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Mal völlig stressfrei: „Auf Rügen finde ich Zeit für mich“

Mal völlig stressfrei: „Auf Rügen finde ich Zeit für mich“

Markus Maria Profitlich gastierte mit seinem neuen Programm im Theater Putbus und sprach im Anschluss übers Fernsehen, die Bühne, zuviel Arbeit und den Ruhestand

Putbus Mit seiner Sendung „Mensch Markus“ hat Markus Maria Profitlich Comedy-Geschichte geschrieben. Nun tourt der Rheinländer auch auf Rügen mit seinem zweiten Soloprogramm „Schwer im Stress“. Nach einem Auftritt in Baabe war das Putbuser Theater an der Reihe. Fünf Minuten brauchte der Komiker, um das ausverkaufte Haus für sich einzunehmen. Eineinhalb Stunden wischte sich das Publikum Lachtränen aus den Augen. Die OSTSEE-ZEITUNG hat den Comedian zum Interview getroffen.

 

OZ-Bild

Gestenreich und mit eindringlichem Blick begeistert der Komiker Markus Maria Profitlich in Baabe sowie auf der Bühne des Theaters Putbus.

Quelle: Gaia Born

Herr Profitlich, Sie sind ja nicht zum ersten Mal auf Rügen...

Markus Maria Profitlich: Zum ersten Mal war ich vor fünf oder sechs Jahren privat mit meinen beiden Töchtern hier im Urlaub. Dann vor vier Jahren noch mal – und vor zwei Jahren habe ich mein erstes Soloprogramm hier gespielt. Bis auf die eine schmale Straße, die hier durchführt, finde ich es sehr schön. Die könnte man auch ruhig vierspurig machen. Wenn hier der Bischof Tebartz van Elst wohnen würde, wäre die Straße bestimmt schon sechsspurig, und zwar in drei Monaten (lacht). Hier auf Rügen finde ich auch Zeit, mich einfach mal um mich zu kümmern und gar nichts zu tun.

Wie entstand „Schwer im Stress“?

Profitlich: Ich arbeite mit zwei Autoren, Linus und Helge, zusammen. Wir haben ein knappes Jahr vor der Premiere versucht, uns zu treffen. Aber mal hatte der eine keine Zeit, mal der andere.

Je näher der Termin kam, desto stressiger wurde das. Und als wir uns dann getroffen hatten, wussten wir das Thema für die Soloshow: „Stress“. Um die Texte habe ich sehr gekämpft. Linus und Helge haben sich die Finger blutig geschrieben, aber ich war unnachgiebig und habe gnadenlos ausgewählt. Ich will, dass es gut ist. So war das bei „Mensch Markus“ auch: Man brauchte um die 300 bis 400 Sketche pro Staffel – und da habe ich aus 3000 Texten ausgewählt.

Der Erfolg hat Ihnen recht gegeben. Sie haben für „Mensch Markus“ dreimal den Comedy-Preis bekommen.

Profitlich: Ja, aber nach sieben Staffeln und 2500 Sketchen reichte es dann auch mal. Jetzt mache ich meine Tourneen mit Soloprogrammen. Fernsehen machen ist toll, man kann mit der Technik viel zaubern. Aber auf der Bühne hat man den direkten Kontakt zum Publikum. Man muss jeden Abend die Leute zum Lachen bringen. Wenn das funktioniert, bin ich glücklich, ein besseres

Gefühl gibt es gar nicht.

Probieren Sie Ihre Programme vorher aus?

Profitlich: Nein. Ich habe direkt Premiere. Früher waren die drei Stunden lang, dann konnte ich immer streichen, was nicht funktioniert. Aber bei diesem Programm war ich mir sicher, dass es funktioniert. Ich weiß einfach, was es heißt, in Stress zu geraten und da auch wieder rauszukommen. Deshalb kann ich über dieses Thema aus eigener Erfahrung sprechen. Ich musste anderthalb Jahre im Beruf aussetzen, weil ich mir zu viel aufgehalst hatte. Mit meiner Produktionsfirma Schwerlustig.tv hatte ich zwei Staffeln „Mensch Markus“ produziert und nebenher weitere Formate. Im Anschluss bin ich auf Tournee gegangen – und habe eine Kehlkopfentzündung bekommen. Ich habe fast 80 Sitzungen bei der Logopädin gearbeitet, bis ich wieder sprechen konnte.

Kam Ihnen da nie der Gedanke, ganz aufzuhören?

Profitlich: Wäre ich nie drauf gekommen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich sehe das als Gottesgeschenk an. In meinen alten Beruf als Schreiner wäre ich nicht mehr reingekommen. Ich habe mir lieber Zeit genommen, um wieder auf die Beine zu kommen.

Wollen Sie noch mal etwas Eigenes fürs Fernsehen machen?

Profitlich: Eher nicht. Ich habe damals versucht, einige meiner Formate zu verkaufen. Da haben mir alle gesagt, es sei nicht mehr die Zeit für solche Sendungen. Zwei Jahre später tauchten die Formate wieder auf – in Deutschland gibt es kein vernünftiges Urheberrecht. Und von einem pickligen 25-jährigen Redakteur möchte ich mir nicht mehr erklären lassen, wie Comedy funktioniert. Ich beobachte nur noch wenig, was im Fernsehen passiert. Vieles, was heute als Comedy verkauft wird, finde ich einfach nicht mehr komisch.

Sind Sie Kabarettist oder Comedian?

Profitlich: Ganz klar Komiker. Ich habe nicht den Anspruch, die Leute zu belehren. Wer möchte, kann sich bei der ein oder anderen Pointe etwas denken. Es soll Spaß machen, das Leben ist schon schwer genug.

Ihr Programm „Schwer im Stress“ läuft noch zwei Jahre – was kommt danach?

Profitlich: Noch ein Programm – und dann schaue ich, ob das meine Abschiedstournee wird. Dann bin ich bald 60. Ich freue mich auf den Ruhestand. Das habe ich mir verdient, ich habe ja schon mit 14 angefangen, viel zu arbeiten.

Was werden Sie im Ruhestand tun?

Profitlich: Ich habe ein kleines Kajütboot am Rhein liegen. Ich kann mir gut vorstellen, damit durch Europa zu tuckern. Ich habe eine hohe Affinität zum Wasser, mein Vater Hermann ist mit uns früher im Urlaub nie in die Berge gefahren, sondern immer an die See. Sein Traum war ein solches Boot, deshalb habe ich meins nach ihm benannt.

2017 wieder im Norden

56 Jahre alt ist Markus Maria Profitlich heute. Der Tischler, der mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, wurde nach ersten Versuchen auf lokalen Bühnen fürs Fernsehen entdeckt. Unter anderem war er von 1999 bis 2001 bei der Wochenshow tätig. Von 2002 bis 2007 stand er für die TV-Serie „Mensch Markus“ vor der Kamera.

Mit seinem Programm „Schwer im Stress“ ist er am 31. März 2017 wieder im Norden zu erleben – in der Alten Brauerei in Stralsund

Interview von Gaia Born

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