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Manches wird passend gemacht

Wendorf Manches wird passend gemacht

Burckhard und Elke Witt führen ein zufriedenes Leben im Gutshaus

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Helmut und Grundrun Rosenberger umgeben sich gern mit Tieren. Seine Norweger spannt der Pferdefreund schon mal vor die Kutsche. FOTOS (4): UWE DRIEST

Wendorf. Ab 1928 verdienten die Eltern von Burckhard Witt ihren Lebensunterhalt als Landarbeiter auf Gut Wendorf. „Zu Gutsbesitzer Axel Lebahn hatten sie ein gutes Verhältnis und meine Mutter Elisabeth kümmerte sich auch um deren drei Kinder“, erzählt Witt. Vater Willi hatte die Pferde unter sich und fuhr die Herrschaften schon mal standesgemäß mit der Kutsche ins Theater Putbus. „Als mein Vater zur Wehrmacht eingezogen werden sollte, sorgte Lebahn dafür, dass er ’uk’, also unabkömmlich, gestellt wurde.“ Nach der Enteignung der Gutsbesitzer wurden seine Eltern im Gutshaus einquartiert. Das Original der Urkunde vom 30. Dezember 1945, die den Witts das halbe Haus und zehn Hektar Land zum „vererbbaren Eigentum“ vermacht, hat das Ehepaar Witt aufbewahrt. Bis zum Eintritt in die LPG 1960 bewirtschafteten die Familie den Hof als Einzelbauern und Vater Willi fuhr die Milch zur Molkerei ins nahe Garz.

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Burckhard und Elke Witt führen ein zufriedenes Leben im Gutshaus

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„Meine Mutter hielt noch lange Kontakt zu Familie Lebahn, die zu Weihnachten immer Pakete mit Kaffee und Schokolade sandte“, erinnert sich Burckhard Witt. Als Lebahns Kinder Ortrud, Sigrun und Axel jr. ihr ehemaliges Elternhaus nach der Wende besuchten, hätten sie sich auch an das Bienenhaus im Garten noch erinnern können.

Das Licht der Welt hatte Burckhard Witt 1941 im auf der anderen Seite der Landstraße gelegenen dörflichen Teil von Wendorf erblickt. Nach einer Lehre zum Landmaschinenschlosser arbeitete er ab 1960 bei der Wasserwirtschaft und ab 1970 im Betonwerk von Garz auf dem Gelände der heutigen Solaranlage. Ende der 90-er Jahre wäre dort noch ein neues Werk entstanden, das aber in den Wirren der Nachwendezeit abmontiert und nach Ungarn transportiert worden sei, erzählt Witt. Der Wendorfer freut sich immer, wenn Feriengäste anreisen, mit denen er platt schnacken kann. „Auch, wenn die von der Nordsee kommen.“

Ehefrau Elke ist in Ahlbeck auf Usedom geboren, wo sie bei den Großeltern aufwuchs, nachdem die Mutter Richtung Westen verschwunden war. Die quirlige Frau wurde zunächst Heim- und Horterzieherin, bevor sie von 1959 bis 1961 eine Ausbildung zur Lehrerin im Institut für Lehrerbildung in Putbus – dem alten Pädagogium – antrat. „Weil wir Studenten damals ein ’Landjahr’ absolvieren mussten, kam ich in der LPG von Garz unter. Bei einem Besuch des örtlichen Kinos im heutigen Supermarkt sollte sich das spätere Paar begegnen und beide brauchten nicht lange, um den Gegenüber von den eigenen Vorzügen zu überzeugen. Elke war die adretteste in der Gruppe angehender Lehrerinnen und Burckhardt der schmuckste im Fußball-Team von Traktor Garz, in dem er 22 Jahre – zuletzt als Mittelstürmer – spielte. Burckhardt durfte Elke nach dem Film, an den sich beide nicht mehr erinnern können, zu deren Unterkunft neben der Mühle begleiten. Es wurde geheiratet und 1962 kam Sohn Andreas zur Welt, der heute in einem Pflegeheim in Mukran arbeitet und vier Jahre später Thomas, der im Greifswalder Betonwerk schweißt und schwitzt. Inzwischen vervollständigen vier Enkel die Familie.

