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Rügen Marineoffizier auf dem Mittelaltertrip
Vorpommern Rügen Marineoffizier auf dem Mittelaltertrip
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00:00 17.02.2017
Moordorf

Diese alte Liebe rostet ebenso wenig wie das niegelnagelneue Schwert von Heiko Wieczorek. Der Mittfünfziger wurde 1970 in dieselbe Klasse im thüringischen Bad Langensalza eingeschult wie seine „Kräuterfrau“ Gabi. Nachdem sich die Wege zwischenzeitlich schieden, führten sie das Paar in der neunten Klasse der Erweiterten Oberschule wieder zusammen und ein Jahr nach dem Abitur besiegelten sie 1982 den Bund fürs Leben.

Weil Heiko sich für eine Karriere bei der Volksmarine entschied und die Offiziersschule besuchte, die er als Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik abschloss, zog das Paar 1985 nach Stralsund und ein Jahr darauf nach Dranske. „Unser Sohn Paul, der inzwischen die zweite Haushälfte bezog und noch in diesem Jahr heiratet, kam bereits auf Rügen zur Welt“, sagt Gabi Wieczorek. Paul musterte ebenfalls bei der Marine an, machte dort seinen Meister für Kommunikationstechnologie und war bereits zweimal im Auslandseinsatz.

Dem Vorbild von Vater und Bruder folgte schließlich auch die ein weiteres Jahr später geborene Marie-Christin. Sie verpflichtete sich für acht Jahre bei der Marine, die sie aber nach der Hälfte der Zeit wieder verließ, „weil sie ihr Herz an einen Kameraden verlor, dessen Zeit endete“, erzählt Mutter Gabi. Das heute in Brandenburg lebende Paar hatte sich auf der Fregatte „Karlsruhe“

kennengelernt, als sie Waffenschmuggel auf dem Seeweg in den Libanon unterbanden.

Vater Heiko, Kapitänleutnant der Reserve, verdiente nach der Wende sein Brot sieben Jahre lang als Planungsleiter in einem Baubüro und begann dann als Leiter der Jugendfreizeitzentren bei der Stadt Putbus. Als ihm das Personal gestrichen wurde, kündigte er und wechselte in ein Projekt, das Jugendliche in Gingst fit für den Arbeitsmarkt machen sollte. Nachdem auch dieses endete, sorgte er auf einem Stützpunkt der US-Army im hessischen Hanau für Sicherheit („Da guckten wir mit Spiegeln unter die Autos.“), verdiente Geld als Service-Ingenieur für Kraftwerke in Nordspanien, bis er schließlich wieder im alten Beruf als Seemann bei der Reederei Hamburg-Süd landete. 1999 war die Familie nach Moordorf gezogen und „seit zwölf Jahren bin ich nun auf allen sieben Weltmeeren zuhause.“

Mit einem Containerschiff war er zuletzt ein gutes Vierteljahr im Mittelmeer unterwegs. Seine Gabi fährt manchmal zum Personaltarif mit oder steigt in einem Hafen zu, den sie mit dem Flugzeug erreicht. Zuletzt waren sie auch in der syrischen Hafenstadt Latakia, „wo wir die unfassbare Armut der alawitischen Bevölkerung sahen“, sagt Heiko Wieczorek. „Wir haben in diesem Jahr unsere Spende persönlich übergeben.“

Gabi Wieczorek hatte ihren Facharbeiter für Buchhaltung gemacht und war vor der Wende bei der Stadt Stralsund zuständig für den Sportstättenbetrieb. „Du hast uns damals immer die Kegelbahnen besorgt“, freut sich Heiko diebisch. Gabi Wieczorek führt zwar noch immer die Bücher anderer Leute, ihre Passion aber entdeckte sie im eigenen Garten. „Als ich sah, wie die Pflanzen in meinem großen Kräuter- und Gemüsegarten gediehen, erwachte in mir die Sehnsucht, mich noch viel intensiver mit all diesen Dingen zu beschäftigen.“ So absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung an einer Kräuterschule zur „Phytotherapeutin“. „Wir dürfen zwar nicht heilen, aber unser Wissen weitergeben“, sagte sie sich und gründete ihren „Kräuterhof Rügen“. „Der beste Schutz vor Krankheiten ist aber Lebensfreude, gute Laune, die Freundschaft zu positiven Menschen und eine gewisse Gelassenheit manchen Dingen gegenüber“, hat sie vom Leben gelernt. Damit die Familie die während der vielen wechselnden Lebensstationen geknüpften Freundschaften unter einen Hut bekommt, „veranstalten wir in jedem Sommer ein Fest“. Und da kommt Heikos rostfreies Schwert ins Spiel. „Weil unser Bekanntenkreis aus ganz unterschiedlichen Menschen besteht, stellen wir die Treffen unter ein Motto, das alle verbindet“, erklärt Heiko. So findet im beschaulichen Moordorf ein eigenes Mittelalterfest statt, an dem eine halbe Hundertschaft an Rittern und Burgfräulein um ein großes Feuer sitzt und Lieder zur Gitarre singt.

Uwe Driest

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