Es will aber keiner mehr lernen“, und dies, obwohl es ein Beruf mit Zukunft ist. Offenbar scheuten viele junge Menschen die körperliche Belastung, denn ein Fliesenleger muss schwere Kartons schleppen und auf Knien arbeiten.

Beruflich wie privat hält der Clan zusammen. Nicht nur wohnen alle Kinder, ihre Partner und die fünf Enkelkinder „ringsherum“. Sondern die Söhne sind dem Vorbild ihres „alten Herrn“ auch bei der Wahl ihrer Freizeitbeschäftigungen gefolgt. Für diesen, den Sohn eines Försters, gehörte die Jagd schon immer zum Leben: „Als Kinder waren wir die Treiber, wenn die Russen im Revier jagen wollten“, erinnert er sich. Auch die beiden Söhne sind Jäger geworden und teilen überdies ein weiteres väterliches Hobby — das Jagdhornblasen. „Unsere Bläsergruppe Rügen hat es in den 1960er Jahren sogar auf den 4. Platz bei den DDR-Meisterschaften gebracht“, sagt der Senior.

Von Susanna Gilbert

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