Elke Witt wird im November ihren 75. Geburtstag feiern. Sie ist Skorpion, er Löwe. Ob das passt? „Wenn nicht, wird das passend gemacht“, sagt sie. Bis zum Tod der Schwiegereltern im Jahr 1998 bewohnte die Familie das obere Stockwerk des Gutshauses, vor dem vier alte Linden stehen und das sie gern verkaufen möchten, um ihren Lebensabend in Sassnitz zu verbringen.Uwe Driest

Dorfgeschichten von der Insel Rügen

Die schönsten Geschichten aus den Dörfern der Insel sind vor kurzem in Buchform erschienen.

„Dorfgeschichten von Rügen“ ist in einer Auflage von 4000 Stück im Rostocker Hinstorff-Verlag erschienen, rund 170 Seiten stark und beinhaltet 33 Dorfgeschichten. Der Band ist zum Preis von 19,99 Euro im Service-Center der OSTSEE-ZEITUNG am Markt 25 in Bergen auf Rügen sowie in den meisten Rügener Buchhandlungen und vielenweiteren Verkaufsstellen, Kurverwaltungen, Tourist-Informationen und dem Einzelhandel erhältlich.

Die OZ stellt die Dörfer der Insel vor – heute: Wendorf

In und um das 1934 erbaute Haus der Rosenbergers lebten Großeltern, Onkel und Tanten und bewirtschafteten die etwa zehn Hektar Land. „Eigentlich war das ganze Dorf eine Großfamilie“, sagt Gudrun Rosenberger. „Alle halfen sich gegenseitig bei der Ernte und beim Dreschen und wir Kinder tobten auf den Strohbünden. Im Winter fuhren wir auf Melzers Teich Schlittschuh oder mit zusammengebundenen Schlitten den Berg hinunter“, schwärmt sie vom Zusammenhalt im Dorf und von gemeinsamen Festen. In Wendorf habe es weder Zäune noch Hecken gegeben und auch die Hühner liefen umeinander. „Die Menschen klönten auf Treppenstufen, Bänken oder trafen sich an der Pumpe im Dorf.“

Gudrun Rosenberger erblickte das Licht der Welt 1951 in Wendorf, lernte Textilreinigerin in Sellin, schulte später zur Verkäuferin um und arbeitete in der Zweigstelle der Konsumgesellschaft in Garz.

„Ich habe immer gern mit Menschen zu tun gehabt“, sagt die freundliche Frau, die gern Gedichte liest und für ihre Liebsten sogar schon mal sehr persönliche Zeitungen oder Bücher anfertigt.

1969 heiratete sie ihren Helmut. Der ist 69 und „will hundert werden, weil ich noch viele Pläne habe“, die er nach einem Herzinfarkt aber lieber ruhig angehen möchte. Schon als Junge hat Helmut Rosenberger für seinen Pflegevater so hart in der Landwirtschaft arbeiten müssen, dass er Mitgefühl im Ort erweckte. Später lernte er Kfz-Schlosser und arbeitete bei der Wasserwirtschaft, für die er Schöpfwerke entlang der gesamten Ostseeküste betreute. „Wir hatten Rügens beste Werkstatt-Ausstattung mit Drehbänken und allem, was das Technik-Herz begehrt“, sagt er. Ab Mitte der 90-er Jahre arbeitete Helmut Rosenberger für eine Tiefbaufirma aus dem Westen, die härteste Anforderungen an ihre Mitarbeiter gestellt habe.

Die eigenen Kinder und Enkel des Ehepaares sind gerne in Wendorf und bauen sich wie seit Generationen Burgen und Flöße, mit denen sie feindliche Invasoren abwehren oder den angrenzende Garzer See erkunden. Sohn Dirk (44) schenkte den Rosenbergers bereits im Alter von 21 Jahren Enkel David (23). Tochter Liane (39) lebt um die Ecke in Maltzien mit ihren Kindern Max (9) und Anna (7). Max ist ein Allround-Talent in jeder Sportart von Leichtathletik bis Karate „und kann bestimmt 150 Liegestütze“, so die stolzen Großeltern.

Neben den Labradoren, die gerade einen Wurf Welpen großziehen, sind seine drei Norweger-Pferde die große Leidenschaft von Helmut Rosenberger. Wenn Lust, Laune und Wetter stimmen, spannt er die schon mal vor seinen mindestens 120 Jahre alten Jagdwagen, an dem fast jedes Teil noch original ist. Auch beim Erntefest in Putbus ist Helmut Rosenberger regelmäßiger Gast mit seiner Kutsche. „Am Herrentag fahren wir schon mal mit einem Dutzend Kremser über die Insel. Zu einem Anlass wie dem musikalischen Picknick im Park einmal in Kostümen durch die ehemalige Residenzstadt und ihren Schlosspark fahren, „das wäre bestimmt ein schönes Bild“, glaubt Helmut Rosenberger.

Von Jobs in aller Welt die Nase voll

Der gebürtige Bergener Matthias Habel (53) war nach seinem Studium zum Agraringenieur-Pädagogen in Schwerin als Lehrausbilder bei der Ausbildungsgemeinschaft der LPGen von Garz, Poseritz und Samtens für die praktische Ausbildung der Lehrlinge zuständig. „Als meine Frau und ich zusammenziehen wollten, wechselten wir die LPG und konnten später unser Haus in Wendorf kaufen“, erzählt er.

Nach der Wende arbeitete er eine Zeit lang als Schichtleiter beim Hersteller einer Koffeinbrause in Stralsund. Dann absolvierte er eine Umschulung zum Fluggeräte-Mechaniker in Wolgast, arbeitete drei Jahre bei der Bundeswehr in Bayern und später für ein in Nordenham ansässiges Unternehmen der zivilen Luftfahrt in Rumänien. „Irgendwann mochte ich nicht mehr in der Welt herumreisen, sondern wollte lieber meine Familie sehen“, sagt er. So trat er seine heutige Stelle auf dem Geflügelhof Poseritz an. Ehefrau Angela (50) arbeitet in der Werkstatt des DRK in Tilzow und Tochter Caroline (23) als Erzieherin in Lübeck. U. D.

Gutsherr von Russen erschossen

Allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Wendorf 13 Mal. Der Gutsweiler bei Garz wurde 1385 erstmals erwähnt. 1695 bestand der Ort Ohle-Baier zufolge aus vier Höfen, „in denen ein Pensionarius, zwei untertänige Vollbauern und ein Einlieger wohnen“. 1822 gab es einen an der Straße gelegenen Gutshof und zwei am Garzer See gelegene Bauernhöfe, von denen einer seit dem 15. Jahrhundert der St. Nikolai-Kirche in Stralsund gehörte. Den zweiten stiftete im Jahr 1932 der Stralsunder Bürgermeister Albert Gyldehusen ebenfalls der Kirche. Das Herrenhaus des im 17.

Jahrhundert entstandenen Gutes wurde 1843 eingeschossig auf einem Feldsteinsockel erbaut. Markant ist das mittige Zwerchhaus mit dem kleinen Rundfenster im Giebeldreieck. Im geteilten Gutshaus lebt neben Familie Witt auch Irmgard Christoph. Daneben baut sich Florian Melzer nach dem Wegzug seiner Eltern deren Haus aus. Mutter Ellen leitet das Museum von Göhren.

Im Dorf wird erzählt, dass ein Garzer Bürger Gutsbesitzer Axel Lebahn 1945 bei den Russen denunziert hätte. Lebahn sei daraufhin auf Zudar erschossen worden. Fest steht jedenfalls, dass seine Frau nichts über den Verbleib erfuhr und mit ihren Kindern Ortrud, Sigrun und Axel nach Göttingen ging. Wendorf hat heute noch 21 Einwohner. 15 davon leben östlich der Landstraße in Wendorf-Hof und nur noch sechs im ehemaligen Dorf am Garzer See. U. D.

Uwe Driest

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